21.12.2009 · Erst Capello, dann Ancelotti und Zola und nun auch noch Mancini. So viele Legionäre, die es von Sonne und Pasta zu Regen und fader Küche verschlägt, hat es seit Julius Cäsar nicht mehr gegeben. Nur in Italien sind Italiener derzeit nicht mehr in Mode.
In diesen Tagen wünscht man sich frohe Weihnachten. Am längsten dauert das in Nepal: „Krist Yesu Ko Shuva Janma Utsav Ko Upalaxhma Hardik Shuva!“ Am kürzesten in Norwegen und Schweden: „God Jul!“ Noch knapper können die festlichen Wünsche nur sein, wenn sie aus dem Arabischen ins Englische übersetzt sind: „Bye!“ So lautete am vierten Advent die Botschaft, die Mark Hughes von seinen Arbeitgebern vom Persischen Golf erhielt.
Bei Manchester City regiert seit der Übernahme durch die Milliardäre aus Abu Dhabi im vorletzten Sommer der Fußball-Weihnachtsmann. Er hat den Fans in 18 Monaten über 200 Millionen Euro für elf neue Spieler spendiert. In diesem Sommer war die traditionell mittelmäßige Adresse aus Manchester schon die Nummer zwei bei den Transferausgaben in Europa, knapp vor dem FC Bayern und nur übertroffen noch vom großen Vorbild Real Madrid.
Königliche Personalpolitik: Trainer nach Sieg entlassen
Gewonnen haben sie immer noch nichts, aber auch bei der anderen Hälfte der Personalpolitik, dem Umgang mit Führungskräften, nähert sich City nun dem Niveau von Real. Einen Trainer nach einem Sieg zu entlassen (einem 4:3 gegen Sunderland) und zwei Wochen nach einem famosen Erfolg gegen den Tabellenführer (2:1 gegen Chelsea) und all das in der Mitte einer Saison, in der sein Team die wenigsten Niederlagen in der stärksten Liga der Welt hatte (zwei in 17 Spielen) - das kriegen sonst nur die „Königlichen“ aus Madrid hin. Die entließen ja unseren herbstmeisterlichen Trainersenior „Don Jupp“ Heynckes einst sogar am Tag nach Gewinn der Champions League.
Hughes sagt, er habe erst nach Schlusspfiff am Samstag erfahren, was viele andere offenbar schon wussten. Der Verdacht wurde erhärtet dadurch, dass die Klubführung nicht lange einen Neuen suchen musste, sondern ihn umgehend schon präsentieren konnte: den Italiener Roberto Mancini, der die Partie gegen Sunderland schon inkognito im Stadion verfolgt haben soll. Das ist eine kluge Wahl, denn Mancini ist einer, der auch schon weiß, wie schnell man auf solchen Posten abserviert sein kann. Bei Inter Mailand wurde er nach drei Meistertiteln in Serie von heute auf morgen durch José Mourinho ersetzt.
Nur in Italien sind Italiener derzeit nicht mehr richtig in Mode
Italienisch-Kurse sind derzeit für englische Kicker ein passendes Weihnachtsgeschenk. Erst kam Fabio Capello als Nationaltrainer und Nationaltrainer und machte aus dem englischen Patienten einen WM-Mitfavoriten. Und in der Premier League ist Mancini ist nun schon der dritte italienische Trainer, nach Carlo Ancelotti, der mit dem FC Chelsea oben steht, und neben Gianfranco Zola, der mit dem Kellerkind West Ham United dem Tabellenführer am Sonntag ein 1:1 abrang. Dabei brauchte Chelsea auch noch einen geschenkten Elfmeter, um nicht erstmals seit 33 Spielen ohne Treffer zu bleiben - und baute die Führung dennoch aus, denn Manchester United kam ohne sieben verletzte Verteidiger 0:3 in Fulham unter die Räder.
So viele hochrangige Legionäre, die es von heimischer Sonne und knackiger Pasta zu Regen und fader Küche auf die Insel verschlägt, hat es nicht mehr gegeben, seit Julius Cäsar über den Ärmelkanal kam.
Nachfolger als Weihnachtsmann verkleidet auf der Tribüne?
Nur in Italien sind Italiener derzeit nicht mehr richtig in Mode. Oben in der Serie A reicht dem Portugiesen Mourinho mit Serienmeister Inter eine durchschnittliche Saison, um die Tabelle mit acht Punkten Vorsprung anzuführen, vor dem AC Mailand mit dem brasilianischen Trainerneuling Leonardo. Und nach dem 1:4 gegen den FC Bayern in der Champions League, bei der Trainer-Anfänger Ciro Ferrara mit einem hoffnungslos unterbesetzten Mittelfeld seine taktische Unbedarftheit bewies, hat sich Juventus Turin nun wohl auch aus dem Kampf um die Meisterschaft verabschiedet. Dem 1:3 in Bari folgte ein 1:2 im Heimspiel gegen den Tabellenletzten Catania (trotz eines Treffers des Alt-Bayern Hasan Salihamidzic). Ferrara wird bei den nächsten Partien wohl besser nachschauen, ob nicht schon sein Nachfolger auf der Tribüne sitzt. Vielleicht verkleidet als Weihnachtsmann? Buon Natale!
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