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Eurogoals Galaktische Scheckbuchpolitik

Der umstrittene Real-Boss Pérez lässt sich nicht bremsen: Für den Waliser Bale gibt er fast 100 Millionen Euro aus - so teuer war noch kein Fußballprofi.

© dpa Vergrößern Große Sprünge sind drin: Gareth Bale soll zehn Millionen bei Real pro Jahr verdienen

Gareth Bale, der walische Nationalspieler, ruht sich mit seiner Familie gerade in Marbella aus. Doch wen die Badehosenbilder, die jetzt in der Presse zu sehen sind, an die typisch britische Flucht unter die spanische Sonne denken lassen, der irrt. Der Vierundzwanzigjährige wartet nur auf die offizielle Bestätigung seines Transfers von Tottenham Hotspur zum neunfachen Champions-League-Gewinner Real Madrid. Dann wird der Spieler die 570 Kilometer nach Madrid reisen, die Gesundheitsprüfung über sich ergehen lassen und ein paar Unterschriften leisten. Schon am Freitag verschwand das Bale-Porträtfoto von der Website seines alten Vereins. Fast hundert Millionen Euro soll die Operation gekostet haben, an der zwei Monate heftig gebastelt wurde und die der spanischen Sportpresse ein gutes Dutzend Titelseiten wert war.

Damit würde Bale, der sich seit sechs Wochen dagegen sperrt, noch einmal für Tottenham aufs Feld zu laufen, der teuerste Spieler der Fußballgeschichte. Zurück bleiben die 96 Millionen Euro, die der spanische Meisterschaftszweite vor vier Jahren für Cristiano Ronaldo ausgab, und in merklichen Abstand rücken die Transfers von Zinédine Zidane zum selben Klub (81 Millionen im Jahr 2001), von Zlatan Ibrahimovic zum FC Barcelona (75 Millionen) oder Ricardo Kaká (67 Millionen Euro) zu Real Madrid, beide im Jahr 2009.

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Fünf der acht teuersten Spielertransfers der Welt hat Florentino Pérez gestemmt, der unbestrittene und heftig angefeindete Meister der Scheckbuchpolitik im Weltfußball. Mit Luis Figo fing es vor dreizehn Jahren an. Pérez spannte Barça zum Amtsantritt für 60 Millionen Euro den Star und Kapitän aus, ließ die Emotionen hochkochen und hatte gar nichts dagegen, dass seine Ära die „galaktische“ getauft wurde. Dass die Bezeichnung später wegen erwiesener Erfolglosigkeit zum Gespött wurde, davon wird in Madrid nicht so gern geredet.

Bisher hat der Unternehmer in seinen beiden Etappen als Klubchef (2000 bis 2006 und 2009 bis heute) für seine elf Top-Akteure zusammen 570 Millionen Euro ausgegeben. Die Krone des schlechtesten Neuzugangs trägt gegenwärtig Kaká, der bei einem Jahresgehalt von neun Millionen Euro auf der Reservebank versauert. Als Schnäppchen dagegen gilt Mesut Özil, der für fünfzehn Millionen Euro von Werder Bremen kam.

Gareth Bale Of Real Madrid Times Square Billboard © AFP Vergrößern Bale-Bild am Times Square: Einträgliche Kommerzialisierung der Stars durch den Verein

Die Bedingungen des Bale-Deals haben Pérez, Spurs-Vereinsboss Daniel Levy und der Agent des Spielers angeblich am vergangenen Mittwochabend in Madrid festgezurrt. Danach zahlen die Spanier 85 Millionen Pfund, also rund 99 Millionen Euro, an Tottenham Hotspur. Die Rede war in den letzten Wochen von einer Ratenzahlung über vier Jahre. Bale soll einen Sechsjahresvertrag mit einem Nettojahressalär von zehn Millionen Euro und die Rückennummer 11 erhalten. Die Produktion der Leibchen mit seinem Namenszug sei schon angelaufen. Nach Medienberichten ist mit der Präsentationsshow im Bernabéu-Stadion in dieser Woche zu rechnen.

„Fast schon respektlos“ gegenüber „der Welt allgemein“

Die einträgliche Kommerzialisierung der Stars durch den Verein ist seit je Pérez’ Argument gegen Kritik an den angeblich horrenden Summen, die er auf dem Markt für neue Spieler ausgibt. Seit der ersten Amtszeit des Klubchefs übernimmt der Verein mit dem Kauf eines Profis fünfzig Prozent an dessen Bildrechten. Ronaldo, so Pérez, sei also trotz der 96 Millionen Transfersumme ein „billiger“ Spieler gewesen und habe sich längst amortisiert. Dasselbe erhofft sich die Vereinsführung bei Bale. Letztes Jahr überstieg der Umsatz von Real Madrid, laut „Forbes“ der höchstbewertete Sportklub der Welt, erstmals die Marke von einer halben Milliarde Euro.

Wales' Gareth Bale sits on the touchline during their international friendly soccer match against Ireland at the Cardiff City Stadium, in Cardiff © REUTERS Vergrößern Bald der teuerste Spieler des Weltfußballs, dabei hat Bale noch nichts gewonnen

Dass die Ankunft von Bale den Real-Kader durcheinanderwirbelt, steht fest. „Marca“ berichtet von einem frischen Angebot von Arsenal London über 30 Millionen Euro für Ángel di María, dessen Position im offensiven Mittelfeld gefährdet ist, und auch Manchester United soll heftig interessiert sein. Der Argentinier will aber nicht gehen. Kritische Reaktionen auf den voraussichtlichen Transfer ließen ebenfalls nicht auf sich warten. „Tata“ Martino, der neue Trainer des FC Barcelona, sagte, er empfinde die Verkaufssumme als „fast schon respektlos“ gegenüber „der Welt allgemein“. Worauf Real-Trainer Carlo Ancelotti konterte, Martino wisse nicht, wie ein europäischer Verein funktioniere, und habe auch keine Ahnung von seinem eigenen. Der ehemalige niederländische Nationalspieler und zweimalige „Weltfußballer des Jahres“, Ruud Gullit, fand die Transfersumme „erstaunlich“. Bale werde zum teuersten Spieler der Fußballgeschichte, habe in seiner Karriere aber doch „noch gar nichts gewonnen“.

Zweifel könnten einen beschleichen, wenn man an das bisherige Los britischer Spieler bei Real Madrid denkt. Die Verpflichtung von David Beckham brachte zwar kommerziellen Erfolg, war sportlich aber eine durchwachsene Sache. Und bei den Transfers von Michael Owen und Jonathan Woodgate zu Real Madrid warf Pérez die Millionen mit vollen Händen zum Fenster hinaus. Aber wie gesagt: Er hat es ja.

Christian Eichler ist auf Europas Fußballfeldern zuhause. In Eichlers Eurogoals berichtet er über Kurioses und Grandioses aus Primera División, Serie A und Premier League. Aus Urlaubsgründen vertritt ihn an diesem Montag Paul Ingendaay, als Korrespondent mit Wohnsitz Madrid ebenfalls ein großer Kenner der spanischen Fußball-Kultur.

Quelle: F.A.Z.

 
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