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Eichlers Eurogoals Keine Zeit fürs Fest der Liebe

22.12.2008 ·  Gefährliche Weihnacht: Geschenke, Glühwein und Gefühle bedrohen den Biss der begabtesten Balltreter. Alex Ferguson vertreibt die Besinnlichkeit daher prophylaktisch mit Verbalgrätschen. Dabei standen englische Fußballspieler selten im Verdacht der Gefühlsduselei - eben wegen ihrer Weihnachtsfeiern.

Von Christian Eichler
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Das Fest der Liebe? Nicht bei Alex Ferguson. Wem vorweihnachtliche Sanftmütigkeit auf die Nerven geht, sollte sich den erfolgreichsten Trainer der Welt zum Vorbild nehmen. Ferguson verlängerte seine Titel-Rekordsammlung am Sonntag um den des „Klubweltmeisters“ (durch ein 1:0 gegen Quito in Yokohama) - und schoss sich zugleich schon mal warm für die Duelle, die wirklich zählen, die mit den anderen Größen Europas in der K.o.-Runde der Champions League.

„Glaubt ihr, ich würde mit dem Pack einen Vertrag machen“ - er meint den berühmtesten Klub der Welt, Real Madrid, der sich immer noch Hoffnungen auf Cristiano Ronaldo macht. „Denen würde ich nicht mal ein Virus verkaufen“. Dabei spielt Manchester United im Februar gar nicht gegen Real, sondern gegen Inter Mailand, aber Hauptsache, der giftige Grundton für die Gigantenduelle wird schon mal festgelegt.

Arsenals Winterpause dauert 44 Stunden

Auch Inter-Trainer José Mourinho, ein alter Ferguson-Rivale, hat sich schon gemeldet. Ronaldo, so der Psycho-Portugiese, sei „ein guter Spieler“, aber „bestimmt nicht der beste der Welt“. Mourinho weiß: Wenn man Ronaldo vor großen Spielen öffentlich ein bisschen provoziert (Motto: „So gut ist der gar nicht“), dann will der beweisen, was er alles kann, und zwar alles auf einmal, zum Beispiel alle Verteidiger gleichzeitig ausdribbeln; und das ist meist gut für den Gegner. Mourinho fängt schon mal an: Zlatan Ibrahimovic sei viel besser.

Es geht darum, das Reizklima mit in die Winterpause zu nehmen, damit bei Keksen und Weihnachtsbraten keiner satt wird. In Italien sind immerhin, wie in Frankreich und Holland, drei Wochen zu überbrücken, nur zwei in Portugal und Spanien (wo der FC Barcelona durch Henrys 2:1 auch in Villarreal gewann). In Deutschland sind es dagegen sieben Wochen und in Österreich zehn. Und in England? Dort dauert die Winterpause 44 Stunden. Das ist die Saisonhalbzeit des FC Arsenal (der am Sonntag in Unterzahl nach Gelb-Rot für Adebayor 1:1 gegen Liverpool spielte): der Abstand zwischen dem 19. und dem 20. Spieltag, der Partie am Zweiten Weihnachtstag, Freitag Abend bei Aston Villa, und der am Sonntag Mittag gegen Portsmouth.

Härteste englische Fußballtradition: die Weihnachtsfeier

Das härteste an dieser Jahreszeit, in der anderswo Kicker die Füße hochlegen, ist aber nicht mal der englische Weihnachtsfußball, sondern die englische Weihnachtsfeier. Die historischen Highlights dieser nationalen Fußballtradition, bei der man sich in heiteren Kostümen im Kollegenkreis allen möglichen Formen des Flüssigkeitsaustausches hingibt, werden von den Zeitungen gern in Erinnerung gerufen: die brennende Zigarre, die Joey Barton einem Jungkollegen aufs Auge drückte (Manchester City 2004); die Theke, die Hayden Foxe mit der Toilette verwechselte (West Ham 2001); die Ausgabe von „Mein Kampf“, die Dietmar Hamann als Geschenk der Kollegen erhielt (Newcastle 1998); ein von Abwehrchef Vinnie Jones organisierter Zwergenwurfwettbewerb (Wimbledon, frühe 90er); und die Tanzeinlage von Jamie Carragher, bei deren Beginn er ein Glöckner-von-Notre-Dame-Kostüm trug, an deren Ende er und einige beteiligte Damen außer etwas Sprühsahne aber kaum noch etwas auf der Haut hatten (Liverpool 1998).

Besinnliche Weihnachtszeit in der Schweiz

Hart ist der Advent auch für Trainer, besonders für frühere Ferguson-Schüler. Roy Keane flog in Sunderland, Paul Ince in Blackburn, und Mark Hughes, beim Scheich-Klub Manchester City mit dem 1:2 beim Letzten West Bromwich auf einem weihnachtlichen Abstiegsplatz gelandet, soll zwar, wie vom Verein beteuert, „Zeit bekommen“, aber das kann ja alles Mögliche heißen. Zum Beispiel: „Sie bekommen 45 Minuten Zeit, ihren Schreibtisch zu räumen.“

Der berühmteste Fergie-Schüler aber hat gerade die Winterpause neu erfunden: im Privatjet von Berlusconi eingeflogen, Luxushotel, Luxusapartment, ein Model-Job bei Armani, ein bisschen trainieren, Trikots verkaufen, vielleicht sogar zwei, drei Spiele, dann heim nach Hollywood. So eine Winterpause wie David Beckham müsste man haben. Oder noch besser wie ein Fußballprofi in der Schweiz: kein Armani, kein Berlusconi, keine Victoria, und zwölf Wochen frei.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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