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Veröffentlicht: 11.02.2013, 15:28 Uhr

Eichlers Eurogoals Snoop Dogg als Maskottchen

Celtic freut sich in der „sterbenden Liga“ in Schottland auf den Höhepunkt Champions League. Am Dienstag kommt Juventus nach Glasgow. Die Wahl des Ortes für die Vorbereitung war aber wohl keine gute Idee der Italiener.

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© REUTERS Celtic Glasgow setzt auf den nächsten Höhepunkt in der Champions League

Ein unvollständig gekleideter Däne schoss eines der kuriosesten Tore der Fußballgeschichte. Preben Elkjaer-Larsen, begnadeter Stürmer und legendärer Spaßvogel, rannte aufs Tor von Juventus Turin zu, wurde gefoult, verlor einen Schuh, aber nicht den Ball, lief weiter, umspielte einen Verteidiger und schoss mit dem Socken das 2:0 für den späteren Meister Hellas Verona.

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Bis heute ist es als „gol senza scarpa („Tor ohne Schuh“) Teil der italienischen Fußballfolklore. Fast dreißig Jahre hat man auf eine Wiederholung warten müssen, aber am Samstag konnte Juventus die Sache ausgleichen. Kurz vor seinem Treffer zum Endstand von 2:0 gegen Florenz verlor Juve-Stürmer Alessandro Matri seinen rechten Schuh und traf mit dem Socken – ein reguläres Tor, weil der Schuhverlust in der Schussbewegung geschah. Elkjaer-Larsens Solo dagegen würde nach heutiger Rechtslage abgepfiffen.

An diesem Dienstag (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) muss Juventus vor ähnlichen Effekten gewarnt sein. Die Atmosphäre im Celtic Park von Glasgow, einem der lautesten und hitzigsten Stadien der Welt, hat schon manchem Gegner die Schuhe ausgezogen. Von 22 Heimspielen in der Champions League verlor Celtic nur eins und gewann 15. Der jüngste und berühmteste Skalp war der des FC Barcelona, der am 7. November, einen Tag nach dem 125-jährigen Jubiläum des schottischen Traditionsklubs, dort 1:2 verlor, trotz 73 Prozent Ballbesitz und 24:5 Torschüssen.

Auf der Tribüne vergoss der schottische Pop-Veteran Rod Stewart Tränen der Rührung. Gegen Juventus wird er wohl einen Kollegen begrüßen können, der zu den seltsamsten Fans dieses weltweit populären Klubs der schottischen Katholiken und irischen Auswanderer gehört: den amerikanische Rap-Star Snoop Dogg. Er erklärte kürzlich in Dubai, einen Celtic-Schal um den Hals, er brauche noch Tickets für das Spiel gegen Juve und wäre, um dabei zu sein, sogar bereit, das Team als Maskottchen aufs Feld zu führen.

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Celtic hat lange darauf warten müssen, endlich wieder einmal im Fokus der Fußballwelt zu stehen. Fünf Jahre hatte der Klub die Gruppenphase der Champions League nicht mehr erreicht, ehe im August durch Siege gegen Helsinki und Helsingborg der Sprung in die Eliteklasse gelang – und danach gleich der in die K.o.-Runde.

Das Duell mit Italiens Rekordmeister ist die bisherige Krönung eines langfristigen Plans, mit dem sich Celtic auf die Entwicklung von Eigengewächsen und die weltweite Suche nach unterbewerteten Talenten machte – während der Lokalrivale Rangers weiter teure Spieler kaufte und über seine Verhältnisse lebte, bis er 2012 in die Insolvenz und in die vierte Liga gehen musste.

Das Siegtor gegen Barca schoss ein 18-Jähriger

Die Einnahmen durch den Verkauf neuer Klubanteile wurden 2006 bei Celtic nicht in neue Spieler investiert, sondern in ein Trainingszentrum, eine Jugendakademie und in die Tilgung von Altlasten, so dass der Verein heute nahezu schuldenfrei ist. Geschäftsführer Peter Lawwell nennt es „ein nachhaltiges, langfristiges Geschäftsmodell, das sichern soll, dass wir im europäischen Wettbewerb konkurrenzfähig bleiben“. Celtic hat mit einem Altersdurchschnitt von 23 das jüngste Team der Champions League. Das Siegtor gegen Barcelona schoss der 18-jährige Tony Watt.

Wie ein Fondsmanager auf der Suche nach interessanten Geldanlagen hat Lawwell bei der Spielersuche „unterbewertete Märkte” wie Asien, Afrika, Lateinamerika ins Auge gefasst. In Honduras fand man den Außenverteidiger Emilio Izaguirre, in Israel dessen Kollegen Efe Ambrose, der am Sonntag mit Nigeria Afrikameister wurde.

Stilechte Vorbereitung: Trainer Neil Lennon auf dem Trainingsplatz © AFP Vergrößern Stilechte Vorbereitung: Trainer Neil Lennon auf dem Trainingsplatz

Wenn das Casting erfolgreich ist, wecken die Jungstars rasch das Interesse größerer Klubs und sind kaum in der sportlich tristen schottischen Liga zu halten, doch Celtic profitiert: erst sportlich, dann finanziell. So wie bei Ki Sung-yueng, für zweieinhalb Millionen Euro in Südkorea geholt, für die dreifache Summe nach Swansea verkauft. Der 21-jährige Kenianer Victor Wanyama, für 1,1 Millionen Euro vom belgischen Klub Beerschot gekauft, dürfte einen noch höheren Erlös bringen. Er soll das Interesse des gebürtigen Glasgowers Alex Ferguson bei Manchester United geweckt haben.

Der Erfolg in der Champions League ist ein wärmender Sonnenstrahl im grauen schottischen Fußball. Und für Celtic ein Ersatz dafür, dass die Rangers nicht mehr da sind, mit denen man sich 97 der bisher 116 schottischen Meisterschaften teilte. Rangers-Chef Charles Green nennt die schottische Premier League, die weniger als ein Prozent der TV-Einnahmen der englischen Premier League erlöst, eine „sterbende Liga“ und strebt mit seinem Verein, der sich aus der untersten Profiklasse nun wieder hocharbeitet (mit derzeit 22 Punkten Vorsprung), eine Aufnahme ins englische Ligasystem an.

Juventus bereitet sich bei den Rangers vor

Jahr für Jahr kam es bisher zu fünf oder sechs der hitzigen, einträglichen Duelle der sogenannten „Old Firm“, 399 bisher in diesem traditionsreichsten Derby der Welt. Auf das 400. muss man auf unbestimmte Zeit warten – Hassliebe, auf Eis gelegt. Dabei fehlen die Rangers Celtic mehr als umgekehrt.

Während die trotzigen Rangers-Fans den Ibrox Park in der vierten Liga noch mehr füllen als in der ersten – sie steigerten den Zuschauerschnitt in dieser Saison auf fast 47.000, den vierthöchsten in ganz Großbritannien -, fiel der von Celtic ohne die stets ausverkauften Derbys von 51.000 auf 46.000 zurück. Denn die Liga ist extrem langweilig. Celtic hat nach dem 3:1-Sieg mit einem Reserveteam beim Tabellenzweiten Inverness am Samstag 18 Punkte Vorsprung.

Grün und weiß, ein Leben lang: Dieser Celtic-Fans gibt sein letztes Hemd © REUTERS Vergrößern Grün und weiß, ein Leben lang: Dieser Celtic-Fans gibt sein letztes Hemd

Celtic sucht Gegner. Und derjenige, der immer noch die größte Leidenschaft und Leidensbereitschaft aus ihnen herausholt, ist nun einmal der degradierte Lokalrivale. Deshalb war die Wahl des Ortes für die Spielvorbereitung vielleicht keine gute Idee von Juventus. Es ist das Trainingsgelände der Rangers.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause. In Eichlers Eurogoals - die FAZ.NET-Fußball-Kolumne fasst er seine pointierten Betrachtungen zusammen.

Quelle: FAZ.NET

 

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