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Glasgow Rangers : Zeit für neue Abenteuer

Es kann nur aufwärts gehen: Andrew Little trägt zur Festtagsstimmung bei Bild: REUTERS

Die Liebe ihrer Fans ist den Glasgow Rangers auch ganz unten sicher: 49.118 kommen gegen East Stirling in das Ibrox Stadium und sehen einen Weltrekord.

          Am Tag danach wandten sich die Verantwortlichen der Glasgow Rangers über die Homepage des Vereins direkt an ihre Anhänger: „Wir können euch gar nicht genug danken“, stand dort in großen Lettern. Und weiter: „Das ist erst der Start unserer Reise, also lasst uns das Abenteuer zusammen genießen.“ Das Abenteuer vierte Liga. So weit unten ist der schottische Rekordmeister inzwischen angelangt, nachdem der Klub Anfang dieses Jahres wegen Schulden in Höhe von rund 166 Millionen Euro Insolvenz anmelden musste. Der Liebe der Anhänger zu ihrem Verein aber hat dies ganz offensichtlich nicht geschadet. Am Samstag kamen 49.118 Fans in das Ibrox Stadium und sahen einen 5:1-Erfolg gegen East Stirling. Weltrekord! Niemals zuvor waren mehr Zuschauer bei einer Begegnung in der vierten Liga dabei.

          Die bisherige Bestmarke war 1961 aufgestellt worden. Damals saßen und standen 37.774 Anhänger bei der Begegnung zwischen den englischen Klubs Crystal Palace und Millwall auf den Tribünen im Selhurst Park. Für die Rangers ist es nicht nur irgendein Rekord, auf eine gewisse Art ist es der Beginn einer neuen Ära. Ganz unten, in der Third Division, der tiefsten Profiklasse in Schottland. Gegen Klubs wie Stirling Albion, Elgin City in den Highlands oder die Berwick Rangers. Gegen Mannschaften aus der Provinz, zu denen mitunter allein die Anreise schon eine Qual ist. Nach Jahrzehnten der Misswirtschaft, nach zu hohen Spielergehältern und zu geringen Einnahmen müssen sich die Rangers erst wieder beweisen, um vielleicht zurückzukehren auf die große Fußballbühne. Mit Nationalspielern wie Lee McMulloch oder Lee Wallace, die noch immer bis zu 25.000 Euro in der Woche verdienen sollen und gegen Halbprofis spielen, die für ihre Dienste nur einige hundert Euro im Monat bekommen.

          Dabei gibt es die Rangers gar nicht mehr, der Verein hat sich auflösen müssen. Im Mai kaufte schließlich der englische Geschäftsmann Charles Green mit der Investorengruppe „Sevco 5088“ für nur rund sieben Millionen Euro die Marke Rangers - inklusive des Stadions, des Trainingsgeländes und der Restbestände des Klubs. In der britischen Öffentlichkeit wird die Firma nur noch „Newco Rangers“ genannt. Das britische Insolvenzrecht erlaubt einen beinahe schuldenfreien Neustart unter neuem Namen.

          Die neue Bezeichnung ist so etwas wie ein Synonym für den tiefen Niedergang eines Klubs, der 54 Mal schottischer Meister war, der sich mit den Topgegnern Europas gemessen hat und für den unter anderen Stars wie Paul Gascoigne, Brian Laudrup oder Gennaro Gattuso am Ball waren. Die Tore gegen East Stirling erzielten dreimal Andy Little, Francisco Sandaza und Lee McCulloch. Mit vier Punkten nach zwei Spielen sind die Rangers derzeit zumindest Tabellenführer der Third Division.

          Torjubel ist immer schön, auch in der vierten Liga, die in Schottland „Third Division“ heißt

          Es war also ein gelungenes Wochenende für den Klub. Zumal der große Stadtrivale nicht gewinnen konnte: Celtic Glasgow spielte am Wochenende lediglich 1:1 bei Ross County Dingwall. Die Zuschauerzahl? 6110. Ein Rangers-Fan kann darüber in diesen Tagen nur milde lächeln. Zum Spiel gegen East Stirling kamen mehr Zuschauer ins Stadion als zu allen fünf Spielen (33 400) der schottischen Premier League zusammen am Samstag. „Nicht schlecht für einen Klub in der Third Division“, sagte Green.

          Dabei wünschen sich nicht nur die Celtic-Anhänger schnell wieder das große Derby gegen die Rangers zurück, auch die anderen Vereine in der schottischen Premier League fürchten, dass sie ohne den einstigen Branchenführer mit Einnahmeverlusten zu kämpfen haben. Wo die Rangers spielen, da ist schließlich immer etwas los - selbst ganz unten. Am kommenden Dienstag macht sich die Mannschaft auf die kurze Reise zum Pokalspiel nach Falkirk. Nicht einmal vierzig Kilometer trennen beide Klubs, es ist ein Derby der anderen Art. „Rangers then, Rangers now, Rangers forever“, rief Green nach dem Weltrekordspiel gegen East Stirling in das Mikrofon. Die Masse auf den Tribünen dankte es ihm mit Applaus.

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