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Eichlers Eurogoals : Zlatans Welt

Original und Abbild: Zlatan Ibrahimovic mit seiner Wachsfigur Bild: Reuters

Er erkennt keinen Richter über sein Leben an, als sich selbst. Nun hat Ibrahimovic, der große Ego-Shooter, sogar seine eigene Suchmaschine: Auf zlatan.com wird alles Zlataneske dieser Welt gefunden - und nur das.

          Wer kennt das nicht? Man geht runter in den Keller, um etwas zu holen, findet aber erst mal was ganz anderes, das man eigentlich auch mal wieder gebrauchen könnte, und überhaupt, der Keller müsste eigentlich mal richtig aufgeräumt werden, na egal, und wenn man dann irgendwann wieder oben ist, hat man vergessen, das mitzubringen, was man eigentlich holen wollte. Oder gleich ganz vergessen, was es überhaupt war. Das sind die Momente für einen Seufzer und einen unrealistischen Wunsch: So eine ganz persönliche Suchmaschine, die hätte man jetzt gern. Eine, die sich in unserem Gehirn besser auskennt als wir selber.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Zlatan Ibrahimovic hat jetzt so was. Wenn er mal irgendetwas wissen muss in seinem Zlatan-Universum, etwas, das er gerade vergessen hat oder, weil’s so schön war, noch einmal finden will, dann braucht er dafür nur noch die Adresse www.zlaaatan.com. Der erste Fußballer mit einer eigenen Suchmaschine – oder vielleicht sogar der erste Mensch, der nichts mehr selber suchen muss?

          Ganz so einfach ist es leider auch wieder nicht. Die Meldung von der Zlatan-Suchmaschine ist vor allem der medial  erfolgreiche Gag einer schwedischen Werbeagentur. Was sie da gebastelt hat, angeblich zunächst als Aprilscherz, der allerdings den 1. April schon lang überlebt hat, ist nicht mehr als eine Version von Google, die zu den vom Nutzer eingegebenen Suchbegriffen automatisch das Wort „Zlatan“ addiert. So wird bei der Suche auf zlaaatan.com vollautomatisch nur das Zlataneske der Welt gefunden. Also von allen Ferraris nur der, den Zlatan fährt, von allen Burgern nur der, der Zlatans Namen trägt. Und so weiter. 

          Eins ist gewiss: überragend Fußball spielen kann der Schwede

          Die private Suchmaschine des großen Ego-Shooters hat auch eine News-Abteilung, und die spuckte zuletzt viel Erfreuliches aus. Am vergangenen Mittwoch etwa. Da schoss Ibrahimovic seinen Klub Paris St-Germain mit drei Toren beim 4:1 gegen St-Etienne ins Pokalfinale gegen den Zweitligisten AJ Auxerre. Das brachte ihm doppelte Streicheleinheiten ein. Zum einen eine Trophäe für die 100 Tore, die er nun in seinen knapp drei Jahren bei PSG erzielt hat. Zum anderen das Kompliment des gegnerischen Trainers Christophe Galtier, Ibrahimovic sei „der beste Ausländer, der je in Frankreich gespielt“ habe – was aber nicht so wahnsinnig viel heißt, denn bis die Scheichs aus Qatar ihre Geld-Pipeline nach Paris öffneten, zog es die weltbesten Spieler nie nach Frankreich, nur nach Italien, Spanien oder England.

          Die nächste Zlatan-Show

          Am Samstag dann gab es im anderen französischen Cup-Wettbewerb, dem Ligapokal, die nächste Zlatan-Show. Im Finale im Stade de France in Paris besiegte PSG den früh dezimierten korsischen Außenseiter Bastia 4:0. Diesmal steuerte der 33-jährige Schwede zwei Treffer bei und wahrte seinem Team die Chance auf das „Quadruple“ aus Pokal, Ligapokal, Meisterschaft und etwas, das Ibrahimovic übrigens noch nie gewann, die Champions League.

          Die Heldenverehrung kennt kaum Grenzen: Zlatan-Marken der schwedischen Post

          Dazwischen allerdings, am Donnerstag, waren die News auf zlaaatan.com nicht ganz so erfreulich ausgefallen – da hatte ihn eine Sperre von vier Spielen durch den französischen Fußballverband ereilt. Ibrahimovic, der keine anderen Richter über sein Leben und Tun kennt als sich selber, nannte das „eine Schande für den Fußball“.

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