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Eichlers Eurogoals Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen

 ·  Das Londoner Fußballpublikum zeigt sich von seiner hässlichen Seite. Im Südwesten sieht sich Rafael Benitez bei seinem ersten Heimspiel Anfeindungen ausgesetzt. Doch das ist noch harmlos gegen das, was sich zur selben Stunde im Norden der Metropole abspielt.

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© dpa Vergrößern Anfeindungen der eigenen Fans ausgesetzt: Chelseas neuer Trainer Rafael Benitez

Herzlich willkommen! Sport ist auch deshalb eine schöne Sache, weil er zu Begegnungen unter Menschen führt. Zu Wettkämpfen, bei denen man Gäste begrüßt, was in Menschen seit Jahrtausenden eine der schönsten Tugenden hervorruft, die Gastfreundschaft. Im Idealfall entstehen sportliche Begegnungen, bei denen man in freundschaftlicher Atmosphäre nur sein Bestes gibt. Und dem Gast nur das Beste wünscht, außer vielleicht, dass er gewinnt. All das ist kein Märchen, so etwas gibt es wirklich. Den Beweis hat noch vor wenigen Monaten das Sportpublikum von London der ganzen Welt vor Augen geführt. Es gab den Olympischen Spielen im Sommer eine herzliche, positive Atmosphäre, wie sie in 116 olympischen Jahren wohl kaum übertroffen worden war. Es lebe der Sport!

Aber dann ist da ja noch der Fußball. Und in dieser Hinsicht hat sich das Londoner Publikum – besser gesagt: ein anderes Londoner Publikum – nun von einer ganz anderen Seite gezeigt. Die noch harmlosere bekam am Sonntag Rafael Benitez zu spüren. Der frühere Trainer des FC Liverpool, der am Donnerstag die Nachfolge des entlassenen Roberto Di Matteo beim FC Chelsea angetreten hatte, wurde bei seinem ersten Einsatz an der Stamford Bridge von den Fans des eigenen Klubs empfangen wie ein Staatsfeind.

„Welcome to the Circus - starring Fat Rafa as the new clown“, willkommen im Zirkus, mit dem fetten Rafa als neuem Clown – dieses Plakat, präsentiert von auch nicht gerade untergewichtigen Zuschauern in spack sitzenden blauen Trikots, war noch das Freundlichste. Ein anderes, auf dem „Rafa out“ stand, wurde von einer strategisch günstig postierten Gruppe bei jedem Eckball ins Kamerabild gehalten. Schon als Benitez aus den Katakomben trat, empfing ihn eine dröhnende Kakophonie von Buhrufen. Während des Spiels verhöhnten ihn Gesänge. Nur nach exakt 16 Minuten gab es Beifall von den Rängen, genau eine Minute lang – für den populären Di Matteo, der vor seiner Zeit als Trainer das Trikot der „Blues“ mit der Nummer 16 getragen hatte.

Benitez hat diesen Stallgeruch nicht, er ist den Blauen ein ewiger Roter, aus seinen Jahren beim FC Liverpool. Dabei ist der Spanier ein freundlicher, rundlicher Mann, der keine Aggressivität ausstrahlt, ganz anders als sein früherer Gegenspieler, der große Publikumsliebling von Chelsea, Jose Mourinho, mit dem er sich Mitte des letzten Jahrzehnts einige großartige Duelle lieferte. Er wurde nie Meister mit Liverpool, aber zweimal besiegte er mit Liverpool den Meister Chelsea im Halbfinale der Champions League. Reicht das, ihn so zu hassen?

Das Niveau der Partie litt deutlich unter dem Niveau der Fans, es gab ein 0:0 gegen Meister Manchester City, der immer noch ungeschlagen in der Liga ist, sich aber in der Champions League blamiert hat. Deswegen war es Fußball paradox, ein Top-Spiel unter Notleidenden. Dritter gegen Erster (bei Schlusspfiff: Vierter gegen Zweiter), aber trotz der Tabellenposition eine Partie mit zwei Trainern auf der Bank, die für sie schon wie ein Schleudersitz aussah – für Roberto Mancini nur ein halbes Jahr nach dem Meistertitel (was nichts heißt, auch bei Di Matteo hielten Pokalsieg und Champions-League-Gewinn nur ein halbes Jahr vor); für Benitez schon am ersten Arbeitstag.

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