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Eichlers Eurogoals Spielerfrau müsste man sein

15.02.2010 ·  Die Frauen der Fußballprofis geben nur das Geld der Männer aus? Irrtum! Coleen Rooney erschütterte nun mit der Offenlegung ihrer Einnahmen. Ein Ägypter hingegen verzichtete auf sehr viel Geld und wurde eiskalt ausgebeutet - von einer Frau.

Von Christian Eichler
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Mehmet Scholl wurde ja mal gefragt, was er in seinem nächsten Leben gerne wäre. Seine Antwort: Spielerfrau. Seit dieser Woche verstehen wir ihn. Seit wir die Berichte von dem Prozess lesen, der gerade im Saal Nummer 44 des Wirtschafts-Gerichts von Manchester gegen Mr. Wayne Rooney, vor allem aber auch gegen Mrs. Coleen Rooney stattfindet. Eine Vermarktungsagentur, die dem Kicker Verträge mit spendablen Firmen anschleppte, verklagt die Rooneys nun auf Zahlung von Provisionen in Höhe von 4,3 Millionen Pfund.

Das Schöne an solchen Prozessen ist, dass vor Gericht schwarz auf weiß ermittelt wird, worüber man ja sonst immer nur spekuliert. Zum Beispiel: Was so ein Fußballer wirklich verdient. Im Falle Rooney teilt sich das nach Erkenntnissen von Prozessbeobachtern so auf: Pro Woche 90.000 Pfund fürs Fußballspielen, pro Monat 760.000 Pfund für „Bildrechte“, eine Million Pfund pro Jahr für Nike tragen, 600.000 Pfund für vier Jahre Coca-Cola trinken, ein bisschen was für Computerspiele und noch ein paar Kröten mehr. Nun, all das haben wir uns so ähnlich auch vorgestellt. Das konnte keinen überraschen.

Geradezu erschütternd dagegen war die Information darüber, was Mrs. Rooney verdient. Der früheren Supermarktkassiererin hatte der clevere Agent Paul Stretford auch einige Sponsorenverträge in ihrer Eigenschaft als Spielerfrau verschafft. Dazu kam eine eigene TV-Show im Sender ITV2, in der sie für jede Folge 13.000 Pfund kassiert. Und jetzt kommt's: Sie schreibt auch eine Kolumne. Für das Klatsch-Magazin „OK!“ Und erhält dafür pro Monat die Summe von, festhalten: 41.667 Pfund.

„Er hat uns gesagt, dass er das Geld nicht braucht“

Wir befürchten, dass der geschätzte Leser nun etwas falsche Gehaltsvorstellungen über die Bezahlung von Kolumnisten bekommt. Ihm sei aufrichtig versichert: Selbst der Autor dieser Premium-Kolumne muss für umgerechnet 41.667 Pfund spürbar länger arbeiten als einen Monat.

Statt nun aber ungerechte Bezahlung im Geschlechtervergleich zu beklagen, sollte man sich lieber darüber freuen, wie sehr die Sozialprognose von Spielerfrauen sich seit den Vokuhila-Jahren des letzten Jahrhunderts verbessert hat - eine Qualifikations-Offensive, die sich auch in der Karriere von Lothar Matthäus, Unterabteilung Ehefrauen-Statistik, ablesen lässt. Früher fungierten viele noch als Friseuse oder betrieben eine Boutique. Heute dagegen! TV-Moderatorinnen, wohin man blickt, oder mindestens Mode-Designerinnen. Wenn gar nichts geht, geht immer noch Model.

Dagegen muss man sich um die Männer im Fußball immer mehr Sorgen machen. Manche verdienen kaum noch Geld, und dafür braucht man nicht mal eine Scheidung. Der Ägypter Mido zum Beispiel, der erst 26 ist, aber schon elf Profi-Stationen in sieben Ländern erlebt hat, auch bei großen Klubs wie AS Rom, Tottenham oder Ajax Amsterdam, ist nun nach England zurückgekehrt, zu West Ham United, und spielt dort für das erstaunliche Gehalt von tausend Pfund pro Woche. „Mido ist ein reicher Junge“, sagte Klub-Besitzer David Sullivan über sein Schnäppchen. „Er hat uns gesagt, dass er das Geld nicht braucht. Er will im englischen Fußball etwas beweisen.“

Aus Dankbarkeit spielt Joseba Etxeberria ohne Gehalt

Man kann gar nicht froh genug darüber sein, dass es so etwas in diesem geldgeilen Metier überhaupt noch gibt: einen Idealisten, einen, der nicht ans Geld denkt, einen, der nur spielen will. So wie im Baskenland der frühere Nationalspieler Joseba Etxeberria, der seit 15 Jahren bei Athletic Bilbao spielt und die aktuelle Saison, seine letzte, aus Dankbarkeit ohne Gehalt bestreitet. Oder wie eben Mido, der in einer Liga, in der der Durchschnittsprofi über eine Million Pfund bekommt, weniger verlangt, als in London ein Klempner verdient.

Leider kommt bei dieser schönen Geschichte nun wieder die harte Realität ins Spiel, natürlich in Form einer Frau. Die 21-Jährige kam irgendwie an Midos Kreditkarten-Daten. Sie erwarb damit einen Luxusurlaub in Dubai für sechs Personen, einige weitere Reisen, ein Laptop, Designer-Möbel, teure Mode und ein paar neue Zähne. Der Schaden: 46.000 Pfund. Dafür muss der arme Ägypter bei seinem aktuellen Gehalt fast ein ganzes Jahr arbeiten. Wir schätzen, Mido wird Mehmet Scholl verstehen.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause. Für FAZ.NET fasst er in einer wöchentlichen Kolumne seine pointierten Betrachtungen zusammen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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