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Veröffentlicht: 02.09.2013, 15:53 Uhr

Eichlers Eurogoals Wer ist schon Gareth Bale?

Der Waliser Gareth Bale ist der teuerste Fußballer aller Zeiten. 100 Millionen Euro überweist Real Madrid für ihn. Mit Cristiano Ronaldo könnte er nicht nur die teuerste, sondern auch die beste Flügelzange der Welt bilden.

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© AFP Hatte in der vergangenen Saison viel Grund zum Jubeln: Gareth Bale wurde mehrfach als bester Spieler der englischen Premier League ausgezeichnet

Wer ist schon Gareth Bale? Mit dem Namen konnten außerhalb der engeren Fußballszene bis vor ein paar Wochen nicht viele etwas anfangen - bis der segelohrige Waliser als das teuerste Transfer-Objekt der Geschichte in die Schlagzeilen kam. Dabei wurden die namhaftesten Transfers dieses Sommers gar nicht von Real Madrid gemacht, das sich Bale nun um die 100 Millionen Euro kosten lässt. Sondern bei Atletico.

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Damit ist nicht der Madrider Ortsrivale von Real gemeint, sondern ein Team aus der zweiten brasilianischen Liga. Bei diesem unbekannten Klub spielen einige Akteure mit weltbekannten Namen. Am Freitagabend zum Beispiel, als Atletico Goianiense das Duell mit Oeste FC 4:0 gewann, wurde der vierte Treffer in der 90. Minute erzielt von: John Lennon. Die Vorlage, eine Flanke vom rechten Flügel, lieferte ein Mitspieler, der sich so nennt: Michael Jackson. „Ein musikalisches Tor“ feierte man danach in Brasilien. Leider nur auf der Bank saß ein Kollege, der sich dort aber den Ärger über die Nichtnominierung bestimmt verkniff und für vorbildlich friedliche Stimmung sorgte: Mahatma Gandhi.

Ein bleischweres Preisschild

Natürlich sind John Lennon Silva Santos, Carlos Adriano de Souza Cruz, genannt Michael Jackson, und Mahatma Gandhi Heber Pio Mattos Pires nicht wirklich von den legendären Toten auferstanden. Sie sind putzmuntere junge Männer, deren Bedeutung wohl nie die ihrer Namensvettern erreichen wird. Doch besitzen sie etwas, das bei nicht wenigen spektakulären Fußballtransfers (außer bei Bale vielleicht) ein wichtiges Motiv zu sein scheint: Namen, die aufhorchen lassen. Lennon, Jackson, Gandhi, alle in diesem Jahr ablösefrei verpflichtet – das nennt man Treffer auf dem Transfermarkt.

Da wird Gareth Bale wohl viele Spurts an der Seitenlinie des Bernabéu-Stadions zeigen müssen, um sich auch nur annähernd bekannt zu machen – und für Real das Kilometergeld zu amortisieren. Dabei kann er ja gar nichts dafür, nun mit dem bleischweren Preisschild des ersten 100-Millionen-Euro-Mannes um den Hals herumlaufen zu müssen. Er löst damit einen neuen Teamkollegen ab, dem es angeblich gar nicht gefällt, nun nicht mehr Weltrekordmann zu sein und dafür bei Real mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung abgefunden sein soll: Cristiano Ronaldo, 2009 für 94 Millionen Euro nach Madrid gekommen. Der brave Bale und der eitle Ronaldo sind völlig unterschiedliche Typen. Das Kuriose dabei: Ihre Stärken sind fast identisch.

Linksfüßer auf links

Der Waliser ist vermutlich der Spieler, der dem Portugiesen am nächsten kommt. Zwar noch nicht in der extravaganten Art, sich mit Posen und Pomade zu inszenieren wie der Portugiese; aber bereits in jenen Fähigkeiten, in denen Ronaldo selbst einem Messi oder Ribéry einen Schritt voraus ist: der unübertroffenen Geschwindigkeit mit dem Ball am Fuß, der famosen Schusstechnik bei wuchtigen Abschlüssen aus der Distanz. Gareth Bale hat beides auch. Und dazu etwas, das sogar einen Ronaldo übertrifft und alle anderen Weltfußball auch: eine Tempohärte, mit der er lange Spurts ohne lange Pausen dazwischen aneinanderreiht. Diese Qualität unterscheidet Fußballer von Joggern. Und sehr gute Fußballer von guten.

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