12.02.2012 · Didier Drogba will mit der Elfenbeinküste an diesem Sonntag (20 Uhr) im Finale gegen Sambia endlich Afrikameister werden. Es wäre die Krönung einer Weltkarriere. Den dritten Platz sichert sich überraschend Mali.
Von Olaf Jansen, Libreville.Sie sind wieder von der Bildfläche verschwunden. Didier Drogba und seine Kollegen vom Fußball-Nationalteam der Elfenbeinküste haben sich in Gabuns Hauptstadt Libreville im Hotel „Angondje“ verschanzt. Sie wollen ihre Ruhe haben. Um sich ganz auf das große Finale des Afrika-Cups an diesem Sonntag gegen Sambia (live in Eurosport, 20 Uhr) zu konzentrieren.
Es gilt für die „Goldene Generation“ der Ivorer, einen Makel zu tilgen: Es muss endlich ein großer Turniersieg her. „Wir sind dran“, sagte der 33 Jahre alte Drogba nach dem gewonnenen Halbfinale gegen Mali (1:0). Mehr Worte wollte er nicht verlieren. Seit zehn Jahren gehen der Star-Torjäger vom FC Chelsea und seine Kollegen stets als Favoriten in Afrikameisterschaften. Gewonnen haben sie den Titel nie.
Malis Fußball-Nationalmannschaft hat sich unterdessen überraschend den dritten Platz gesichert. Der Außenseiter setzte sich am Samstagabend im kleinen Finale mit 2:0 (1:0) gegen Ghana durch. Beide Treffer erzielte Cheick Diabate (23./80. Minute). Ghana musste eine knappe halbe Stunde mit zehn Spielern auskommen, nachdem der Hoffenheimer Bundesliga-Profi Isaac Vorsah in der 64. Minute die Gelb-Rote Karte gesehen hatte.
Als Didier Drogba 2002 sein Debüt im Nationalteam der Elfenbeinküste gab, fügte sich im ivorischen Fußball so einiges zusammen. Zeitgleich mit dem durchschlagskräftigen Mittelstürmer, der in Frankreich gerade den Durchbruch vom Talent zum Erstligaspieler geschafft hatte, drängte eine ganze Reihe äußerst talentierter junger Spieler in die Nationalmannschaft. Didier Zokora, Kolo Touré, Siaka Tiene, Kader Keita und Aruna Dindane kamen allesamt von der mittlerweile berühmten Jugendakademie in Abidjan.
Drogba war der Einzige des Teams, der aus Europa dazu stieß. Rasch entwickelte er sich zum Anführer der jungen ivorischen Himmelsstürmer. Das Talent der Mannschaft war außergewöhnlich. Mit ihrem rasenden Angriffsfußball und technischen Fähigkeiten avancierte die Mannschaft zum interessantesten Team des Kontinents. Manche Experten behaupteten sogar: Diese Mannschaft könnte es sein, die den ersten Weltmeisterschaftstitel nach Afrika holen könnte.
Doch daraus wurde nichts. Zwar qualifizierte sich die Elfenbeinküste für die Weltturniere in Deutschland 2006 und Südafrika 2010, doch die „Elefanten“ schieden dort jeweils bereits in der Vorrunde aus. Schlimmer noch: Die Mannschaft versagte auch regelmäßig bei den Afrikameisterschaften. 2006 unterlag sie Gastgeber Ägypten im Finale im Elfmeterschießen, zwei Jahre später schied sie gegen den gleichen Gegner im Halbfinale aus. 2010 dann der Tiefpunkt, als Drogba und seine Kollegen in Angola gegen das biedere Algerien bereits im Viertelfinale scheiterten. „Ich weiß nicht. Manchmal denke ich, es liegt ein Fluch auf unserem Team“, sagte Drogba damals. Doch es war weniger ein Fluch als vielmehr eine zu schlecht organisierte Vorbereitung und stets auch ein Stück Überheblichkeit, welche den Ivorern in den entscheidenden Momenten im Weg waren.
Nun soll alles besser werden. Die Mannschaft reiste mit ihrem neuen Trainer François Zahoui frühzeitig ins Trainingslager - abgeschirmt von der Öffentlichkeit wurde konzentriert und störungsfrei gearbeitet. „Wir reisen zum Afrika-Cup mit dem Bewusstsein, sechs Endspiele vor der Brust zu haben“, sagte Zahoui. Der in der Elfenbeinküste geborene Trainer verbrachte den Großteil seiner aktiven Spielerkarriere in Italien und Frankreich und ging den Afrika-Cup 2012 beinahe „europäisch“ an. „Mir ist egal, wie unser Spiel aussieht. Wir wollen gewinnen. Allein das zählt“, verteidigte Zahoui die eher unattraktiven Vorrunden-Auftritte seiner Spieler, die in der Heimat schon kritisiert wurden.
Volle Konzentration auf den Titel - diese Devise lebt auch Drogba, Zahouis verlängerter Arm auf dem Spielfeld, seit drei Wochen vor. „Er erinnert uns quasi jeden Tag daran, warum wir hier sind. Er ermahnt uns, konzentriert zu bleiben, keinen Gegner zu unterschätzen und absolut fokussiert auf den Titel zu bleiben. Er ist derjenige, der uns immer nach vorn treibt“, sagt Nachwuchs-Star Gervinho. Drogba will den Titel um alles in der Welt. Er wäre die Krönung einer Karriere, die Spätstarter Drogba selbst einmal als „unglaublich“ bezeichnete. Schon als Fünfjähriger war der in Abidjan geborene Didier nach Frankreich gezogen, lebte bei seinem Onkel. Einem Fußballprofi.
Nach drei Jahren bekam er Heimweh, ging zurück nach Afrika, um dort seine Fußballbegeisterung mit den anderen Jungs aus dem Viertel auf der Straße auszuleben. „In dieser Zeit habe ich mein Herz an Afrika verloren“, sagt Drogba, der dennoch drei Jahre später einen neuen Anlauf in Frankreich unternahm. Wieder ging er zum Onkel nach Paris, diesmal blieb er. Auch, weil seine Eltern 1991 aufgrund großer wirtschaftlicher Probleme in der Heimat nachfolgten und sich in der Nähe von Paris niederließen. Der Vater arbeitete als Zeitungsausträger, die Mutter als Putzfrau. Die Kinder sollten eine Ausbildung machen, um es einmal besser zu haben, so der Wunsch der Eltern.
Doch Didier Drogba entschied sich gegen ein BWL-Studium und für die Fußballkarriere. Die sich allerdings schleppend anließ. Über einen Pariser Vorortklub und den Zweitligaverein Le Mans landete er erst mit 24 Jahren bei EA Guingamp in der ersten Liga. Dort aber entwickelte sich der Stürmer explosionsartig und wechselte zu Olympique Marseille, wo er im Europapokal weltweit auf sich aufmerksam machte. 2004 schließlich der Sprung auf die Insel zum FC Chelsea. Es war der Beginn einer Karriere als Weltstar.
Doch Drogba ist trotz seines Ruhms und Reichtums ein Mann des Volkes geblieben - das bestätigen alle, die mit ihm zu tun haben. Bei seinen Besuchen in der Heimat gibt er sich als „Star zum Anfassen“, im Kampf gegen die immer wieder aufflackernden Rebellenkämpfe in der Elfenbeinküste engagiert er sich für den Frieden. Im September wurde er von Staatschef Alassane Ouattara gar in eine elfköpfige Versöhnungs- und Wahrheitskommission berufen, die den gewalttätigen Konflikt im Anschluss an die Präsidentschaftswahlen in der Elfenbeinküste aufklären soll. Bis er dieses Amt aber so richtig ausüben kann, will Drogba erst noch etwas in seiner Berufung als Fußballer erledigen. Er will endlich Afrikameister werden.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |