http://www.faz.net/-gtm-79336
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 13.05.2013, 13:34 Uhr

Eichlers Eurogoals Und Jesus fiel auf die Knie

„Fergie Time“ ist für immer vorbei. Doch irgendwo gibt es immer Nachspielzeiten. Von Manchester über Dortmund bis Wigan und Watford. Verrückte letzte Sekunden in Eichlers Eurogoals.

von
© AFP Der König der Nachspielzeit tritt standesgemäß ab: Sir Alex Ferguson mit dem Meisterpokal

Nie wieder „Fergie Time“! So hat man in England jenes Phänomen getauft, das die große, nun endende Karriere von Sir Alex Ferguson begleitet hat – jene Extra-Minuten, die Schiedsrichter, ob bewusst oder unbewusst, Manchester United gaben, um in der Nachspielzeit noch eine mögliche Wende zu schaffen. Was dabei möglich ist, weiß man gerade in Deutschland gut, seit der „Fergie Time“ von Barcelona 1999, als die beiden Tore von Sheringham und Solksjaer tief ins bayrische Herz trafen, wofür allerdings keine übertriebene Zugabe nötig war: Sie fielen in der 91. und 93. Minute.

Christian Eichler Folgen:

Der Mann, der damals beide Eckbälle zur großen Wende im Champions-League-Finale servierte, David Beckham, hat nun die Nachspielzeit seiner Karriere dazu genutzt, als 38-Jähriger mit Paris St-Germain den Titel in Frankreich zu gewinnen. Damit ist er als erster Engländer Meister in vier Ländern geworden (England, Spanien, Amerika, Frankreich) – während sein alter Boss Sir Alex im 1499. und vorletzten Spiel als United-Trainer beim emotionalen Abschied von Old Trafford die immergleiche Trophäe der Premier League hochhielt. Eigentlich hätte er sie schon vor einem Jahr zum 13. Mal gewinnen und dann aufhören wollen. Doch dann holte der Lokalrivale Manchester City den Titel durch ein Tor in der 94. Minute, worauf die City-Fans sangen „We won the league/On Fergie time” – und Ferguson noch ein Jahr dranhängte.

79 Sekunden Sonder-Zuschlag

Fergie Time, das ist eine Legende, aber auch eine messbare Tatsache. 79 Sekunden, so lang dauert die durchschnittliche Zusatz-Spielzeit, die Fergusons Team in den letzten drei Spielzeiten in der Premier League dann bekam, wenn es noch ein Tor brauchte (durchschnittliche Nachspielzeit: 4:37 Minuten) – zusätzlich gegenüber den Spielen, in denen es vorn lag (3:18 Minuten).

Mehr zum Thema

Das ist kein reines United-Phänomen, auch andere Top-Teams bekommen gern einen Zuschlag, wenn sie ihn brauchen. Und vor allem Heimmannschaften werden begünstigt. Im Durchschnitt dauern, laut den englischen Zahlen seit 2010, Partien, in denen das Heimteam noch ein Tor braucht, 46 Sekunden länger, also genau die Zeit für einen vielleicht entscheidenden Angriff. Aber am deutlichsten war er bei Ferguson, vor dem die Schiedsrichter „Angst hatten“, wie der Kollege Harry Redknapp fand.

Olympique Lyon vs PSG © dpa Vergrößern Meister vieler Klassen: die Superstars Beckham und Ibrahimovic freuen sich über den Titel in Frankreich

Die Fifa in ihrer großen Weitsicht, sich aus wirklich wichtigen Fragen weise herauszuhalten, lässt  in der Frage, wie lang nachgespielt wird, den Schiedsrichtern freie Hand. In Ecuador führte das 2003 zu dem originellen Fall, dass der Fifa-Schiedsrichter Byron Moreno (der bei der WM 2002 Südkorea zu einem skandalösen Achtelfinalsieg gegen Italien gepfiffen hatte) eine Partie um zwölf Minuten verlängerte, bis der Favorit LDU Quito gewonnen hatte. Seit 2011 erlebt Moreno eine unfreiwillige Nachspielzeit in einem Gefängnis in den Vereinigten Staaten, wo man ihn bei der Einreise mit 6 Kilo Heroin erwischte.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Premier League Özil trifft für Arsenal – Manchester dramatisch

Klopps Liverpoolern fehlt der Schwung. Besser sieht es in der Premier League für Arsenal und Chelsea aus. Einen besonderen Sieg fährt Manchester United ein. Mehr

27.08.2016, 21:18 Uhr | Sport
Auslosung der Gruppenphase Schweres Los für Gladbach in der Champions League

Nach dem fulminantem Spiel gegen YB Bern wird es in der Champions League für die Borussen haarig: Die Elf aus Mönchengladbach muss gegen Celtic Glasgow, Manchester City und den spanischen Meister FC Barcelona ran. Mehr

26.08.2016, 13:19 Uhr | Sport
Auslosung zur Europa League Trifft Mainz auf Manchester und Mourinho?

Für die Gruppenphase der Europa League sind Schalke 04 und Mainz 05 gesetzt. Bei der Auslosung könnten vor allem die Rheinhessen reizvolle Gegner erwischen. Ein namhafter Premier-League-Klub ist dagegen schon in der Qualifikation gescheitert. Mehr

26.08.2016, 08:20 Uhr | Sport
Tüftler aus Italien Selbstgebaute Sportwagen von Filandi

Moreno Filandi träumte von einem schicken Sportwagen. Genug Geld dafür hatte er allerdings nicht. Deswegen baut der italienische Automechaniker sich in seiner Freizeit einfach seine eigenen Sportwagen: Zum Beispiel den Filandi Uragano, ein Supersportwagen mit 600 PS und 340 km/h Spitzengeschwindigkeit. Mehr

26.08.2016, 17:50 Uhr | Technik-Motor
Champions-League-Auslosung Bayern und Dortmund gegen Madrid

In der Gruppenphase der Champions League gibt es für die Bayern und Dortmund zwei Knaller. Leverkusen erwischt eine machbare Gruppe – im Gegensatz zu Mönchengladbach. Und brisant wird es für Pep Guardiola. Mehr

25.08.2016, 19:02 Uhr | Sport