31.08.2009 · Ohne Ball ist Fußball nur Leichtathletik. Mit Ball wird Kunst daraus. Oder auch Stümperei, jedenfalls unterhaltsam. Das zeigt der Saisonstart in Spanien. In Italien macht derweil Sneijder den Robben. Und Arsene Wenger kickt in England mit.
Von Christian EichlerOb Usain Bolt mit Ball so schnell ist wie Arjen Robben? Die Frage stellte ein Augenzeuge des ersten Auftritts für den Turbo-Dribbler in München. Reizvoller Gedanke: Der schnellste Mann der Welt gegen den fliegenden Fußballholländer. Doch Bolt war am Samstag nicht in München, sondern in Madrid, und dort war Robben ja nur bis Donnerstag.
Im Bernabeu-Stadion machte der Supersprinter den ersten Kick der Saison für die neu gemischte Startruppe von Real Madrid. Seine Ballbehandlung fiel zwar minimal besser aus als bei manch schlecht beratenem Politiker, der zwecks falsch verstandener Volksnähe schon öffentlich gegen den Ball trat (womit uns der derzeitige Wahlkampf glücklicherweise weitgehend verschont); aber nun auch nicht so, dass man dem Jamaikaner dringlich eine Weiterbildung zum Fußballer anraten sollte. Es bleibt dabei: Ohne Ball ist Fußball nur Leichtathletik. Mit Ball wird Kunst daraus. Oder auch Stümperei, jedenfalls unterhaltsam.
Ronaldo mit Elfmeter
Die neuen Real-Stars durften auf Anhieb zeigen, was sie den Fans so Schönes mitgebracht haben. Kaká schlängelte ein feines Zuspiel durch die Beine zweier Verteidiger auf Benzema, der traf den Pfosten, und so durfte höflicherweise ein Uralt-Galactico, Raúl, per Abstauber vor dem leeren Kasten das erste Saisontor erzielen. Auch Cristiano Ronaldo wurde sein erstes Tor auf dem Tablett serviert, in Gestalt eines Elfmeters.
Doch weil der Großteil der 250 Millionen Euro, die Präsident Perez für neue Spieler unters Volk gebracht hat, freundlicherweise für Angreifer draufgegangen sind, zeigt sich die Real-Abwehr weiterhin spendabel. So konnte Deportivo La Coruna zweimal binnen weniger Minuten ausgleichen. Am Ende war der einzige, der im blütenweißen Trikot für die Drecksarbeit im Mittelfeld vorgesehen ist, der Franzose Lassana Diarra, dann auch derjenige, der den Fehlstart vermied und das Siegtor zum 3:2 schoss.
In Spanien war es der zögerliche Aufgalopp der Saison, noch ohne Meister FC Barcelona, der nach dem europäischen Supercup-Sieg gegen Donezk am Freitag noch einen kleinen Aufschub bis Montag bekam.
Sneijder als italienischer Robben
In Italien und England war es, wie in Deutschland, schon der erste Spieltag der Spitzenduelle - und zumindest in Mailand, wie in München, auch der Tag, an dem man seinen holländischen Luxuseinkauf von der Resterampe von Real präsentieren konnte. Wesley Sneijder, dem man in Madrid Spind und Rückennummer weggenommen hatte, um ihn loszuwerden, stand erstmals in der Startelf von Inter Mailand, und José Mourinho, der Trainer des italienischen Meisters, hatte vor dem 272. Mailänder Derby wieder einmal alles richtig gemacht.
Mourinhos Neueinkauf Thiago Motta traf nach einer wunderbaren Zickzack-Kombination, die die Abwehr des AC Mailand wie mit einer großen Schere auseinanderschnitt, das 1:0. Neueinkauf Eto'o holte einen Elfmeter heraus, Neueinkauf Milito verwandelte ihn zum 2:0. Und Neueinkauf Sneijder entnervte Gegenspieler Gattuso dermaßen, dass der schon nach 40 Minuten das Gelb-Rote Signal zur Beendigung des Arbeitstages erhielt. Noch vor der Pause traf Maicon zum 3:0, und Stankovic erteilte den eigenen Fans (die von Milan hatten das Stadion da schon weitgehend verlassen) noch eine schöne Zugabe in Gestalt eines Netzbeulers aus fast dreißig Metern.
Chelsea mit Sieg vier in Spiel vier
In England übernahm Chelsea durch den vierten Sieg im vierten Spiel die Tabellenführung, beim 3:0 gegen Aufsteiger Burnley traf Michael Ballack per Kopf. Der FC Liverpool vermied nach zwei Niederlagen einen kompletten Fehlstart und gewann mühselig 3:2 in Bolton - nach 1:2-Rückstand drehten, wie üblich, Torres und Gerrard das Spiel.
Manchester United zeigte sich im Klassiker gegen den FC Arsenal spielerisch dürftig, geriet durch einen feinen Schuss des Russen Arschawin in Rückstand und vermied nur mit viel Glück bei einem Lattentreffer von van Persie das 0:2. Dann aber verteilte Arsenal im Gefühl der Überlegenheit Mitte der zweiten Halbzeit, als das Heimteam noch keinen Schuss aufs Tor gebracht hatte, Gastgeschenke. Torwart Almunia ging unnötig auf Kollisionskurs mit Rooney, der den Elfmeter dankend annahm. Und Diaby köpfte den Ball völlig unbedrängt aus fünf Metern Entfernung ins eigene Netz.
Als in der Nachspielzeit der vermeintliche Ausgleichstreffer van Persies wegen Abseits nicht galt, trat Trainer Arsène Wenger gekonnt vor eine Wasserflasche und wurde dafür vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt, wo er allerdings unter feixenden United-Fans keinen Platz fand. „Ich wusste nicht, dass es verboten ist, Wasserflaschen wegzukicken“, verteidigte sich Wenger nach der 1:2-Niederlage, „und dann war es auch noch so ein guter Kick“. Deutlich besser als der von Usain Bolt.