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Eurogoals Wunschspieler und Fehltritte

Messi trifft doppelt so oft wie ganz Madrid. Real holt deshalb Modric. Podolski hat sich stets bemüht. Rooney erinnert an Lienen. Und auffälligster Mann auf dem Platz ist ein Jamaikaner.

© dpa Vergrößern Mann für die Außenbahn: Manchester-United-Fan Usain Bolt

Real Madrid hat einfach nicht genügend Mittelfeldspieler, deshalb musste jetzt dringend nachgebessert werden. Nach einigem Hin und Her wurde an diesem Montag bekannt gegeben, dass der kroatische Nationalspieler Luka Modric von den Tottenham Hotspurs losgeeist werden konnte. Die Höhe der Ablösesumme - von 30 Millionen Euro war die Rede - wurde nicht bestätigt, wohl aber die Laufzeit des Kontrakts: fünf Jahre.

Das dürfte die Position von Mesut Özil auch nicht gerade verbessert haben. Der Deutsch-Türke stand zwar gegen Getafe in der Startelf, konnte dem Spiel der Königlichen aber weder Glanz noch Erfolg verleihen: Negativer Höhepunkt war sein Schuss aus fünf Metern gegen die Querlatte des leeren Tores. Vielleicht löst Modric nun das aktuelle Ergebnisproblem der Madrilenen, die in der neuen Saison weiter auf den ersten Sieg warten. Nach dem Remis am ersten Liga-Spieltag gegen Valencia und der 2:3-Niederlage im Hinspiel des Supercup-Clasicos gegen den FC Barcelona verlor Spaniens Meister nun auch noch gegen den Vorortklub FC Getafe mit 1:2 - Platz 15. Eine Extra-Auszeichnung für Dämlichkeit verdiente sich dabei Fabio Coentrao, der es fertig brachte, die Rote Karte zu erhalten, obwohl er nur auf der Bank saß: Er hatte sich dermaßen lauthals beim Schiedsrichter beschwert, dass er vom Sitzplatz flog.

Britain Soccer Tottenham Modric © dapd Vergrößern Neuer Mann für Madrids Mittelfeld: Luka Modric

Deutlich besser steht der FC Barcelona da, nämlich als Tabellenführer der Primera División. Mit zwei Toren in der zweiten Halbzeit sorgte einmal mehr Superstar Lionel Messi für den 2:1-Erfolg bei CA Osasuna. Nachdem er schon beim 5:1 gegen San Sebastian zwei Mal getroffen hatte, kann der kleine Argentinier nun darauf verweisen,  doppelt so viele Tore geschossen zu haben wie ganz Madrid

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Dem Vereinsamen verpflichtet hat Juventus Turin offenbar wirklich ewige Jugend erlangt. Beim 2:0-Sieg zum Serie-A-Auftakt gegen den FC Parma verbesserte Italiens Rekordmeister seine Serie ungeschlagener Liga-Spiele saisonübergreifend auf 40. „Grande Juve wie eh und je“, titelte der Corriere dello Sport. Ganz so großartig war allerdings nicht alles, was sich auf dem Platz abspielte. Besonders peinlich war die Elfmeter-Posse, die sich der frühere Leverkusener Arturo Vidal leistete. Als Mirko Vucinic mit dem Ball zum Elfmeterpunkt schritt, um einen Strafstoß auszuführen, entriss ihm Vidal in Kindergartenmanier den Ball - und verschoss!

Was wohl der Trainer dazu dachte? Antonio Conte, Juves wegen einer nicht angezeigten Ergebnismanipulation bei seinem früheren Verein AS Siena eigentlich für zehn Monate gesperrter Coach, verfolgte die Partie ganz locker aus einer Kabine über der Vip-Tribüne - was Anlass zu reichlich Spekulationen gab. Hat Conte während des Spiels Anweisungen an die Bank gegeben? Hat er in der Pause per Video-Schaltung zur Mannschaft gesprochen? Hat er gar dem Elfmeterschützen etwas eingeflüstert?

CA OSASUNA VS FC BARCELONA © dpa Vergrößern Doppelt so gut wie Real Madrid: Lionel Messi

Mit richtigem Trainer, aber der falschen Einstellung trat Juves großer Rivale AC Mailand am Sonntagabend im heimischen Giuseppe Meazza-Stadion an und leistete sich mit dem 0:1 gegen Sampdoria Genua einen klassischen Fehlstart. Der Berliner Kevin-Prince Boateng scheiterte dabei in der Nachspielzeit am Pfosten. Anschließend ärgerten sich die Mailänder auch über ihren ausgerechnet zum Lokalfeind Inter gewechselten früheren Stürmer Antonio Cassano.

Der Nationalspieler hatte gelästert: „Bei Milan gibt es nur viel Rauch um Nichts“ und griff vor allem Trainer Massimiliano Allegri und Vize-Präsident Adriano Galliani persönlich an. Der habe „viel versprochen, aber nichts gehalten“. Allegri bezeichnete Cassanos Äußerungen als „respektlos“ und erinnerte daran, dass Milan ihm einst sehr geholfen habe. Cassano war zuvor nämlich bei Sampdoria Genua fristlos rausgeflogen - er hatte den Klub-Präsidenten aufs Übelste beschimpft.

Britain Soccer Premier League © dapd Vergrößern Stets bemüht bei Arsenal: Lukas Podolski (r.)

Das Thema „zweite Chance“ könnte langsam auch für Lukas Podolski eines werden. Mit dem FC Arsenal spielte der Kölner zum zweiten Mal im zweiten Spiel 0:0 - ein Ergebnis, das sicher nicht zu den Wunschresultaten eines Vollblutstürmers gehört, zumal wenn es gegen Hinterbänkler wie bei Stoke City erzielt wird. Dem deutschen Nationalspieler wurde dabei zumindest attestiert, ein ständiger Aktivposten gewesen zu sein. Was wohl so viel heißt, wie: „Er hat sich stets bemüht.“ Nach 72 Minuten musste er Platz machen.

Doch das war immerhin schon mal besser als die Bilanz von Marko Marin bei Chelsea London: Der frühere Gladbacher und Bremer Wirbelwind wartet weiter auf sein erstes Pflichtspiel für den Abramowitsch-Club. Oberschenkel-Probleme, heißt es. Wenigstens überzeugte der ehemalige Dortmunder Shinji Kagawa bei Manchester United. Beim 3:2-Erfolg gegen Fulham gelang dem Japaner sogar ein Tor. Böse endete der Tag dagegen für Wayne Rooney: In der Nachspielzeit war ihm Fulhams Hugo Rodallega in altbewährter Siegmann-Lienen-Manier auf den Oberschenkel getreten - eine klaffende Fleischwunde am aufgeschlitzten Schenkel war die Folge. Vier Wochen Pause sind wohl nötig.

Manchester United vs Fulham © dpa Vergrößern Schwer getroffen: Wayne Rooney

Auffälligster Mann auf dem Platz war übrigens ein Jamaikaner, der sicher ein Gewinn für die Außenbahn wäre. Edelfan Usain Bolt zeigte seine Goldmedaillen und ein Manchester-United-Trikot mit der Rückennummer 963 - seiner Zeit vom 100-Meter-Olympiasieg in London.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause und fasst in den „Eurogoals“ seine pointierte Betrachtungen zusammen. Allerdings hat auch ein Fußball-Kolumnist manchmal Urlaub. Deswegen tritt an diesem Montag Achim Dreis an.

Quelle: FAZ.NET

 
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