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Eichlers Eurogoals Weltfußballer des Webs

17.10.2011 ·  Für die populärsten Fußballer des Internets läuft es im richtigen Leben nicht immer so rund wie im virtuellen. Rooney zeigt den dämlichsten Tritt des Jahres. Und Messi sorgt für Tumulte im Flugzeug.

Von Christian Eichler
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Punkte und Tore sind ein reichlich antiquiertes Kriterium für den Erfolg eines Fußballers. Klicks und „Like“-Buttons sind ein deutlich moderneres. Die englische Zeitung „Independent“ veröffentlichte vor Beginn dieser Saison ihre Rangliste der populärsten Kicker der Welt, berechnet anhand von Zahlen aus dem Internet.

Im Wesentlichen basieren sie darauf, wie viele Fans der jeweilige Fußballer bei Facebook hat, wie viele ihm auf Twitter folgen und wie oft seine Szenen auf Youtube angeschaut werden. Schöne neue Fußballwelt. Allerdings läuft es für die populärsten Kicker im richtigen Leben augenblicklich nicht immer so rund wie im virtuellen.

Unser kleiner Countdown abwärts von Platz zwölf beginnt mit Gerald Pique – dem Verteidiger des FC Barcelona droht nun ein Abstieg im Ranking, seit mexikanische Zeitungen vor zwei Wochen meldeten, Popstar Shakira habe ihm den Laufpass gegeben.

Platz elf gehört Diego Forlan – leider merkte Inter Mailand erst nach der Neuverpflichtung des trefflichsten Frauenliebling der letzten WM, dass Forlan in der Champions League nicht einsetzbar ist, und nun fällt er auch noch in der Serie A, in der Inter nur auf Platz 17 steht, verletzt für längere Zeit aus.

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© dapd Platz 1: Wer Fußball liebt, liebt auch Cristiano Ronaldo - oder etwa nicht?

Verletzt sind derzeit auch die Beine der Barca-Stars Cesc Fabregas (Platz neun) und Andres Iniesta (fünf), während der spanische Landsmann Fernando Torres bei Chelsea (Rang acht) mehr unter seelischen Verletzungen in Folge von langfristiger Ladehemmung leidet.

Brasiliens Jungstar Neymar (Rang zehn) flog an diesem Wochenende vom Platz (weil er den Schiedsrichter einen „Clown“ nannte), genau wie Brasiliens Altstar Ronaldinho (Platz sieben) für ein allerdings hauchzartes Revanchefoul.

Rooney und der dämlichste Tritt des Jahres

Deutlich berechtigter war da gewiss die Rote Karte des knapp vor Ronaldinho plazierten Wayne Rooney. Für den dämlichsten Tritt des Jahres beim 2:2 mit England in Montenegro ist er nun mit einer Sperre für die gesamte EM-Vorrunde gestraft (wenn ihn Trainer Capello überhaupt mitnimmt).

Auf Platz vier der Liste der unvermeidliche David Beckham, der aber kaum noch als Fußballer wahrzunehmen ist und ebenso wie sein früherer Kompagnon aus dem „Galacticos“-Projekt von Real Madrid, der zweitplazierte Kaka, eher von früheren als von aktuellen Leistungen lebt. Kaka profitiert weniger von seiner Präsenz bei Real als von der bei Twitter, wo er mehr als fünf Millionen „Follower“ hat, Weltrekord für Fußballer.

Einer will die Nachfrage der Fans nicht noch steigern

Blieben noch die Plätze drei und eins, sie gebühren den beiden unzweifelhaft besten Fußballern der Welt. Dass Lionel Messi dabei nur den dritten Platz belegt, wirkt vielleicht überraschend, hat aber wohl damit zu tun, dass er die Öffentlichkeit scheut und die wahnwitzige Nachfrage der Fans nicht auch noch steigern will.

Wo Messi hinkommt, besonders daheim in Südamerika, wird er von Massen umringt wie ein Elefantenmensch, so dass er sich nach dem bisschen Platz sehnen muss, den ihm die Verteidiger auf dem Fußballfeld lassen.

Dribbling in der engen elterlichen Wohnung

Dort findet er im Höchsttempo die Lücken – wohin aber kann man in einem Flugzeug fliehen? Dort gibt es selbst für Messi, der die Kunst des Dribbelns angeblich in den Zimmern der engen elterlichen Wohnung erlernte, kein Entkommen.

Nach der 0:1-Niederlage der Argentinier in Venezuela berichtete eine venezolanische Zeitung in dieser Woche, dass Messi per Linienflug von Caracas zurück nach Barcelona reiste, wobei der Plan, ihn als letzten Passagier nach Löschen der Kabinenbeleuchtung unbemerkt ins Flugzeug zu schmuggeln, scheiterte.

Messi im Flugzeug wie ein ertappter Sechstklässler

Ein Rudel Fans drang, als man Messi erkannt hatte, Richtung erster Klasse, wo schließlich nur ein letzter Ausweg erkannt wurde – der Kapitän bat Messi zu sich ins Cockpit. Dort sind Passagiere laut Vorschrift eigentlich erst ab einer Flughöhe von 10.000 Metern erlaubt, und das auch nur für kurze Zeit. Für Messi machte man eine Ausnahme. Eine stressfreie Heimreise sieht aber gewiss anders aus.

Überhaupt findet der Viel- und Überflieger Messi über den Wolken nicht die grenzenlose Freiheit, die er am Ball ausstrahlt. Als er mit den Barca-Kollegen im Mai nach dem 1:1 in Levante, das den Titelgewinn in Spanien bedeutete, heimflog und die feiernden Spieler wild gegen die Kabinenwand trommelten, war es ausgerechnet der schüchterne Messi, der dabei versehentlich die Verkleidung des Notausgangs beschädigte. Er erhielt einen Rüffel vom Kapitän und sah aus wie ein ertappter Sechstklässler – denn natürlich landete auch diese Szene im Internet.

„Wer Fußball liebt, freut sich, wenn Ronaldo spielt“

Man muss eben immer im Bilde sein und hat es deshalb nicht leicht als Star der Gegenwart. Am wenigsten hat das Cristiano Ronaldo, der im Netz deutlich populärste Fußballstar – mit mehr als 35 Millionen Facebook-Fans, fast zehn Millionen mehr als Messi.

Dass da aber auch ein paar übrig bleiben, die ihn nicht mögen und ihn zum Beispiel im September beim Länderspiel in Zypern mit Buh-Rufen und „Messi, Messi“-Sprechchören ärgerten, findet der Portugiese „nicht normal“, denn „wer Fußball liebt, freut sich, wenn Cristiano Ronaldo spielt“. Der Bursche ist natürlich eine Schau mit seiner einmaligen Schusstechnik und seinem Tempo im Dribbling.

95 Tore in 100 Spielen - wie Pele, Puskas und Müller

Und auch wenn er in seinem hundertsten Pflichtspiel für Real Madrid, dem 4:1 gegen Betis Sevilla, die Tore nun anderen überließ, vor allem dem Hattrick-Schützen Gonzalo Higuain, dem er zwei Vorlagen gab, so kommt er mit 95 Toren in 100 Spielen (davon 73 in 70 Erstliga-Partien) auf eine Bilanz, die an die allergrößten Torjäger, an Pele, Puskas oder Müller, erinnert.

Und doch gibt es eben auch die andere Seite von Ronaldo. Er zeigte sie abermals letzte Woche bei der 1:2-Niederlage in Dänemark, die den Portugiesen die direkte Qualifikation für die EM 2012 verdarb, sie müssen nun in die Play-off-Spiele gegen Bosnien-Hercegovina.

Ronaldo spielt den Fehlpass - und gestikuliert wild

Entscheidend eine Szene in der zweiten Halbzeit, als Ronaldo bei 0:1-Rückstand einen miserablen Pass spielte, den die Dänen erliefen und zu ihrem zweiten Tor nutzen – während Ronaldo, der Kapitän der Portugiesen, nicht etwa sofort auf Defensivarbeit umschaltete, sondern stehenblieb.

Und dann den Mitspieler Carlos Martins, dem der Pass gegolten hatte, mit erhobenen Armen beschimpfte. In der Nachspielzeit traf er dann mit einem seiner spektakulären Freistöße – was Ronaldos Team nichts mehr nützte, nur seiner Bilanz bei Youtube.

Ein Indonesier als Weltfußballer des Webs?

Und wo bleibt der beste Deutsche im Ranking der Web-Kicker? Es ist Mesut Özil, er steht auf Platz zwanzig. Und damit hinter zwei Kollegen mit den schönen Namen Irfan Bachdim und Bambang Pamungkas. Nie gehört? Bitte merken. Bei ihnen handelt es sich um die beiden beliebtesten Fußballer Indonesiens.

Es ist ein Land, das mehr Einwohner hat als Deutschland und die Türkei zusammen, Tendenz steigend. Ronaldo, Özil & Co. sollten deshalb ihre flüchtige Popularität auskosten. Was blüht ihnen, wenn erst einmal ein Inder oder ein Chinese auftaucht, der ein bisschen Fußball kann? Für einen Weltfußballer des Webs könnte das reichen.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause. In Eichlers Eurogoals - die FAZ.NET-Fußball-Kolumne fasst er seine pointierten Betrachtungen zusammen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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