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Eichlers Eurogoals Glück ist die Fähigkeit, Unglück zu ignorieren

 ·  Im Schrebergarten-Duell geht es ruhig zu. Auf der Insel der Blutrache gibt es dagegen fünf Rote Karten. Und „Totteringham’s Day“ dürfte diesmal ausfallen. Derby-Time bei Eichlers Eurogoals.

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© AP/dpa Vergrößern Sieht so aus, als würde der „Totteringham’s Day“ ausfallen: Tottenham steht diesmal vor Arsenal

Die Chancen stehen gut, dass die Fans der Tottenham Hotspurs demnächst ein komplettes Fußballspiel auf DVD sehen können. Vor einem Jahr führten ihr Verein nach 39 Minuten 2:0 beim FC Arsenal, im Derby der Nord-Londoner Nachbarn, dem hitzigsten des englischen Fußballs. Die Spurs-Fans feierten im Stadion des Rivalen. Aber eben nur 39 Minuten lang. Die zweiten 51 Minuten hatten aus ihrer Sicht das Ergebnis 0:5. Im Endergebnis verloren die Spurs also 2:5. Aber sie machten das Beste daraus. Glück ist ja nichts anderes als die Fähigkeit, Unglück zu ignorieren. Wenig später gab es die Partie im Fanshop von Tottenham als DVD zu kaufen. Laufzeit: 39 Minuten.

Dieselbe Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung, zum Finden von positiven Aspekten negativer Resultate, wird derzeit von Arsène Wenger verlangt, jenem Trainer, der seit seinem Dienstbeginn bei Arsenal 1996 eine Plage war für die Spurs. In jedem Jahr konnten seitdem die Arsenal-Fans den sogenannten „Totteringham’s Day“ begehen. Dieser bewegliche Feiertag fällt auf jenen Spieltag der Premier League, an dem Arsenal von Tottenham rechnerisch nicht mehr einzuholen ist. In diesem Jahr aber sieht es aber seit dem Derby vom Sonntag so aus, als fiele er erstmals in der Ära Wenger aus, der „Totteringham’s Day“. 

Einer der Schwachköpfe, die es in jedem Fanblock jedes Fußballvereins gibt, hatte in der ersten Halbzeit an der White Hart Lane eine affenartige Idee. Er bewarf Gareth Bale, als der vor dem Arsenal-Block eine Ecke für die Spurs ausführen wollte, mit einer Banane. Eine Beleidigung, die normalerweise rassistisch gemeint und auf dunkelhäutige Spieler gemünzt ist. Aber manchmal eben auch auf Hellhäutige, die von Primaten-Fans mit Affen verglichen werden.

So wie einst Oliver Kahn bekam nun auch Bale Futter, verschmähte es aber. Und zeigte wenige Minuten später, warum die Spurs-Fans zur Melodie von „Yellow Submarine“ gern singen: „Gareth Bale peels bananas with his feet“. Zwar schälte er die Banane dann doch nicht mit dem Fuß, gab aber nach 37 Minuten mit dem Außenrist der Flugbahn des Balles eine leichte Bananenkrümmung, die zum 1:0 führte. Es war der neunte Treffer binnen sieben Spielen des aktuell besten Spielers der Premier League.

Lebt Fußball von Ideen, oder von Investoren?

Zwei Minuten später traf auch Aaron Lennon. Nach 39 Minuten also stand es schon wieder 2:0 für die Spurs. Aber diesmal ging der Film weiter, und Arsenal konnte durch Per Mertesackers Kopf nur noch zum Endstand von 2:1 verkürzen. Zugleich gab es am selben Tag eine weitere Demütigung für Wenger: Zeitungsberichte über ein angebliches Angebot durch Geldgeber aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, Arsenal für unglaubliche 1,7 Milliarden Euro zu kaufen.

Es wäre ein Fest für die Fans, die dann endlich die teuren Stars bekämen, die der sparsame Wenger ihnen in den letzten Jahren vorenthielt. Es wäre aber auch der Ausverkauf dessen, wofür Arsenal unter Wenger stand - für einen Fußball, der von Ideen lebte, nicht von Investoren. Die Araber sollen auch eine Senkung der Eintrittspreise versprechen, als Bonbon für die Fans, von denen sich zuletzt, nach acht Jahren ohne Titelgewinn, ohnehin schon viele gegen Wenger richteten. Das dürfte nun noch zunehmen, denn nur eins ist noch schlimmer als eine Niederlage im Derby: am Ende hinter Tottenham zu liegen. Derzeit ist Arsenal Fünfter, sieben Punkte hinter dem Nachbarn.

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