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Eichlers Eurogoals Die Serientäter Europas

 ·  Bayern-Gegner Marseille verliert zum fünften Mal hintereinander. Beckenbauers Angstgegner Braga ist das formstärkste Team Europas. Messi trifft wie gegen Bayer, und Torres trifft nach mehr als 24 Stunden mal wieder.

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© dapd Seltenes Glücksgefühl: Fernando Torres sammelt das Arbeitsgerät nach seinem Tor ein

Nicht nur italienische, auch andere europäische Ligen könnten so heißen: Serie. Zum Beispiel die Bundesliga. Serie A: 20 Spiele ohne Niederlage von Borussia Dortmund, Vereinsrekord. Serie B: 14 Heimspiele von Hannover 96 ohne Niederlage, Vereinsrekord. Serie C: 16 Spiele des 1. FC Kaiserslautern ohne Sieg, Vereinsrekord eingestellt. Noch nicht ganz so lang, dafür durch Anzahl oder Abfolge der Tore besonders spektakulär sind die letzten Darbietungen zweier anderer Wiederholungstäter, Bayern und Schalke. Kombiniert aus Bundesliga und europäischem Wettbewerb, kamen die Bayern in drei Spielen binnen acht Tagen auf 20 Tore. Und die Schalker innerhalb von vier Tagen auf zwei 4:1-Siege. Das ist nun offenbar ihr neues Lieblingsresultat, zumindest aber das häufigste Schalker Ergebnis im Jahr 2012: gegen Köln vor sieben Wochen, nun gegen Twente Enschede und Kaiserslautern. Dreimal 4:1, und, das ist das eigentlich Verrückte daran, dreimal nach 0:1-Rückstand.

Das Drehen von Spielen, in denen man hinten liegt, ist eine Übung, in der sich wiederum der FC Bayern serienmäßig schwer tut. Nun könnte man zwar entgegnen: Die wahre Kunst besteht darin, erst gar nicht in Rückstand zu geraten, nicht darin, Rückstände wieder gutzumachen. Und rein statistisch sieht es auch nicht so aus, als sollten die Bayern im Viertelfinale der Champions League allzu rückständig dastehen. Ihr Gegner ist ein Serientäter - nicht nach Dortmunder, sondern nach Kaiserslauterer Art. Olympique Marseille erlitt beim 1:2 gegen Aufsteiger Dijon die fünfte Niederlage in Folge und ist nur noch Neunter der französischen Ligue 1.

Malagas Revanche

Doch wenn man kühn schon bis zur nächsten Runde weiterrechnet, zeigt der Vergleich mit dem mutmaßlichen Gegner im Halbfinale, dass die Bayern sich dann wohl nicht auf einer Führung ausruhen könnten. Ganz anders als gegen die Konkurrenz in der Bundesliga, gegen die sie in dieser Saison in 16 von 26 Spielen das 1:0 erzielten - und alle 16 gewannen. Denn Real Madrid hat in der Primera Division schon neun Mal 0:1 in Rückstand gelegen (die Bayern in der Bundesliga: sieben Mal) - und von diesen neun Spielen acht gewonnen (die Bayern: eins).

Ein Spiel gewann Real sogar nach 0:2-Rückstand mit 3:2 in Malaga. Am Sonntag allerdings, beim Gegenbesuch in Madrid, hat sich Malaga revanchiert. Mit einem großartigen Freistoß erzielte Santi Cazorla in der Nachspielzeit das 1:1, das den Tabellenführer nach vielen vergebenen Chancen zwei Punkte kostete. Real konnte es verschmerzen, man hatte von den letzten 22 Spielen 21 gewonnen. Der Vorsprung auf Barcelona beträgt immer noch acht Punkte (Barca gewann 2:0 in Sevilla, wo sich Lionel Messi bei seinem 31. Ligatreffer auch stilistisch als Serientäter betätigte, indem er den Ball wie gleich zweimal gegen Leverkusen über den Torwart lupfte). Und schon vor einer Woche hatte Madrid mit dem zehnten Auswärtssieg in Folge einen neuen Ligarekord aufgestellt.

Vom Torjäger zum Torsucher

Weil Real aber nach zuletzt elf Liga-Siegen hintereinander in der Nachspielzeit patzte, ist nun ein chronisch unterschätztes Team aus dem kleinen Nachbarland der neue Serientäter der Saison. Über ihn sagte Franz Beckenbauer einst, um den Schrecken eines Verpassens der Champions League auszumalen: „Ich möchte nicht wieder nach Braga, zwischen zwei Felsen, wo die Tore stehen. Da gehört der FC Bayern nicht hin.“ Doch vielleicht muss er in der nächsten Saison wieder in das kuriose Stadion reisen, wo hinter dem Tor keine Tribüne, sondern blankes Gestein aufragt – diesmal in der Champions League. Denn das Team aus Portugals Provinz ist derzeit das formstärkste Europas. Seit fast vier Monaten hat Sporting Braga jedes Ligaspiel gewonnen und ist nach zwölf Siegen hintereinander dem Tabellenführer FC Porto bis auf einen Punkt nahegekommen.

Wer taugt sonst zum Wiederholungstäter? Torjäger natürlich. Mancher wäre seine aktuelle Serie gern los, vor allem solche, die nicht nach Toren, sondern Minuten gezählt werden. So wie Fernando Torres, in Liverpool jahrelang der beste Mittelstürmer der Premier League, nach dem Wechsel zum FC Chelsea für 59 Millionen Euro aber wie verwandelt – vom Torjäger zum Torsucher. Es gibt ja den beliebten Fußballspruch: Heute hätten wir den ganzen Tag spielen können und der Ball wäre nicht reingegangen. Torres nahm das zuletzt wörtlich: mit mehr als 24 Stunden ohne Treffer. Nun aber hat der Spanier mit seinen beiden Toren beim 5:2 im Pokal gegen Leicester diese längste Torflaute, die ein Stürmer seiner Klasse je erlebte, nach brutto rund fünf Monaten und netto 1541 Spielminuten beendet. Und damit auch die Frotzeleien, er habe in seinem Leben mehr Tore gegen als für Chelsea erzielt. Gegen Chelsea kam er für Liverpool auf sieben Tore (in acht Spielen). Für Chelsea kommt er nun auch auf sieben (in 56).

„Die 10 gehört Diego“

Besser war es bis zum Wochenende zwei Kollegen in Deutschland und Italien gegangen, die in jedem der letzten sechs Spiele ein Tor erzielt hatten. Der eine war der Ägypter Mohamed Zidan, seit seiner Rückkehr aus Dortmund nach Mainz bei jedem Einsatz erfolgreich – bis er beim 1:2 in Augsburg nicht das Tor traf, nur den Unterleib des Gegenspielers Matthias Ostrzolek, was ihm nachträglich ein paar spielfreie Tage einbringen könnte. Der andere war der Argentinier Ezequiel Lavezzi, der beim SSC Neapel den Klubrekord von Diego Maradona einstellte, dann aber taktvoll genug war, den großen Landsmann nicht mit einem siebten Spiel als Torschütze zu übertreffen. Beim 2:2 in Udine überließ Lavezzi nach 0:2-Rückstand die beiden späten Treffer dem urugayischen Kollegen Edison Cavani. Auch das Angebot, die berühmte 10 auf dem babyblauen Napoli-Trikot zu übernehmen, wies er ab: „Ich bleibe bei der 22 – die 10 gehört auf ewig Diego.“

Damit wären wir abschließend in jenem Land angekommen, das seine Liga tatsächlich Serie nennt. Dort hat Aufsteiger Novara, zum ersten Mal seit 55 Jahren erstklassig, in der vorletzten Woche den neuen Trend zum Trainer-Recycling gesetzt. Knapp zwei Monate nach der Entlassung von Attilio Tesser wurde dessen Nachfolger Emiliano Mondonico entlassen und der zuerst Entlassene wieder eingestellt. Und siehe da, nach zuvor nur einem Sieg in 15 Partien gelangen Novara seit der Rückkehr des Aufstiegstrainers zwei Siege in zwei Spielen. Und das ist für einen Tabellenletzten der Serie A schon eine Serie.

Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause. In Eichlers Eurogoals - die FAZ.NET-Fußball-Kolumne fasst er seine pointierten Betrachtungen zusammen.

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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