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DFB-Pokal-Finale : Frankfurt zeigt sich von der besten Seite

Frankfurt und Haris Seferovic versuchten alles, aber es reichte nicht. Bild: Reuters

Den Pokalsieg verpasste die mutige Eintracht knapp im Finale gegen Dortmund. Doch nicht nur auf dem Rasen beeindrucken die Frankfurter beim großen Endspiel in Berlin.

          Die Frankfurter Eintracht hat im DFB-Pokalfinale nicht triumphiert – aber schwer beeindruckt. Der hessische Traditionsverein präsentierte sich bei seinem großen Auftritt auf der Bühne des Berliner Olympiastadions von seiner besten Seite. Dass es in der härtesten Währung des Fußballs, bei den Toren, gegen Borussia Dortmund nicht reichte, kann angesichts der finanziellen und sportlichen Ausstattung des Kaders kein Makel sein.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Bei allen weiteren, weichen, Kriterien zeigte sich die Eintracht auf einer Höhe mit dem BVB, wenn nicht sogar dem Champions-League-Klub überlegen. Ob beim Empfang am Freitagabend in der „Frankfurter Botschaft“, einem Lokal in Kreuzberg, in dem die Eintracht sich und über 600 Gäste, darunter Oberbürgermeister Peter Feldmann, auf das Endspiel einstimmte, ob beim Fanfest auf dem Alexander-Platz, der kurzzeitig in Alexander-Meier-Platz umbenannt wurde, ob in der Stadion-Choreographie: die Eintracht bewies Stil und Klasse.

          Das Urteil galt lange Zeit auch für die Ultras und andere Hardcore-Fans, die sich zunächst vorbildlich benahmen. Die Installation mit tausenden von schwarz-weißen Fähnchen und einem gigantischen Transparent, das das Frankfurter Motto des Berliner Finales, Adler im Anflug, aufnahm und Meisterschale und Pokal-Trophäen zeigte, stellte alles in den Schatten, was die BVB-Fans boten. Auch der Live-Auftritt der Trash-Metal-Band Tankard mit ihrer Eintracht-Hymne wurde zum Ereignis, wegen der Stimmgewalt des Sängers Andreas „Gerre“ Geremia und des Frankfurter Anhangs und der Anwesenheit der Eintracht-Helden Jürgen Grabowski, Bernd Hölzenbein und Karlheinz Körbel.

          Der BVB hielt dagegen mit einer lahmen Version „You‘ll never Walk alone“ vom Band und einer Pyro-Attacke, die die Luft verpestete, die Sicht auf das Spielfeld nahm und zu einer leichten Verzögerung des Anpfiffs führte. Zuvor hatten die Fans ihre Einigkeit in ihrer Kritik am DFB artikuliert. Beide Gruppen skandierten im Echo Beschimpfungen gegen den Verband und applaudierten einander. Zu Beginn der zweiten Halbzeit zog dann der Frankfurter Block mit einer Pyro-Show nach, die weniger penetrant als die Dortmunder war, aber dem Verein dennoch einiges an Geld kosten wird.

          Auf dem Platz waren die Kräfteverhältnisse in der Anfangsphase deutlich zugunsten des BVB verteilt. In den ersten sechs Minuten kamen Dortmunder Angreifer vier Mal bis zur Frankfurter Grundlinie durch, ihre Hereingaben fanden aber nicht den Adressaten. In der achten Minute machte es Dembélé alleine, spielte nicht nach innen, sondern Vallejo aus und schlenzte den Ball unter die Latte zum 1:0 ins Frankfurter Tor.

          Der Torjäger ist zur Stelle: Aubameyang macht das 2:1 für Dortmund. Bilderstrecke
          Der Torjäger ist zur Stelle: Aubameyang macht das 2:1 für Dortmund. :

          Die Eintracht schien aus dem Spiel, bevor es richtig begonnen hatte. Trainer Niko Kovacs Maßnahme, Slobodan Medojevic nach 17-monatiger Verletzungspause in die Startelf zu beordern, hatte für Unruhe satt Stabilität im defensiven Mittelfeld gesorgt. Es wäre auch eine Sensation gewesen, wenn die Feinabstimmung mit dem anderen „Sechser“, Mijat Gacinovic, funktioniert hätte. Doch die Dortmunder fühlten sich zu sicher, ließen der Eintracht Luft. Die Frankfurter schnauften durch und berappelten sich. Vor allem Gacinovic ging als kämpferisches und läuferisches Vorbild voran. Der junge Serbe war es auch, der Rebic die Steilvorlage zum Ausgleich präsentierte. Der Kroate vollendete entgegen seiner sonstigen Gewohnheit sicher.

          Die Eintracht war zurück – und wie. Was wäre gewesen, wenn Seferovic nach Steilpass von Rebic ins Tor und nicht den Pfosten getroffen hätte? So aber – ohne die lähmende Wirkung eines Rückstandes – überwanden die Dortmunder in der Halbzeitpause ihre völlige Verunsicherung und begannen wieder ihre Überlegenheit auszuspielen. Fabian lenkte den Ball auf der Torlinie stehend nach einem Seitfallzieher Aubameyangs noch an die Latte, wenig später lag die Eintracht doch zurück. Aubameyang hatte einen Foulelfmeter verwandelt, den Torwart Hradecky an Pulisic verwirkt hatte.

          DFB-Pokalfinale : Dortmund holt den Pott

          Die Eintracht kämpfte weiter, zog mit Alex Meier ihren Joker, doch trotz einiger guter Ansätze gelang es ihr nicht, das Fußball-Wunder zu vollenden. So wurde das Spiel zum Spiegelbild der ganzen Saison: Beeindruckend gekämpft, mit sensationellen Zwischenergebnissen, aber ohne das große Happy-End. Dennoch könnten diese Spielzeit und dieses Finale dem Verein als Ausgangspunkt für eine bessere Zukunft dienen. Bei der Eintracht ist etwas in Bewegung geraten.

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          „Über 90 Minuten haben wir ein gutes Spiel gemacht und uns nach Kräften gewehrt. Es geht weiter, wir werden einen neuen Anlauf nehmen. Natürlich ist man enttäuscht, ich weiß es aber auch einzuschätzen. Dass man verliert, gehört zum Fußball dazu“, sagte Frankfurts Trainer Niko Kovac und Sportvorstand Fredi Bobic ergänzte: „Wir haben es dem großen Favoriten schwer gemacht. Es werden in den nächsten Jahren nicht so viele Chancen kommen, den Titel zu gewinnen.“

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          Quelle: FAZ.NET

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