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Eichlers Eurogoals : Der gespielte Witz

Definitiv kein Aprilscherz, weil im Juni: Und schließlich war der Ball nicht drin, oder? Bild: Imgur

Aprilscherze im Fußball rächen sich meistens. In den Hauptrollen: Raymond Domenech, Greuther Fürth, Geoff Hurst und Albertas Klimawiszys. Und fast immer dachten die Beteiligten: Wären die Scherze doch besser wahr gewesen.

          Nichts gegen Aprilscherze. Aber versprochen: Wie immer ist auch heute alles in diesen „Eurogoals“ die reine Wahrheit. Zum Beispiel ist es die reine Wahrheit, dass sich Aprilscherze im Fußball meistens rächen. Die lobenswerten Kollegen der Zeitschrift „11freunde“ haben im vergangenen Jahr einige der schönsten Aprilscherze im Fußball zusammengetragen. Wer sie studiert, stellt fest: Fast immer ging die Sache für die Beteiligten auf lange Sicht so aus, dass sie die Scherze wohl besser nie gemacht hätten. Oder noch besser: Die Scherze wären wahr gewesen.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Raymond Domenech zum Beispiel. Am 1. April 2008 teilte er den verdutzten Franzosen mit, ihr Nationalteam werde auf die Teilnahme an der zwei Monate später stattfindenden Europameisterschaft verzichten. Der Grund: um sich „langfristig und gezielt auf die Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika vorzubereiten“. Und das wäre bestimmt besser gewesen.

          Aber natürlich spielten die Franzosen trotz des Aprilscherzes ihres Trainers bei der EM mit, flogen in der Vorrunde raus – und erlebten zwei Jahre später als Vorrundenletzter der WM in Südafrika mit einer offenen Spielerrevolte das größte Debakel ihrer Fußballgeschichte. Für den davongejagten Domenech war es das Ende der Trainerkarriere. Er muss nun humorlose Bücher verfassen wie jenes namens „Tout Seul“ (Ganz allein). In dem schrieb er, dass er seinen Intimfeind Franck Ribéry „gerne aufgehängt hätte“. Kein Scherz.

          Kein Scherz: Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech bei der WM 2010
          Kein Scherz: Frankreichs Nationaltrainer Raymond Domenech bei der WM 2010 : Bild: dpa

          Oder die Spielvereinigung Greuther Fürth. Am 1. April 2010 erklärte der damalige und künftige Zweitligaklub, wegen des zuvor schwachen Besuchs das Heimrecht für das letzte Saisonspiel (gegen St. Pauli) aufzugeben und es lieber auswärts zu bestreiten. Es ist eine Idee, die man sich wohl besser für die aktuelle Saison aufgehoben hätte, in der der Bundesliga-Debütant und Tabellenletzte immer noch auf den ersten Heimsieg wartet.

          Am selben Tag 2010 präsentierte Geoff Hurst, der englische WM-Held von 1966, worauf Fußball-Deutschland 44 Jahre lang hatte warten müssen: „Das Wembleytor war nicht drin. Ich bin glücklich, dass die Menschen nun die Wahrheit wissen“ – eine Wahrheit, die durch einen Videofilm gestützt wurde, in dem Hurst Schuss zum 3:2 der Ball deutlich vor der Linie aufsetzte.

          WM-Achtelfinale 2010: Die Rache für den Aprilscherz zum Wembleytor?
          WM-Achtelfinale 2010: Die Rache für den Aprilscherz zum Wembleytor? : Bild: Getty Images

          Keine drei Monate nach diesem Fake des Boulevardblatts „Sun“ kam die deutsche Revanche im WM-Achtelfinale: Frank Lampards Schuss im WM-Achtelfinale flog, für alle Welt außer dem uruguayischen Linienrichter deutlich sichtbar, hinter Manuel Neuers Torlinie – und England aus dem Turnier. Tore sind eben eine ernste Sache, damit macht man keine Scherze.

          Vor allem, wenn sie fehlen. Am 1. April 2011 beschrieb eine andere englische Boulevardzeitung, der „Mirror“, den Plan von Fernando Torres, seine Torflaute bei Chelsea mit einem spanischen Brauch zu beenden: „Er führt eine Ziege um die Stamford Bridge, dann wird das Tier hinter die Torlinien koten“, und schließlich werde Torres die Ziege „vom Dach der St. Mary’s Church werfen“.

          Was tun gegen die Torflaute? Vielleicht eine Ziege ums Stadion führen ...
          Was tun gegen die Torflaute? Vielleicht eine Ziege ums Stadion führen ... : Bild: AP/dpa

          Was er dann, gewiss aus Tierliebe, doch nicht tat. So blieb es für den 60-Millionen-Euro-Mann bei nur einem Tor in 14 Spielen in seiner ersten Londoner Saison. Genau ein Jahr später titelte dasselbe Blatt, der „Mirror“, nach 188 torlosen Torres-Tagen in seiner Sonntagsausgabe: „Was für ein verrückter Tag – sogar Torres trifft“. Das war am 1. April 2012 – und die reine Wahrheit.

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