19.02.2005 · Giovane Elber im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Lyon, Mönchengladbach und den Unterschied zwischen Deutschen und Brasilianern.
Giovane Elber im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über Lyon, Mönchengladbach und den Unterschied zwischen Deutschen und Brasilianern.
Herr Elber, können wir anfangen?
Ja gleich, ich muß nur kurz telefonieren. Ich konnte es leider nicht vorher erledigen, weil ich gerade erst aus der Kabine komme. Dort dürfen wir nicht telefonieren, und wir müssen eine Stunde vor dem Training dasein, die Handys bleiben dann ausgeschaltet. Das ist ziemlich streng hier.
Bei Bayern München oder Olympique Lyon ging es weniger streng zu?
Was das Telefonieren angeht: ja.
Wann können Sie wieder in der Bundesliga Fußball spielen?
Das ist schwer zu sagen. Vielleicht ist in zwei, drei Wochen wieder alles optimal. Wichtig ist, daß der Verein mir sagt, ich soll mir Zeit lassen. Die wissen ja, daß ich unbedingt spielen will. Aber es hat nur Sinn, wenn ich hundertprozentig fit bin. Ich will nur gesund werden, der Rest kommt von allein.
Warum verläuft der Heilungsprozeß nach ihrem Beinbruch so langsam?
Normalerweise hätte ich im Dezember schon wieder spielen müssen. Aber die erste Operation in Frankreich ist nicht gut ausgeführt worden. Es war ein zweiter Eingriff nötig. Ärzte geben nie zu, daß sie einen Fehler gemacht haben. Sechs Wochen nach der Operation bin ich nach Brasilien geflogen. Dann war ich bei drei Ärzten in Deutschland, die haben alle gesagt, da muß man noch mal operieren, sonst kannst du nicht spielen. Einer hat sogar gesagt, ich könne froh sein, daß ich noch geradeaus gehen kann. Da waren meine Verbindungen nach Lyon abgebrochen, ich wollte mit keinem mehr sprechen. Ich habe nur zu meinem Berater gesagt, ich muß hier so schnell wie möglich weg.
Sie fühlen sich nicht nur medizinisch falsch behandelt. Was hat Sie in Lyon so gestört?
Die erste Saison war interessant für mich, auch wenn es im ersten Jahr immer schwierig ist in einem neuen Land. Wir sind Meister geworden und haben in der Champions League das Viertelfinale erreicht. Das war schon ein Erfolg. Aber ich habe mich nicht als Meister gefühlt, ich kann nicht sagen, daß ich meisterlich gespielt hätte. Es hat einfach nicht geklappt. Ich habe mich gefühlt, als wäre ich im Gegenverkehr gewesen. Wenn ich nach links gelaufen bin, kam der Ball nach rechts. Dann kam auch noch die Verletzung hinzu, und ich war weg vom Fenster.
Hat der Klub Sie im Stich gelassen?
Ein Verein muß sich um verletzte Spieler viel mehr kümmern, als es in Lyon der Fall gewesen ist. Da fehlte es an Professionalität. Ich bin zum Trainingsgelände gekommen, um Rehabilitationstraining zu machen, und es war alles zugesperrt. Ich konnte kein Krafttraining machen oder auf dem Ergometer arbeiten. Wie soll man da gesund werden? Das geht nicht. Am Ende hatte ich überhaupt keinen Bock mehr.
Sie sind es gewohnt, bei Spitzenmannschaften zu spielen. Was verschlägt Sie nach Mönchengladbach?
Die Gladbacher wollen nach oben, das zeigt schon das neue Stadion. Und dann die Anhänger. Stefan Effenberg hat mir schon zu gemeinsamen Bayern-Zeiten gesagt, Gladbach habe die besten Fans der Liga. Sieben neue Spieler zu holen in der Winterpause, das gibt es auch nicht oft. Ich bin nicht hierhergekommen, um gegen den Abstieg zu kämpfen. Trainer Advocaat hat mir gesagt, er will mit dieser Mannschaft ganz oben mitspielen.
Advocaat hat aber auch gesagt, es könne zwei, drei Jahre dauern, bis es soweit ist. Haben Sie so viel Geduld?
Ich habe einen Vertrag bis 2006. Wir müssen versuchen, noch in den UI-Cup zu kommen und dann vielleicht schon in der nächsten Saison international zu spielen. Das ist ein schöner Traum. Und es ist herrlich, wieder ein Ziel zu haben. In Lyon hatte ich kein Ziel mehr. Das ist das Schlimmste, was einem Fußballer passieren kann: Man spielt, aber es ist einem am Ende egal, ob man Meister wird oder nicht.
Sollte Gladbach den UI-Cup erreichen, bekämen Sie weniger Urlaub.
Das ist doch kein Problem. Nach fünf Monaten Spielpause brauche ich keinen Urlaub. Ich würde im Sommer sowieso nicht nach Brasilien fliegen, sondern hier weiterarbeiten und mich auf die Saison vorbereiten.
Das ist ungewöhnlich. Manche Brasilianer bleiben ja gern ein paar Tage länger im Urlaub, koste es, was es wolle.
Es ist bei mir auch schon vorgekommen, daß ich eine Woche länger in Brasilien geblieben bin. Aber dann habe ich gesehen, daß es sich nicht gelohnt hat, weil die Strafe zu hoch war. Da habe ich gedacht, es ist besser, pünktlich zu zurückzukommen.
Wenn Sie nach der Saison sogar auf Ihren Heimaturlaub verzichten, scheint Deutschland Ihnen gefehlt zu haben.
Die Deutschen sehen oft nicht, daß sie es zu Hause viel besser haben als andere Menschen in anderen Ländern. Wenn man weg ist aus Deutschland, merkt man, was man alles vermißt.
Was zum Beispiel?
Daß alles organisiert ist, nicht nur im Fußball. Die Straßen sind sauber, die Busse fahren pünktlich, der Verkehr fließt. Man hat hier alles, was man braucht, um richtig gut zu leben. Na ja, ein bißchen mehr Sonne wäre nicht schlecht. Aber das Wetter ist heutzutage kompliziert und verrückt, auch in Brasilien, da schneit es manchmal sogar. Früher gab's das nicht. Viele Häuser haben keine Heizung, da ist es auch bei zwei, drei Grad plus schon ziemlich kalt. Das Wetter spinnt.
Wie empfinden Sie als Südländer die deutsche Mentalität?
Ich habe sehr viel gelernt von dieser Mentalität. Meine Familie hat in Deutschland super gelebt. Hier gab es überhaupt kein Problem, mit niemandem. Selbst das Wetter stört mich nicht mehr, das war in Lyon auch nicht besser, viel Nebel und im Sommer Smog. Es hängt immer vom einzelnen ab. Man sollte nicht generell sagen: Die Deutschen sind so. Auch in Brasilien gibt es Leute, die über das Wetter klagen, das mag ich überhaupt nicht. Die Deutschen haben nur ein Problem: Sie machen sich selbst schlechter, als sie sind. Sie denken, woanders, im Ausland, ist es immer besser.
Das Talent einmal ausgenommen: Was unterscheidet brasilianische Spielernaturen wie Ailton oder Elber von ihren deutschen Kollegen?
Brasilianer sind interessant für jede Liga. Sie sind ein bißchen verrückt und machen Dinge, ohne nachzudenken. Die Leute gehen doch nicht ins Stadion, nur um neunzig Minuten lang elf gegen elf kämpfen zu sehen. Die Zuschauer bekommen schon mit, daß bei uns alles so spontan ist. Aber es gibt auch eine Kehrseite: Wenn wir Brasilianer Ärger zu Hause haben, können wir auch auf dem Platz nicht viel leisten. Bei deutschen Spielern ist es genauso, nur sieht man es nicht gleich. Ein Deutscher kann sich besser verstellen, wenn er sich schlecht fühlt.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |