Armin Veh hat sich für einen Fernsehabend entschieden. Er schaute am Mittwoch Champions League und nahm nicht am Treffen von Vorstand und Aufsichtsrat der Eintracht Frankfurt Fußball AG teil, zu dem er als Gast hätte kommen dürfen. Seine Position vertrat Sportdirektor Bruno Hübner. Im „Airport Club“ am Flughafen trafen sich die insgesamt elf Mitglieder der beiden Gremien, um über das Finanzkonzept des Bundesligaklubs zu diskutieren. Zuvor war bekannt geworden, dass es bei der Zusammenkunft vor allem um den Lizenzantrag für die kommende Saison gehen würde - und damit auch um das Budget, das Veh für seine Arbeit zur Verfügung steht. Wenn er sein Engagement am Main denn fortsetzt.
Etat von 30 Millionen Euro
Stand jetzt, soll sich der Etat für den Lizenzspielerbereich demnächst auf 30 Millionen Euro belaufen. Mindestens. Das wäre eine deutliche Steigerung gegenüber 24 Millionen im zurückliegenden Sommer. Weitere Erhöhungen, heißt es intern, seien nicht ausgeschlossen, wenn zusätzliche zahlungskräftige Sponsoren gewonnen werden könnten. Wobei die jüngsten Signale, die Vorstandschef Heribert Bruchhagen aus der Wirtschaft erhielt, wohl positiv sind. Mit dem frischen Geld für Transfers steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Vehs Verbleib Wirklichkeit wird. Er und Hübner sind sich einig, dass der Klub seine defensive Personalpolitik der jüngeren Vergangenheit nicht beibehalten kann, wenn man „gemeinsam den nächsten Schritt“ machen wolle, wie er es formulierte. Ein restriktiver Sparkurs, der Veh bei der Zusammenstellung wenig Handlungsfreiheit ließe, wäre für ihn inakzeptabel. Sein Vertrag läuft in diesem Juni aus. „Ich bin kein Forderer und Pokerer“, sagte der 52-Jährige, „intern weiß jeder, auf was es mir ankommt.“ Seine Argumentation, bei der er sich der Unterstützung Hübners sicher sein kann, lautet, dass eine gewagtere Investitionstaktik die Chancen mehre, „dass wir besser werden“.
Er verlange nicht, sagte der Trainer, dass die Eintracht ihre unter Bruchhagen manifestierten Prinzipien breche: „Ich will nicht, dass wir uns hier verschulden.“ Es müsse jedoch nachgedacht werden, ob sich nicht durch „andere Mittel und Wege“ Möglichkeiten aufzeigen ließen. Fakt ist, dass der Klub offenbar kurz vor der Übereinkunft mit einem neuen Hauptsponsor steht - und der jüngste sportliche Höhenflug sich in dem Abschluss spiegeln dürfte. Dass die Brauerei Krombacher, die im Juli 2012 die Nachfolge von Fraport angetreten hatte, nur für zwölf Monate einsteigen würde, war von vornherein abgemacht. Den Bierbrauern aus dem Sauerland ging es nicht zuletzt darum, die Ausschankrechte in der WM-Arena zu erhalten, wo 17 Mal pro Bundesligasaison bis zu 51.500 (durstige) Besucher zu Gast sind. Krombacher war der Deal seinerzeit die Summe von fünf Millionen Euro wert. Aktuell werden als künftige Eintracht-Partner der Autobauer Fiat und die Fluggesellschaft Etihad gehandelt.
Veh sagte, dass demnächst gezielte Neuerwerbungen auf dem Transfermarkt nötig seien, um das Niveau des jetzigen Eintracht-Teams, das er als „so etwas wie mein Baby“ bezeichnete, langfristig zu steigern. „Wir haben den Vorteil, dass wir früh planen können. Den sollte man nutzen.“ Mit dem an Sicherheit grenzenden Klassenverbleib sei ein Ziel erreicht, „jetzt müssen wir uns klar werden, wie es weiter gehen soll“. Bis zu fünf Profis, so sein Kalkül, stünden der Mannschaft gut zu Gesicht, wobei Veh gerne seiner Linie treu bleiben und Spieler holen würde, die wie Stefan Aigner (kam von 1860 München), Takashi Inui (VfL Bochum) oder Kevin Trapp (1. FC Kaiserslautern) zum einen schon die hiesige Fußballlandschaft kennen - aber eben auch noch jung und entwicklungsfähig sind. „Wir brauchen niemanden, der ein halbes Jahr braucht, um Deutsch zu sprechen“, sagte Veh.
„Die Zeit drängt“
Kontakte zu Kandidaten, die zum Teil über Ausstiegsklauseln verfügten, seien geknüpft, „doch die Zeit drängt“. Je länger unklar bleibe, wie viel Geld die Eintracht in die Hand nehmen könne, desto höher werde das Risiko, dass Mitbewerber wie Hannover 96, Gegner an diesem Sonntag, oder Borussia Mönchengladbach, das unlängst 1:0 in Frankfurt gewann, das Rennen machen könnten. „Es ist verständlich, dass Spieler Planungssicherheit wollen.“ Er selbst werde sich erst nach Erreichen der ominösen 40-Punkte-Marke, die an diesem Wochenende - wenn alles nach Plan läuft - geknackt wird, mit den handelnden Personen in Frankfurt über seine persönliche Zukunft austauschen. Dann könne es aber ganz schnell gehen. Weil „die Argumente ja hinlänglich bekannt“ seien. Zu einem ihm angeblich von Schalke 04 vorliegenden Jobangebot nahm der Coach am Mittwoch nur mit zwei Worten Stellung: „Kein Kommentar.“
Ich hoffe die Chefetage der Eintracht weiss was sie an Veh haben..
Uwe Wagner (view)
- 08.03.2013, 14:38 Uhr