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Eurogoals Nicht zum Aushalten

 ·  Gute Zeiten, schlechte Zeiten. Es geht den Topspielern bei den Topvereinen auch nicht anders als anderen Arbeitnehmern: Podolski ist glücklich, Klose bleibt bescheiden und Cristiano Ronaldo will nur noch eins: weg!

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© dapd Vergrößern Lukas Podolski: „Ein guter Tag für Arsenal, ein guter Tag für mich“

Geld macht offenbar doch nicht glücklich, auch wenn es Tore am Fließband schießt. Cristiano Ronaldo, bei 94 Millionen Euro Ablöse der teuerste Spieler der nach hinten offenen Fußball-Geschichte, mit 146 Toren in 144 Pflichtspielen ein wahres Wunder an Präzision, und auch am Sonntag wieder Doppeltorschütze beim 3:0-Siege von Real Madrid gegen den FC Granada, hat offenbar die Nase voll von dem schlechten Arbeitsklima beim spanischen Hauptstadtklub.

„Er hält es nicht mehr aus!“ titelte das Sportblatt „Marca“ an diesem Montag, und bemühte die berühmten „Alarmglocken“, um die interne Stimmung bei den Königlichen zu beschreiben - gerade so, als sei ein Mitglied der Familie beim Strip-Billard gefilmt worden. Stattdessen reichte schon eine demonstrativ unbewegte Miene von „CR7“ bei seinen beiden Toren, um die Abgangs-Szenarien zu beschreiben. Angeblich habe Ronaldo schon mit Real-Präsident Florentino Perez die Wechsel-Modalitäten besprochen. „Ich bin traurig, und der Verein weiß es schon“, wird der stolze Portugiese in Diensten der stolzen Spanier zitiert. Fragt sich nur, wo will der Kerl hin, der rund zehn Millionen Euro netto im Jahr verdient? Und wer kann ihn sich leisten?

Ein ähnliches Kaliber, dass auch schon mal Weltfußballer war, derzeit aber in die Reservistenrolle abgerutscht ist, will der Verein los werden - aber der will nicht gehen. Kaká hat sich entgegen seines Naturells zum Kämpfen bereit erklärt und will das Vertrauen von Trainer José Mourinho zurückgewinnen. „Die einzige Möglichkeit auf eine neue Chance besteht darin, mehr als die anderen zu trainieren, und das mache ich auch“, sagte der 30-Jährige seinem Heimat-Sender TV Globo. Der Brasilianer war 2009 für die Kleinigkeit von 65 Millionen Euro Ablöse vom AC Mailand zu Real gewechselt, hat dort aber die Rolle des Regisseurs nicht so richtig erfolgreich ausgefüllt.

„Es ist so, als ob ich mit 30 nochmal neu anfangen muss“, sagte er nun, nachdem er nicht nur von Mesut Özil, sondern auch noch von Luka Modric verdrängt wurde. Was wiederum zur Folge hat, dass auch Özil nur noch erster Reservist ist, und nicht mehr Ballverteiler vom Dienst. Gegen Granada kam der deutsche Nationalspieler erst nach einer knappen Stunde zum Einsatz, bereitete aber immerhin das 3:0 von Higuain vor - der sich darüber sogar freute.

Richtiggehend begeistert war dagegen Lukas Podolski von sich und der Welt am Wochenende. Nach zwei 0:0-Spielen zum Auftakt gelang der kölschen Frohnatur am Samstag das erste Arsenal-Tor der Saison überhaupt. Und weil es so schön war, bereitete er den zweiten Treffer von Cazorla zum 2:0-Sieg gegen den FC Liverpool gleich auch noch vor. „Ein guter Tag für Arsenal, ein guter Tag für mich. Ich bin sehr glücklich“, sagte der „Man of the Match“ mit seinem charakteristischen Grinsen.

Für den türkischen Leiharbeiter Nuri Sahin, der auf der Gegenseite seinen Einstand bei den Reds gab, nachdem er bei - richtig - Real Madrid nicht glücklich geworden war, war das Debüt natürlich verdorben. Aber immerhin durfte der ehemalige Dortmunder mal wieder spielen, und das wollen sie letztlich doch alle.

Doch was ein einziges Tor so ausmacht, merkte der vom Kölner Prinzen zum Londoner „King“ beförderte Podolski sogleich am Gesang der Fans: „Lukas Podolski - er trifft, wann er will“, sangen sie zu seinen Ehren, und wählten aus dem Songbuch für Fußballfans das Standard-Stück für den zu Manchester United abgewanderten Robin van Persie. Der wiederum weiterhin ziemlich zielsicher agiert - denn der Holländer schoss am Wochenende alle drei Treffer bei Manchester Uniteds 3:2-Zittersieg über Aufsteiger FC Southampton. Da fiel selbst sein verschossener Strafstoß schon nicht mehr ins Gewicht.

Und dass Alter nicht vor Leistung schützt, bewies am Sonntagabend auch Miroslav Klose. Der deutsche Nationalstürmer schoss Lazio Rom beim 3:0-Sieg gegen US Palermo mit zwei Traffern an die Spitze der italienischen Liga. Im Gegensatz zu anderen Sturmhelden der internationalen Fußball-Jet-Sets hielt sich Klose aber an seine Devise, immer schön bescheiden zu bleiben: „Das Team hilft mir sehr“, sagte der bei Bayern München im vergangenen Jahr abgeschobene Altstar, der es mit seinen 34 Jahren nun schon auf 19 Tore für Lazio gebracht hat: „Wir haben eine großartige Mannschaft und einen hervorragenden Trainer.“ Das ist allerdings kein Grund für die italienische Sportpresse, ihn nicht in den Himmel zu heben: „Wunder-Miro“ ist eine „Naturgewalt“ heißt es in den Gazetten und Corrieres südlich der Alpen. Auch wenn Klose nicht viel auf Wortgetöse gibt, im Hinblick auf sein Fernziel WM 2014 kann es nicht schaden, positiv gesehen zu werden. 

Am Freitag spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen die Färöer. Sieht so aus, als würden Klose und Podolski mit viel Spaß anreisen. Und auch für Ronaldo könnte der Ausflug zur Nationalmannschaft Freude versprechen: die Portugiesen müssen in Luxemburg antreten. Vielleicht hilft es ihm ja doch, sich den Frust von der Seele zu schießen. Und vielleicht kommt er auch über eine Schmach der Woche hinweg. Nicht er, sondern der spanische Mittelfeldspieler Andres Iniesta vom FC Barcelona war vergangene Woche zu „Europas Fußballer des Jahres“ gewählt worden. Danach habe Ronaldo-Superstar deutlich schlechtere Laune gehabt, berichten Insider. Womit auch der einzige Ausweg aus seiner persönlichen Krise vorgezeichnet ist: raus aus Europa.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause und fasst in den „Eurogoals“ seine Betrachtungen zusammen. Derzeit genießt der Fußball-Kolumnist seinen Urlaub. Deswegen tritt auch an diesem Montag Achim Dreis an.

Quelle: FAZ.NET
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