26.05.2011 · Der Sportdirektor der Eintracht ist gefunden: Bruno Hübner. Seinen Vertrag in Duisburg hat der gebürtige Hesse schon aufgelöst. Stürmer Amanatidis übt derweil massive Kritik am Verein.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtDer neue Mann ist gefunden. Die Meldung kam um 17.19 Uhr. Am Mittwoch hat die Frankfurter Eintracht Bruno Hübner zum neuen Sportmanager bestellt. Der Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG hat damit den Vorschlag des Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen und des Hauptausschusses des Aufsichtsrates um Sprecher Wilhelm Bender und Vereinspräsident Peter Fischer bestätigt. Hübner, heißt es in der von der Eintracht verbreiteten Mitteilung, „beginnt mit sofortiger Wirkung seinen Dienst bei Eintracht Frankfurt. Seinen Vertrag als Sportdirektor des diesjährigen DFB-Pokalfinalisten MSV Duisburg hat der 50 Jahre alte ehemalige Stürmer aufgelöst.“
Bruno Hübner ist kein Unbekannter im Rhein-Main-Gebiet. Seine sportliche Karriere begann er beim SV Wehen. In der Saison 1981/82 wechselte er zum 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga. Dort spielte er bis zum Ende der Saison 1985/86 und erzielte in 76 Spielen 19 Tore. Außerdem war er für den FCK in acht Uefa-Pokalspielen im Einsatz. Nach Beendigung seiner sportlichen Karriere arbeitete er zunächst 18 Jahre bei Brita, dem Unternehmen des Hauptsponsors seines Heimatvereins SV Wehen. Parallel dazu war er am Halberg Trainer und ehrenamtlicher Vizepräsident. 2005 wurde er Manager und führte zwei Jahre später den SV Wehen in die Zweite Fußball-Bundesliga. In der Winterpause der Saison 2007/08 wurde Hübner Sportdirektor beim MSV Duisburg. Bei den „Zebras“ hat er den Kader gezielt verjüngt und den Altersdurchschnitt um vier Jahre gesenkt. Ähnliches dürfte auch im Sinne der Eintracht sein, die für den angestrebten sofortigen Wiederaufstieg eine junge, erfolgsorientierte Mannschaft zusammenstellen will. „Die Entscheidung, den MSV zu verlassen, ist mir schwer gefallen“, sagt Hübner, „denn wir haben in der vergangenen Saison eine Kehrtwende eingelegt“.
Erstes Zweitliga-Heimspiel nur vor 19.000 Zuschauern
Der neue Eintracht-Manager ist also kein Unbekannter in der zweiten Liga, die sich für die Frankfurter schon bald als strapaziös erweisen wird. Denn der Bundesliga-Absteiger kann sich auf weite Auswärtsfahrten einstellen. Seit Dienstag Abend steht fest, dass die Hessen gleich fünf Mal in den Osten müssen. Hansa Rostock, Union Berlin, FC Erzgebirge Aue, Energie Cottbus – und ganz frisch Dynamo Dresden. Sportlich allesamt herausfordernde Aufgaben, die die Eintracht auch dank ihrer geballten Fanunterstützung bewältigen will. Neuester Zwischenstand von Mittwoch Mittag: 20.500 Dauerkartenkunden halten der Eintracht auch in der Zweiten Fußball-Bundesliga die Treue. Das ist eine respektable Zahl, die darauf schließen lässt, dass zwischen 25.000 und 30.000 Zuschauer die Heimspiele in der Arena besuchen dürften.
Allerdings nicht die erste Partie unter zweitklassigen Bedingungen. Vor allem wegen der Ausschreitungen rund um das verlorene Bundesligaspiel in der vergangenen Saison gegen den 1. FC Köln hat am Mittwoch das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sein Urteil verkündet. Danach darf die Eintracht das erste Zweitliga-Heimspiel vor lediglich 19.000 Zuschauern austragen. Für diese Begegnung, die zwischen dem 22. und 25. Juli stattfinden wird, dürfen maximal 14.000 Tickets an Heimfans verkauft worden, so die Anordnung des DFB. Das Gästekontingent umfasst 5000 Eintrittskarten. Zudem ist der gesamte Kurven- und Eckfahnenbereich der Eintracht-Fans gesperrt. Darüber hinaus hat das DFB-Sportgericht erwirkt, dass die Eintracht 25.000 Euro für einen karitativen Zweck zur Verfügung stellen muss. Alles in allem Maßnahmen für die „wiederholten Verfehlungen von Eintracht-Anhängern durch Pyrotechnik, Knallkörper und Wurfgeschosse im Verlaufe der letzten zwölf Rückrundenspiele“, wie es in einer Mitteilung des Frankfurter Zweitligaklubs heißt. Schon über die Hinrunde verteilt wurden insgesamt 11.000 Euro für diverse pyrotechnische Verstöße gezahlt.
„Grenzt an Rufschädigung“
Der Strafenkatalog steht also. Wer aber die neue alte Eintracht trainieren soll, ist noch nicht bekannt. Immerhin: Mit der Verpflichtung von Hübner als Sportdirektor ist ein erster Pflock eingeschlagen worden. Während die zweite Personalentscheidung von weitreichender Bedeutung unmittelbar bevorsteht, hat sich abseits von Verhandlungstischen und Telefonkonferenzen eine langjährige spielende Führungskraft schon zu Wort gemeldet. Ioannis Amanatidis, einst Kapitän der Eintracht, hat ein mit ihm geführtes Interview auf seiner Internetseite (www.ioannis-amanatidis.com) veröffentlicht und dabei zu einer Art Rundumschlag ausgeholt. „Nach der Hinrunde zu glauben, wir wären durch gewesen, war Augenwischerei“, wird der 29 Jahre alte Stürmer zitiert. „Wir haben uns auf der Punktzahl ausgeruht, statt dauerhaft so weiterzuarbeiten wie zuvor.“ Der Grieche übte dabei auch zwischen den Zeilen wieder Kritik am ehemaligen Trainer Michael Skibbe, der Amanatidis während der Rückrunde zwischenzeitlich suspendiert hatte. „Die Statistik spricht gegen uns. Wir sind immer gegen Ende abgefallen, da gehörten wir im Vergleich zu den anderen mit zu den schlechtesten Mannschaften“, sagte Amanatidis zu den Vorwürfen, der Mannschaft mangele es an Kondition. Immer wieder geäußerte Zweifel an der eigenen Fitness könne er nicht mehr hören. „Das grenzt ja schon an Rufschädigung. Nachdem ich drei Monate gar nicht gespielt hatte, stand ich gegen Schalke und St. Pauli neunzig Minuten auf dem Platz und bin von der ersten bis zur letzten Minute gerannt“, verteidigte sich der Angreifer.
Typisch Amanatidis: Der selbstbewusste Fußballprofi will sich auch zukünftig nicht den Mund verbieten lassen. „Es kann doch nicht sein, dass wir mit fliegenden Fahnen untergehen, und keiner macht das Maul auf. Früher wären die Fetzen geflogen, wenn wir uns in einer solchen Situation befunden hätten. Jetzt sind wir in Harmonie gestorben“, sagte Amanatidis. Keiner traue sich mehr, etwas zu sagen. Es fehlten die „Typen“ in der Mannschaft. „Ein Alex Schur, ein Uwe Bindewald, ein Zvonimir Soldo oder ein Stefan Effenberg hätten in dieser Situation mit der Faust auf den Tisch gehauen. Solche Leute gibt es doch kaum noch, in der ganzen Bundesliga nicht.“
„Ich stehe zu diesem Verein“
Ein Nachwuchsproblem bei der Eintracht sieht Amanatidis nicht. „Die Jugendförderung ist intakt.“ Das bewiesen Patrick Ochs und Marco Russ, die aus der eigenen Jugend kamen, aber auch Sebastian Rode, Sebastian Jung und Sonny Kittel. Trotzdem bräuchten die jungen Spieler auch Einsatzzeiten. Dies habe Cenk Tosun eben nicht bekommen. „Es ist ein Wahnsinn, welche Entwicklung der Junge jetzt macht“, lobte Amanatidis den 20 Jahre alten, bei der Eintracht ausgebildeten Wetzlarer, der den türkischen Erstligaklub Gaziantepspor mit seinen zehn Treffern seit dem Wechsel in der Winterpause zur Qualifikation für die Europa League geschossen hat.
Von Europa ist die Eintracht nach der Herabstufung in die zweite Klasse meilenweit entfernt. Für Amanatidis ist dies trotzdem kein Grund, seiner Liebe den Rücken zu kehren. „Ich stehe zu diesem Verein, in guten wie in schlechten Zeiten. Mein Herz hängt an der Eintracht.“ Wenn sich die Mannschaftskollegen am 8. Juni zum ersten Training treffen, wird der Grieche selbstverständlich dabei sein. „Mein Vertrag geht noch ein Jahr, den will ich erfüllen.“