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3:2 gegen Limassol : Eiskalte Eintracht zieht in K.-o.-Phase ein

Freude im Team: Torschütze Sébastien Haller (links) wird von seinen Mitspielern beglückwünscht. Bild: EPA

Der Höhenflug der Frankfurter setzt sich auch in der Europa League fort: Nach dem Sieg auf Zypern steht der deutsche Pokalsieger als Teilnehmer der Zwischenrunde fest. Für gleich mehrere Beteiligte gibt es Grund zur Freude.

          Es war der Matchball auf der Götterinsel. Und die Eintracht ließ sich nicht zweimal bitten. Gleich beim ersten Mal griff die Mannschaft von Trainer Adi Hütter beherzt zu und sicherte sich schon zwei Spieltage vor dem Ende der Gruppenphase den Einzug in die Zwischenrunde der Europa League. Die Frankfurter Fußballprofis mussten dafür am Donnerstagabend zumindest eine Halbzeit lang ein härteres Stück Arbeit leisten, denn anders als noch im Hinspiel erwies sich Apollon Limassol in seinem insgesamt 92. Europapokalspiel der Vereinsgeschichte diesmal über einen längeren Zeitraum als zäh und widerstandsfähig. Trotzdem setzte sich die Eintracht durch die Tore von Luka Jovic (17.), Sebastien Haller (55.) und Mijat Gacinovic (58.) bei den beiden Gegentreffer von Emilio Zelaya (71. und 90.+2) 3:2 durch.

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          „Jetzt wollen wir auch Erster bleiben“, betonte SGE-Torwart Kevin Trapp. „Ich möchte heute nur das Positive herausheben, weil wir uns in einer Gruppe qualifiziert haben, in der uns das viele nicht zugetraut haben.“ Torschütze Gacinovic meinte: „Es war nicht einfach für uns. Wir waren nicht frisch, weil wir zuletzt viel gespielt haben. Hauptsache gewonnen.“ Ähnlich sah es Haller: „Wir haben uns qualifiziert, nur das zählt.“

          Dabei war es der vierte Sieg im vierten Spiel. Eine makellose Bilanz, die in dieser Deutlichkeit vorab wohl niemand der Hütter-Truppe in der vermeintlichen „Todesgruppe“ H zugetraut hatte. Doch die Mannschaft hat sich entwickelt – nicht nur in der Bundesliga, sondern auch und vor allem in der Europa League. Nach dem 2:1-Auftaktsieg vor leeren Rängen bei Olympique Marseille, dem furiosen 4:1 gegen Lazio Rom und dem 2:0 gegen Apollon vor zwei Wochen war auch der 3:2-Erfolg auf Zypern verdient.

          Heimspiel auf Zypern? Es hatte fast den Anschein. Die Altstadt von Nikosia: tagsüber fest in den Händen der Fans. Das Stadion von Nikosia: abends gleichfalls fest in den Händen der Eintracht-Anhänger. Es wirkte fast schon gespenstisch. Zwei der vier Tribünen waren nahezu verwaist. Einzig im Gästeblock herrschte drangvolle Enge. Dort hatten es sich die annähernd 5000 Eintracht-Fans gemütlich gemacht. Einheitlich in graue Hoodies gekleidet, wurde fast ohne Unterlass gesungen und geklatscht. Und zumindest auch einmal gejubelt, denn, kein Zweifel: Es war die Mannschaft von Trainer Adi Hütter, die vor der grauen Wand von Nikosia auf Zypern dort weitermachte, wo sie zuletzt im Hinspiel vor zwei Wochen gegen Limassol aufgehört hatte: ein Fußballspiel in der Europa League zu gewinnen.

          Früh schon zeichnete sich ab, dass die Eintracht zwar über die bessere Spielkultur verfügte, Apollon sich aber keineswegs kampflos geschlagen geben würde. Gegenüber dem 0:2 von Frankfurt zeigten sich die Zyprer formverbessert. Trotzdem waren es die Frankfurter, die in der ersten Halbzeit mehr als nur ein Tor hätten erzielen müssen. So nahm der wieder einmal für die Startelf aufgebotene Marc Stendera zwei Minuten vor dem Führungstreffer durch Jovic mit links Maß, verpasste jedoch das Ziel. Das 1:0, auf links und mit links durch den stürmischen Serben nach Vorarbeit von Jetro Willems erzielt, war die Folge großer Entschlussfreudigkeit. Drei Minuten vor der Pause hatte Haller nach vorzüglicher Vorarbeit von Evan Ndicka die Möglichkeit auf 2:0 zu erhöhen, wurde aber von Valentin Roberge gestört, der in höchster Not dazwischen ging. In der 44. Minute tauchten dann zur Abwechslung die Zyprer vor dem Frankfurter Tor auf, schafften es durch Anton Maglica auf rechts aber nicht, Keeper Kevin Trapp ernsthaft in Bedrängnis zu bringen.

          Nach dem Seitenwechsel setzten die Zyprer ihre Angriffsbemühungen fort. Doch die Eintracht schlug eiskalt dazwischen. In der 55. Minute beseitigte Haller alle Restzweifel, wer an diesem 8. November der Sieger sein würde: Frankfurt. Haller profitierte beim 2:0 von einem schnell vorgetragenen Konter über Willems und den flankenden Gacinovic, der nach schwacher erster Halbzeit mit einer präzisen Flanke seinen ersten nachhaltigen Spielmoment hatte. Doch damit nicht genug: Gacinovic war es höchstselbst, der nur drei Minuten nach dem 2:0 das 3:0 folgen ließ. Gegen seinen Flachschuss von der Strafraumgrenze war Apollon-Schlussmann Tasos Kissas machtlos.

          3:0 – das Spiel war entschieden, der Einzug in das Sechzehntelfinale geschafft, wenngleich Apollon in der 71. Minute noch durch den eingewechselten Zelaya mit dem Kopf der Anschlusstreffer sowie in der Nachspielzeit mit einem verwandelten Foulelfmeter sogar noch auf 2:3 verkürzte. Auch wenn Stendera nach der zweiten Gelben Karte mit Gelb-Rot in der 82. Minute des Feldes verwiesen wurde: Es war ein schöner Abend für die Eintracht, und es war auch ein schöner Abend für den rechtzeitig wieder hergestellten Gelson Fernandes, der von Beginn an im defensiven Mittelfeld mitwirken und seinen 25. Einsatz in Europa mit Frankfurter Fußballfreunden beim Matchball auf der Götterinsel feiern durfte.

          „Es ist uns gelungen, den ersten Matchball zu verwandeln. Das freut mich sehr. Kompliment an die Mannschaft“, lobte Eintracht-Trainer Adi Hütter. Und auch Sportdirektor Bruno Hübner war rundum zufrieden: „Die Europa League ist für uns etwas ganz Besonderes. Wir sind auf einem sehr guten Weg.“

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