14.06.2011 · Eintracht Frankfurt geht mit einem Rekord-Etat das Ziel Aufstieg in die Bundesliga an. Der Trainerstab ist schon komplett. Aber noch fehlen in allen Mannschaftsteilen gute Spieler.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtWenigstens die Gruppe der Helfer ist komplett. Armin Veh, der neue Chefcoach des Zweitligaklubs Eintracht Frankfurt, hat in Assistenztrainer Reiner Geyer, Konditionstrainer Christian Kolodziej, Torwarttrainer Manfred Petz und Rehatrainer Michael Fabacher gleich ein Quartett um sich geschart, das dazu beitragen soll, den Betriebsunfall umgehend zu reparieren. Der Abstieg der Eintracht in die zweite Fußball-Liga hat vieles verändert am lange Jahre stolzen Bundesligastandort Frankfurt. Heribert Bruchhagen, seit seinem Amtsantritt am 1. Dezember 2003 in Personalunion als Vorstandschef und Sportlicher Leiter tätig, musste sich nach der Klassenversetzung von seinen Manageraufgaben verabschieden.
Bruno Hübner, der seine Spielerkarriere beim SV Wehen begonnen hatte, zuletzt Sportdirektor beim MSV Duisburg, kümmert sich in dieser Funktion in Frankfurt seit ein paar Wochen mit Fleiß und Akribie um „die Herzensangelegenheit Eintracht“. Hübner, ebenso wie der von ihm verpflichtete Veh 50 Jahre alt, hatte keine Sekunde gezögert, dem Ruf der Eintracht zu folgen. Er sagt: „Wir sind der FC Bayern der zweiten Liga. Wir werden die Gejagten sein.“ Der zuletzt beim Hamburger SV in erstklassiger Umgebung arbeitende Trainer Veh sieht das etwas differenzierter. „Wir sind der Favorit. Davor wollen wir uns nicht verschließen.“ Doch der Schwabe weiß, dass es noch an vielen Ecken und Enden hakt.
Zwei neue Spieler vom Mitabsteiger St. Pauli
Zum Trainingsstart an Pfingsten bekamen Veh und seine Helfer lediglich siebzehn Spieler zu Gesicht. Darunter drei Talente, die erst vom nächsten Sommer an Perspektivverträge erhalten und zeigen sollen, ob sie ebenso wie vor ihnen schon Marco Russ, Sebastian Jung und Sonny Kittel den Sprung in die Bundesliga schaffen können. Für das in Frankfurt einzig akzeptable Saisonziel Wiederaufstieg müssen Veh und Hübner noch auf dem Spielermarkt Ausschau halten. „Wir brauchen in allen Mannschaftsteilen neue Leute“, sagt Veh.
Bekommen hat er bislang zwei Spieler vom Mitabsteiger St. Pauli. Mittelfeldmann Matthias Lehmann hat sich ebenso wie Torwart Thomas Kessler dazu entschieden, zur Eintracht zu wechseln. „Frankfurt hat unglaublich viel Potential“, sagt der 25 Jahre alte Kessler, der sich auf den „sportlich-fairen Wettstreit“ mit Oka Nikolov freut. Nikolov, 36 Jahre alt, steht seit 1991 bei den Hessen unter Vertrag und hat als einziger aktiver Eintracht-Profi alle vier bisherigen Abstiege (1996, 2001, 2004, 2011) mitgemacht.
Caio und Gekas fallen negativ auf
Aufstieg - das ist das Zauberwort, das Spieler wie Kessler motiviert. „Wir alle wollen Gas geben und einen guten Start hinlegen“, sagt er. „Und mit Armin Veh, glaube ich, haben wir den richtigen Trainer.“ Veh, ausgeruht und erholt von Türkei- und Italien-Aufenthalten, macht einen entspannten Eindruck. „Zu Beginn meiner Karriere musste ich fast alles alleine machen. Aber jetzt genieße ich es, dass ich Spezialisten um mich herum habe, auf die ich mich verlassen kann.“
Veh beobachtet viel, spricht mit seinen neuen Spielern - und muss schon am zweiten Arbeitstag feststellen, dass die Aufbruchstimmung vor einem wie Caio haltgemacht hat. Wieder einmal schafft es der unbedarfte Brasilianer nicht, den Laktattest zu absolvieren. Dieses Mal ist er sogar in prominenter Gesellschaft.
Auch Theofanis Gekas kann oder mag sich nicht so recht über die Kunststoffbahn im Riederwaldstadion quälen. Dabei ist es gerade der stürmische Grieche, auf den Trainer wie Sportdirektor setzen. „Wir brauchen ein, zwei Stürmer, die zusammen mindestens dreißig Tore schießen“, sagt Hübner. Einer von ihnen soll der schweigsame Gekas sein - vorausgesetzt, er macht nicht doch noch von einer Optionsvereinbarung Gebrauch. Diese sieht vor, dass der erfolgreichste Eintracht-Angreifer der vergangenen Saison den Klub verlassen darf, wenn sich bis zu diesem Mittwoch ein Interessent findet, der eine Million Euro Ablöse zahlt. Hübner fühlt sich für den Fall der Fälle gewappnet. „Ich habe Denkmodelle in meinem Kopf“, sagt er.
„Aktionismus wird es nicht geben“
Für Veh ist vieles neu in diesem Sommer. Der einstige Meistertrainer des VfB Stuttgart muss zeigen, dass er auch unter zweitklassigen Bedingungen Erstklassiges abliefern kann. „Die Situation durch den frühen Ligastart“, sagt er, „ist nicht einfach. Aber wir wollen nach fünf Wochen so weit sein, dass wir unsere Spiele gewinnen können.“
Die Suche nach neuem Personal will er mit Sorgfalt betreiben. „Aktionismus wird es nicht geben“, sagt Veh. Die Eintracht, der mit einem Zweitliga-Rekordetat von vierzig Millionen Euro ausgestattete Aufstiegsfavorit Nummer eins, will nichts überstürzen.
"der FC Bayern der zweiten Liga"
Klaus Müller (mo-mu)
- 14.06.2011, 18:45 Uhr