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Veröffentlicht: 05.11.2012, 21:08 Uhr

Eurogoals Kung-Fu-Zlatan

Sein Stil ist extrovertiert, mitunter egoistisch, immer gegen den Ball, manchmal ohne Rücksicht auf Verluste. Nach einem Fußtritt sieht Zlatan Ibrahimovic Rot. Doch ein Kung-Fu-Kämpfer wurde noch berühmter: Er ist Franzose. Sein Name lautet Eric.

© AFP Rot für Ibrahimovic: Der Schwede kann es nicht fassen

Zugegeben, die Parallelen zwischen beiden Fußballstars sind überschaubar. Dass beide mit einer hübschen Frau liiert sind, vielleicht - die eine Schauspielerin, die andere Modell. Und da hört es schon wieder auf. Dass Beide Fußball-Idole in ihren Heimatländern sind - einer spielt heute, der andere nicht mehr. Wieder keine hundertprozentige Übereinstimmung.  Da muten die Unterschiede schon markanter an: Zlatan Ibrahimovic ist nachgewiesen überzeugter Berufslegionär. Alle paar Jahre zieht er weiter, von Liga zu Liga, von Topklub zu Topklub.

Eric Cantona indes war ein vergleichsweise sesshafter Profi: Fünf Jahre spielte der Franzose ununterbrochen für Manchester United. Wer käme also auf die Idee, die Beiden in Zusammenhang miteinander zu bringen? Der Fußballfan, bis zu dem sich der „Aufreger“ des Wochenendes herumgesprochen hat. Und der sich erinnert - an den 25. Januar 1995.

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Beide Szenen ähneln sich unwiderruflich. Zumindest ihr Stil, der mehr an Kampfsport erinnert, als an Fußball. In Paris läuft am Sonntag die 71. Minute im Spiel zwischen Ibrahimovics Klub Paris Saint Germain und dem AS Saint Etienne. PSG befindet sich im Spielaufbau und ein langer Ball fliegt auf Gästekeeper Stephane Ruffier zu. Ibrahimovic setzt nach und trifft - den Torwart. Gestrecktes Bein, voll auf die Brust. Der Schiedsrichter kann nicht anders: Er zückt Rot, knallrot, der Schwede kann es nicht fassen. Majestätsbeleidigung. Und welche Unverschämtheit - Rot zu ziehen. Das sah auch der erste Kronvasalle entsprechend, PSG-Coach Carlo Ancelotti. Der Mann, der wir kein Zweiter abhängig ist von den Toren des Superstars. „Ich denke, er hat den Platzverweis nicht verdient, denn er hat die ganze Zeit über den Ball im Auge gehabt und nicht den Torwart“, meinte der Fußballlehrer aus Italien. Und weiter: „Ich finde die rote Karte sehr hart, zu hart.“ Welch´ Loyalität. Noch auf dem Platz wies Ibrahimovic jede Schuld von sich. Und da ist er wieder: der Cut.

Cantona bekennt sich zu dem, was er tut

Cantona, in seinen besten Fußballerjahren ein bulliger Stürmer mit Furcht einflößender Mimik, einer, für den Groupies schon mal den Platz stürmten, bekennt sich zu dem, was er tut. So nannte er noch Jahre später seinen Fußtritt gegen einen Fan von Crystal Palace, laut Cantona ein mutmaßlicher Hooligan, einen Höhepunkt seiner Karriere. „Weil diese Leute nicht ins Stadion gehören.“ Er sah sich im Recht, das Recht ihn aber nicht. Ursprünglich hätte der damalige Stürmerstar für zwei Wochen ins Gefängnis gemusst, er ging in Berufung: 120 Stunden Sozialarbeit lautete das Urteil - das zivilrechtliche. Für Cantona kein Problem. Sozial habe er sich ja bereits bei seinem Tritt verhalten: „Vielleicht träumen viele davon, diese Art von Menschen zu treten. Ich habe es für sie getan.“ Neun Monate wurde er für diese Aktion in Englands Premier League gesperrt. Von Reue keine Spur.

Aber es gibt auch die anderen Typen: Die, denen es später Leid tut - oder noch im selben Moment. Bestes Beispiel ist Kevin Kuranyi. Die Menschen aus seinem Umfeld beschreiben den ehemaligen deutschen Nationalspieler nicht grundlos als bodenständig, freundlich, aufmerksam. Auch der Stürmer von Dynamo Moskau zeigte einst in einem Spiel der russischen Premjer Liga ungeahnte Fähigkeiten eines Kung-Fu-Kämpfers. In einem Zweikampf versuchte sein Gegenspieler Sergei Parshivlyuk den Ball mit dem Kopf zu klären - auf halber Höhe. Kuranyi ging mit gestrecktem Bein dazwischen und traf ihn an der Schläfe. Absicht war dem ehemaligen Schalker und Stuttgarter keine zu unterstellen.

Bild Fußtritt Ambitionierter Fußtritt: Der Ball ist längst weg, doch das stört einen Ibrahimovic nicht © AFP Bilderstrecke 

Eine Erkenntnis, die man Armand Masimzhanov nicht zusprechen kann: Am 16. April 2011 streckte der Spieler des FC Kairat Almaty seinen Gegenspieler Radmir Muksinova von hinten mit einem Kung-Fu-Tritt nieder. Muksinova, im Trikot Lokomotive Astanas, konnte Sekunden nach dem üblen Foul wieder aufstehen. Die Folgen für Masimzhanov waren drastischer: Der kasachische Fußball-Verband sperrte ihn lebenslänglich. Ein Urteil, das für Ibrahimovic wiederum einer Majestätsbeleidigung gleich käme.

Das Strafmaß ist in seinem Fall zwar noch nicht beschlossen. Aber keine Sorge, soweit wird es nicht kommen. Aus der Ruhe bringen dürfte es ihn ohnehin nicht, dazu gibt sich der Angreifer äußerlich zu cool. Und siehe da, es gibt sie ja doch, eine zweite Parallele zwischen Zlatan und Eric.

Quelle: FAZ.NET

 

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