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Eichlers Eurogoals : Tretende Torjäger

Wenn der Torjäger in den Zweikampf geht, kann es weh tun: Emanuel Adebayor Bild: Reuters

Durch sein Fallrückziehertor hat Zlatan Ibrahimovic den Fokus auf seine Körperbeherrschung gelegt. Diese durch Kampfkunst erlernte Kunstfertigkeit nutzt er gelegentlich aber auch zum Schaden anderer. Damit steht er unter Torjägern nicht allein.

          Hoch das Bein – von allen Arten, einen Ball zu bewegen, gilt der Schuss mit dem Rücken zum Tor und dem Fuß über Kopf als die komplizierteste und kunstvollste. Und Zlatan Ibrahimovic gilt, seit er mit dem 4:2 gegen England ungeahnte Lufträume eroberte, als ihr Meister, als Vater aller Fallrückzieher. Ohne Zweifel ist er der gelenkigste Stürmer, den es je im Längenmaß von über 1,90 Metern gab. Das hat auch mit seiner Vorliebe für asiatische Kampfkünste zu tut. Doch nicht immer setzt er diese Fähigkeiten nur gegen den Ball ein. Zwischen Kunst, Kung-fu und Krawall sind die Unterschiede bei Ibrahimovic fließend.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Bekannt sind diverse Vorfälle vom Training etwa beim AC Mailand oder bei Paris St-Germain, in denen das schwedische Alphatier unterrangige Mitspieler einschüchtert oder umtritt, drangsaliert oder provoziert – was soll ihm schon passieren, er ist der große Ibra, und auf dem Trainingsplatz gelten nicht die Regeln des Fußballs, sondern der Macht.

          Auf dem Fußballplatz aber wird das Spiel „durch die Anwesenheit der anderen Mannschaft verkompliziert“, wie schon der Philosoph Jean-Paul Sartre bemerkte; noch mehr aber durch die Anwesenheit des Schiedsrichters. Deshalb ist Ibrahimovic derzeit in der französischen Liga nur Zuschauer.

          Rot für versuchte Rippenperforation

          Vor zwei Wochen trat er dem Torwart von AS St-Etienne, Stephane Ruffier, die Fußsohle mit gestrecktem Bein in den Brustkorb. Eine artistische Aktion fast in Fallrückzieherhöhe - nur dass er diesmal nicht Gelb für Trikotausziehen bekam wie nach seinem Jahrhunderttor, sondern Rot für versuchte Rippenperforation. Der Flugkünstler flog.

          Ambitionierter Fußtritt: Der Ball ist längst weg, doch das stört einen Ibrahimovic nicht
          Ambitionierter Fußtritt: Der Ball ist längst weg, doch das stört einen Ibrahimovic nicht : Bild: AFP

          Der nölende PSG-Trainer Carlo Ancelotti forderte danach „mehr Respekt“ für seine reich geölte Millionentruppe und erklärte allen Ernstes, eine Gelbe Karte hätte es auch getan. Als Chelsea-Trainer lernte der Italiener einst, wie schnell reiche Spender, ob aus Russland oder Arabien, nervös werden. Nun erlebt er einen ungemütlichen November. Ohne seinen zehnmaligen Torschützen verlor PSG in der französischen Liga 1:2 gegen St-Etienne, erreichte in Montpellier nur ein 1:1 und blamierte sich zuletzt beim 1:2 gegen Stade Rennes – einen Gegner, der nach 25 Minuten nur noch zu zehnt und nach 50 nur noch zu neunt auf dem Platz gestanden hatte. (siehe auch: Ergebnisse aus den europäischen Ligen im Überblick) Ohne Ibrahimovic, der den Kopf verlor und den Fuß zur Waffe machte, ist der große Titelfavorit hinter Lyon und Bordeaux auf Platz drei zurückgefallen.

          Der Togolese sah Rot, sein Team schwarz

          Auch andere sind schwer berechenbar, was die Schwankung ihrer Tritte zwischen hübsch und hässlich angeht. Emanuel Adebayor, einst von Arsenal an Manchester City verkaufter Torjäger, dann auf die Ersatzbänke von Real Madrid und Tottenham Hotspur weitergereicht, durfte am Samstag im Nord-Londoner Derby zwischen Arsenal und den Spurs wieder einmal in die Startformation. Er traf nach 10 Minuten auch prompt das Tor. Dann aber nach 18 Minuten auch, im sensenartigen Tiefflug mit gestrecktem Bein voran, den Knöchel von Santi Cazorla. Der Togolese sah Rot, sein Team sah schwarz.

          Gegen die dezimierten Spurs machten zwei Qualitätsprodukte des Exportweltmeisters Deutschland aus dem 0:1 ein 2:1 - erst Per Mertesacker mit einem turmhohen Kopfball, dann Lukas Podolski mit einem krummen Schuss. Und Arsenal gewann ohne Mühe 5:2. Spurs-Trainer Andre Villas-Boas gab danach, ähnlich wie Bayern-Kapitän Philipp Lahm im Mai nach dem Dortmunder 5:2-Sieg im Pokalfinale, die originelle Einschätzung ab, sein Team habe „das Spiel im Griff gehabt“.

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