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Eichlers Eurogoals Wichtig ist, was hinten rauskommt

05.01.2009 ·  Siege als Fußballtrainer sind keine prickelnde Erotik, sie sind nur gute Verdauung - da muss man mal Bernd Schuster fragen. Wer aber als Trainer unmittelbar nach der Krise die richtige Bank hat, kann gegen Möchtegern-Weltklubs „phantastische“ Erfolge einfahren.

Von Christian Eichler
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Trainer müsste man sein! Ständig im Mittelpunkt des Interesses, täglich im Umgang mit leistungswilligen jungen Männern, Woche für Woche von Millionen gefeiert für zahllose Triumphe - so soll es sein. Dachten wir jedenfalls, bis Bernd Schuster, die blonde Stimmungskanone aus Augsburg, uns nun die Augen geöffnet hat für unseren letzten Traumberuf nach dem Tankwart (ersetzt durch Tankautomaten).

Ein Sieg mit Real Madrid, so erläuterte der neueste Ex-Real-Trainer, bringe keineswegs „ein Glücksgefühl“, denn es sei ja nur das Ergebnis, das fast immer Pflicht sei. Nein, das Resultat sei „lediglich Entspannung“. Anders gesagt: Siege als Fußballtrainer sind keine prickelnde Erotik, sie sind nur gute Verdauung.

Ein Herz für Außenseiter: Dietmar Hamann

Da droht schnell Verstopfung, etwa bei Mark Hughes, dem noch nicht entlassenen Kollegen bei Manchester City. Die Scheichs von Abu Dhabi füttern ihn mit Millionen, aber was hinten raus kommt, gefällt ihnen nicht. In der Premier League steht der Klub der reichsten Klubbesitzer der Welt knapp vor einem Abstiegsplatz, im Ligapokal flog er gegen Brighton raus, und am Samstag gab es ein peinliches 0:3 im FA Cup gegen Nottingham Forest.

Bei Forest handelt es sich um den 21. der zweiten englischen Liga, der gerade nach einer 2:4-Heimniederlage gegen Doncaster den Trainer entlassen hat. Der Sieg in Manchester war übrigens völlig verdient. Ein Herz für Außenseiter zeigte dabei der City-Deutsche Dietmar Hamann, der kurz nach seiner Einwechslung einen Einwurf zum Gegenspieler Joe Garner warf, und der schoss das 3:0.

Möchtegern-Weltklub Chelsea muss in die Themse-Mündung

Immer Anfang Januar, wenn die üblichen Klagen über die Einseitigkeit der Liga und die Macht des großen Geldes über den Fußball laut geworden sind, kommt die dritte Runde des ältesten Fußballwettbewerbes der Welt, jene Runde des englischen Pokals, in der die Erstligisten einsteigen - und gibt allen unverbesserlichen Romantikern des Spiels ein paar Hoffnungswerte zurück.

Die Glücks-Bilanz vom Wochenende: Möchtegern-Weltklub Nummer eins, FC Chelsea, bis auf Torwart Cech und die gesperrten Terry und Ballack mit allen Stars angetreten, kassiert gegen den Drittligaverein Southend United in der 90. Minute den Ausgleich, per Kopfball nach einem langen Einwurf; er muss nun im Wiederholungsspiel am übernächsten Mittwoch in der zugigen Themsemündung bei den „Shrimpers“ antreten. Möchtegern-Weltklub Nummer zwei, Manchester City, blamiert sich noch viel besser.

Aufhören, bevor die Angst vor dem Verlieren kommt

Und das Schönste daran ist die Erkenntnis, wie schön der Trainerberuf doch sein kann. Man muss nur - wie in jeder Finanzkrise - die richtige Bank haben. So wie John Pemberton, der den Sieg in Manchester feiern durfte. Zwischen der Entlassung von Colin Calderwood am Zweiten Weihnachtstag und dem Amtsantritt von Billy Davies an diesem Montag hat der Mann, der hauptberuflich für einen kargen Angestelltenlohn die Reserve von Nottingham Forest auf Touren hält, neun Tage lang den Chef spielen dürfen. Er tat das mit einer im europäischen Fußball einmaligen Erfolgsbilanz: als Trainer ungeschlagen in zwei aufeinander folgenden Kalenderjahren. Beim 3:2 in Norwich am 28. Dezember 2008 und beim 3:0 in Manchester am 3. Januar 2009.

„Das war phantastisch“, sagte Pemberton und offenbarte im selben Atemzug das Geheimnis des Gewinnerglücks: schnell aufhören, ehe die Angst vor dem Verlieren kommt. „Am Montag bin ich wieder in meinem normalen Job - das Reserveteam vorbereiten auf das Spiel am Mittwoch bei Lincoln City.“ Und ist das nicht, am Anfang dieses Jahres, das wahre Glück: am Montag morgen in seinen ganz normalen Job zurückkehren?

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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