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Eichlers Eurogoals Auf der Flucht geschossen

Fußball kann so schön sein. Leider auch so hässlich. Wir erleben derzeit nicht nur einen fußballerischen Niveaugewinn wie kaum je zuvor. Sondern auch einen furchtbaren Niveauverlust. Zum Beispiel in Wien, Sheffield, Livorno, Krusevac, Nikosia, Moskau.

© dapd Vergrößern Danny Rose (rechts) wird in Serbien rassistisch beleidigt - und vom Schiedsrichter als einziger bestraft

Der Fußball meint es gut mit seinen Fans. Dabei hat es vor nicht mal zehn Jahren gar nicht danach ausgesehen. Den europäischen Fußball dominierten destruktiv geprägte Teams. Es gab das ödeste Finale in zwanzig Jahren Champions League, Milan gegen Juventus.

Die Betonmischer aus Griechenland und Italien wurden Welt- und Europameister. Und der Erfinder des modernen Offensivfußballs, Rinus Michels, beklagte kurz vor seinem Tod das Ende des schönen Spiels, weil die Perfektion der Defensivsysteme den Raum für menschliche Kreativität am Ball zerstört habe.

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So beschlich manchen Liebhaber des Spiels damals die Melancholie einer nachlassenden Leidenschaft – die inzwischen wieder zu einer nachwachsenden Leidenschaft geworden ist. Denn Michels hat sich getäuscht.

In Barcelona wurde eine neue Art des Fußballs erfunden, der aufregendste Defensivfußball aller Zeiten, Verteidigung als Angriff. Wer sich diesem Trend verschloss, wurde abgehängt, also kopieren ihn immer mehr. Das Resultat: faszinierender Fußball, wohin man blickt.

Moderner, aber eher unitalienischer Stil

So erlebt man derzeit die spielstärksten Bayern, an die man sich erinnern kann. Die Dortmunder, die sie in ihren beiden Meisterspielzeiten dazu getrieben haben, hängen in der Liga ein wenig durch, haben dafür erstmals in der Klopp-Ära international begeistert, beim 1:1 bei Manchester City.

In Italien ist Juventus Turin mit einem modernen, eher unitalienischen Stil seit 47 Serie-A-Spielen unbesiegt, zuletzt mit einem 2:0 im Spitzenspiel gegen Neapel. In England dominiert der FC Chelsea, in der letzten Champions-League-Saison noch mit Verhinderungsfußball gegen Barca und Bayern durchgekommen, nun mit der Brillanz eines Mata oder Hazard.

Lionel Messi (rechts) erzielt schon seinen 21. Hattrick für Barcelona © REUTERS Vergrößern Lionel Messi (rechts) erzielt schon seinen 21. Hattrick für Barcelona

Und in Spanien darf man Woche für Woche den vielleicht besten Spieler der Geschichte erleben. Zumindest dürfte er das werden, wenn er in demselben Tempo weitermacht wie bisher. Am Samstag hat Lionel Messi mit 24 Jahren seinen 21. Hattrick für Barcelona erzielt – beim 5:4-Sieg in La Coruna.

Daneben besitzt die spanische Liga zwei weitere Angreifer, die dem 50-Tore-Mann der letzten Saison als Torjäger nicht viel nachstehen. Auch Cristiano Ronaldo traf beim 2:0 von Real Madrid gegen Celta da Vigo, und Radamel Falcao zirkelte in der Schlussminute den Freistoß zum 1:0-Sieg von Atletico Madrid in San Sebastian in den Winkel – womit Atletico weiter punktgleich mit Barca auf Platz zwei steht. Zusammen haben Messi, Ronaldo und Falcao in acht Saisonspielen 29 Tore erzielt.

Von Begeisterung bis Bestürzung

Sogar das deutsche Nationalteam spielt den wohl aufregendsten Fußball seiner Geschichte, sieht man von dem legendären 1972er-Team ab. Während dieses aber nur einen Sommer lang tanzte (in den fünf Partien vom 3:1 in England bis zum 5:1 gegen die Schweiz), bietet die aktuelle Mannschaft ihrem Publikum schon seit Jahren ein spielerisches Verwöhnprogramm. Daran ändert auch das verrückte 4:4 gegen Schweden nichts, im Gegenteil.

Wie oft kann man schon ein Unterhaltungsprogramm mit solch einer Bandbreite von Begeisterung bis Bestürzung erleben? In den 856 deutschen Länderspielen zuvor hatte es das noch nie gegeben, den Verlust einer Viertore-Führung. In 14.999 Bundesligaspielen bis letzten Dienstag nur ein einziges Mal, beim 5:6 des VfL Bochum 1976 gegen die Bayern (Siegtor: Hoeneß, 90.).

Auch Cristiano Ronaldo war mal wieder für Real Madrid erfolgreich © AFP Vergrößern Auch Cristiano Ronaldo war mal wieder für Real Madrid erfolgreich

Und nur einmal seit Menschengedenken in einem großen internationalen Turnier, beim Afrika-Cup 2010. Dort schaffte es der angolanische Torhüter bei 4:0-Führung gegen Mali eine Viertelstunde vor Ende, sich von einem flach getretenen Eckball tunneln zu lassen. Der Rest war unbeschreiblich verrückt, Endstand 4:4.

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