29.02.2008 · Noch hundert Tage bis zum EM-Anpfiff: Die Organisatoren wollen sich mächtig an der WM in Deutschland orientieren. Über Fußball wird im Vorfeld kaum geredet. Das Showbusiness bemächtigt sich stattdessen immer mehr des Sportfestivals.
Von Roland Zorn, BernVor dem realen Anstoß zur Europameisterschaft, Ausgabe 2008, läuft ein Stück großes Fußball-Kino: ein bunter Bilderbogen aller EM-Turniere seit 1960, unterlegt mit pulsierender Musik von heute. Diese 25 Minuten mit Moviestars wie Franz Beckenbauer, Marco van Basten, Gerd Müller, Michel Platini oder Zinédine Zidane stimmen die Fans ein, die neugierig auf die „Euro Experience Tour“ sind, die jetzt und in den kommenden Wochen durch dreizehn schweizerische und österreichische Städte unterwegs ist.
Im angeblich größten aufblasbaren Zelt der Welt, das stark an den „Globus“ erinnert, der in den deutschen Weltmeisterschaftsstädten 2006 Station machte und dort den Appetit auf das Mega-Event noch steigerte. Am Donnerstag war das größte Fußballereignis dieses Jahres noch genau hundert Tage entfernt. Anlass genug für die Organisatoren, ihre Frühform zu zeigen und jenen Optimismus, den man braucht, wenn ein Schlüsselwort wieder und wieder leitmotivisch bemüht wird: Party, Party, Party.
„Es wird eine riesige Party werden“
Martin Kallen, der Organisationschef der Euro 2008, prophezeite am EM-Schauplatz Bern zu Beginn des Countdowns der letzten hundert Tage bis zum Anpfiff: „Es wird eine riesige Party werden.“ Zweiflern, die immer wieder einwenden, in Österreich und schon gar in der bedächtigen Schweiz, den beiden Ausrichterländern, sei es mit der Vorfreude noch nicht so weit her, entgegnete der helvetische Staatsbürger Kallen: „Die Frage ermüdet mich langsam. Schließlich herrscht drei Monate vor Weihnachten auch noch keine festliche Atmosphäre.“
Wer die Planer und Macher des Turniers am Donnerstag hörte, konnte sich des Eindrucks kaum erwehren, dass die großen internationalen Begegnungen des Fußball inzwischen zuerst als Teil des Showbusiness und erst danach als originäres Sportfestival inszeniert werden. Entsprechend werden auch die Zuschauer in den acht EM-Stadien Wien, Klagenfurt, Salzburg, Innsbruck, Basel, Bern, Zürich und Genf diesmal unterhalten.
„Wir konnten viel von der WM 2006 lernen“
Schon drei Stunden vor Beginn der Spiele öffnen sich die Tore der von Spiel zu Spiel ausverkauften Arenen zu Open-Air-Spektakeln mit viel Musik, Künstlern und Animationsprogrammen für die Massen. Wo die Fußballsause erst um 20.45 Uhr beginnt, können die Zuschauer die vorangehende Begegnung auf den Videoleinwänden live beobachten. Die EM eine einzige Fanmeile. „Wir konnten viel von der WM 2006 in Deutschland lernen“, sagt Kallen, der schon die Europameisterschaft 2004 in Portugal organisierte. Public viewing soll auch in diesem Jahr zwischen dem 7. und 29. Juni, wenn in Wien das Finale stattfindet, zum Zauberwort werden.
Und weil es im deutschen Sommermärchen so fröhlich, beschwingt und konfliktfrei zuging, wollen die Nachbarn in der Schweiz und Österreich an diese schöne Zeit des unbeschwerten Fußball- und Lebensgenusses anknüpfen. 1,05 Millionen Karten gibt es für die Spiele in größtenteils kleineren Stadien – und das bei einer Nachfrage, die Kallen am Donnerstag mit zehn Millionen bezifferte. „Die Stadien hätten dreimal so groß sein können, und es hätten immer noch viele Menschen draußen bleiben müssen“, sagte der Turnierchef in Bern.
„Chappi“ sieht Italien oder Deutschland vorne
Im März wird die Uefa ihre eigens für die EM komponierte und in zehn Sprachen präsentierte Website www.euro2008.com präsentieren. Mit noch mehr Videoelementen als zu früheren Gelegenheiten, mit Details zu allen Spielen und Spielern, mit Livestreams, Interviews, Blogs und allem, was den erwünschten Massen-Click auslösen wird. Information und Entertainment sollen auch im Netzwerk der Europameisterschaft auf 30.000 angebotenen Seiten eine natürliche Liaison eingehen.
Ach ja, der Fußball war in Bern am Donnerstag auch vertreten: durch Stéphane Chapuisat, der einst mit Borussia Dortmund die Champions League eroberte und sein Heimatland in 103 Länderspielen glänzend repräsentierte. „Chappi“, wie er im Revier genannt wurde, ist inzwischen der schweizerische Fußball-Botschafter für die Europameisterschaft. Dass Heimatliebe blind mache, konnte Chapuisat am Donnerstag niemand nachsagen, denn als Europameister erwartet der Klassestürmer entweder den dreimaligen Kontinentalchampion Deutschland oder Weltmeister Italien.
Sollten die höher als die Österreicher eingeschätzten Schweizer irgendwann aus dem Kampf um den in Bern schon mal glitzernden, silbernen Henri-Delauney-Pokal ausgeschieden sein, wird der Westschweizer sowieso nur noch Deutschland die Daumen drücken, denn hier fühlt sich der immer noch beliebteste Schweizer Profi der Bundesligageschichte nach wie vor wie zu Hause.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 22 | 33 | 49 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 22 | 23 | 46 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bayern München | 22 | 35 | 45 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 22 | 1 | 36 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 22 | 3 | 34 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 22 | -2 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
Hamburger SV | 22 | -10 | 26 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 22 | -11 | 25 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 22 | -6 | 24 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Köln | 22 | -13 | 24 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 22 | -12 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 22 | -12 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 22 | -17 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 22 | -20 | 18 | ![]() |