Man muss es sich leisten können, mit fast nichts zufrieden zu sein. Roman Abramowitsch ließ sich zum Beispiel sein Chateau an der Cote d’Azur eine halbe Milliarde Euro kosten. Er erwarb ein Gemälde von Francis Bacon für 57 Millionen Euro, hält sich einen Privat-Airbus und zwei U-Boote und ließ, obwohl er schon zwei der größten Yachten der Welt besaß, auch noch die größte, 163 Meter lang, bauen.
Bei seiner letzten Silvesterparty in der Karibik ließ er zum Vergnügen der illustren Gäste für die Abendgage von einer Million Dollar die Red Hot Chili Peppers einfliegen. Das teuerste Hobby des russischen Milliardärs ist aber immer noch der Fußball. Seine Ausgaben für den FC Chelsea, den er im Jahr 2003 erwarb, übertreffen alles.
Mit dem neuesten seiner kostspieligen Meinungswandel, den er am Sonntagnachmittag mit der Trennung von Trainer Andre Villas-Boas verkündete, dürften Abramowitschs Überweisungen sich inklusive Klubkauf, Schuldenübernahme, Spielertransfers und zuletzt vor allem Trainerabfindungen auf eine Milliarde Euro zubewegen oder diese Marke sogar schon übertroffen haben.
Von Investitionen zu reden verbietet sich, denn er hat für diese Unsummen nicht viel zurück bekommen, außer drei englischen Meisterschaften, einem Pokalgewinn und einem Maß an Publicity, an der dem öffenlichkeitsscheuen Russen nicht viel liegt.
Seine Pläne und Gedanken zu lesen ist für die Untergebenen so wichtig, aber auch so schwierig wie dereinst die Gedanken der Mächtigen im Kreml für die Untergebenen des Sowjet-Reichs. Villas-Boas ist nicht der erste, der sich dabei getäuscht hat.
„Der Eigentümer hat nicht 15 Millionen Euro gezahlt, um mich aus Porto loszukriegen“, vermutete der portugiesische Trainer Ende 2011, „nur um ein weiteres Vermögen auszugeben, damit er mich jetzt aus Chelsea wegkriegt.“
Keine drei Monate später ist Villas-Boas nun entlassen. Und der Klubbesitzer, den schon der letzte Trainerwechsel 43 Millionen Euro gekostet hat (28 Millionen Abfindung für Carlo Ancelotti und dessen Trainerstab, 15 Millionen Ablöse an Porto für Villas-Boas), muss nun wieder tief in die Tasche greifen.
Und all das ohne jeden sportlichen Fortschritt, so wenig wie ihn der letzte ganz große Spielerkauf brachte, der des einstigen Weltklassestürmers Fernando Torres für fast 60 Millionen Euro, der seitdem in 13 Monaten drei Tore schoss.
Abramowitsch hat sich für sein vieles Geld immer den schönen, attraktiven Fußball gewünscht, den dann aber nur andere spielten, erst Arsenal, dann Barcelona. Am Vorbild Barcelona sollte sich Villas-Boas orientieren - eine Aufgabe, an der der erst 34 Jahre alte Trainer scheitern musste.
Denn Chelsea ist immer noch dem Stil von Jose Mourinho verhaftet, der es von 2004 bis 2007 als Ergebnismaschine abrichtete. Der offensivere, jüngere Stil, den Villas-Boas probierte, hatte zu viele Sicherheitsmängel, um ihm die nötige Zeit für den Umbau zu schenken.
Nach dem 0:1 bei West Bromwich am Samstag steht Chelsea drei Punkte hinter einem Champions-League-Platz. Auch im Pokal, im Wiederholungsspiel in Birmingham an diesem Dienstag, und in der Champions League, im Rückspiel nächste Woche nach dem 1:3 in Neapel, droht das Aus.
Nicht zuletzt verhob sich Villas-Boas, der nach seinem „Treble“ mit Porto (Meisterschaft, Pokal, Europa League) als neuer Jungstar der Branche galt, auch daran, dass Chelsea ein Team mit zu vielen Altstars ist. Deren Leistung entspricht ihrem Einfluss und Geltungsanspruch längst nicht mehr, wie bei Terry, Lampard, Drogba oder Ashley Cole.
Mit den meisten verdarb er es sich, weil er ihnen Privilegien nahm oder gar Stammplätze. Alle kannten sie den jungenhaften Portugiesen auch noch aus seiner Zeit als Scout von Chelsea im Dienst seines Ziehvaters Mourinho, was der Autorität auch nicht zuträglich war.
Dessen Schatten entkam er nicht - so wie keiner, der je irgendwo auf Mourinho folgte. Bei Chelsea skandierten die Fans zuletzt Mourinhos Namen, ebenso wie die bei Inter Mailand. Auch die alten Spieler trauern überall dem Erfolgstrainer nach.
Letzte Woche wurde Mourinho auch noch bei einem Trip aus Madrid in London gesehen, wo er Villen besichtigte. Das heizte die Gerüchteküche an, denn der Real-Coach macht kein Hehl daraus, irgendwann in die Premier League zurückkehren zu wollen.
Doch ging es angeblich nur um eine Bleibe für die Tochter, die in England studieren soll. Sicher ist nur, dass der neue Chelsea-Trainer vorerst der bisherige Assistent Roberto di Matteo sein wird, der achte Trainer in achteinhalb Jahren unter Abramowitsch.
Als Favorit für die Folgelösung gilt bei englischen Medien der Spanier Rafael Benitez, Champions-League-Sieger mit Liverpool 2005 (und dann erfolgloser Mourinho-Nachfolger bei Inter), mit dem der Klub schon verhandelt haben soll.
Liebling von Roman Abramowitsch soll Pep Guardiola sein, der Trainer des FC Barcelona. Aber vielleicht gibt es auch im Fußball Dinge, die nicht mal ein Milliardär kaufen kann.
Guardiola
Amadís de Gaula (Amadisdegaula)
- 05.03.2012, 21:32 Uhr
Die gute Nachricht....
Michael Meier (never1)
- 05.03.2012, 18:46 Uhr