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Eichlers Eurogoals Ansichtskarten der Altstars

 ·  Eine Abwechslung tut immer gut: Pep Guardiola genießt aus New York das Leiden eines alten Rivalen. Clarence Seedorf hat in Botafogo wieder Lust am Laufen. Und Lukas Podolski kann frohgemut tröstende Worte gen Köln schicken.

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© REUTERS Vergrößern Auf der Suche nach einem Team und dem Erfolg: José Mourinho und Real Madrid sind in der Krise

Der Sommer geht, die Champions League kommt. Einige werden fehlen. In diesen Tagen hört und liest man Nachrichten von großen Spielern und Trainern, die einst kleine Könige der Königsklasse waren und nun auf anderen Kontinenten das Leben genießen. Es sind Nachrichten, die sich wie schöne, bunte Ansichtskarten lesen, aus New York, aus Sydney, aus Shanghai oder Rio.

So gönnt sich Pep Guardiola nach vier Jahren als Trainer des besten Teams der Welt eine zwölfmonatige Auszeit. Und gibt es, wenn man nichts von Fußball hören will, einen besseren Ort als New York? Allerdings ist es kaum vorstellbar, dass Guardiola in seinem so karg wie luxuriös möblierten Apartment in der Upper West Side auf dem edlen Ledersofa im Fernsehzimmer nur den grünen Central Park vor dem Fenster betrachtet. Zumindest ein Auge wird er am Samstag wohl parat gehabt haben für das Elend des alten Rivalen José Mourinho, der da per Satellit aus Spanien den bemerkenswerten Satz sagte: „Ich bin besorgt, dass ich im Augenblick kein Team habe.“

Guardiola hat im Augenblick auch keins, für ihn aber ist es kein Problem, im Gegenteil. Nachfolger Tito Vilanova bringt es mit Barca derzeit auf die perfekte Bilanz von vier Siegen aus vier Spielen und wagte es nun sogar, Lionel Messi zum ersten Mal seit über einem Jahr zunächst auf der Bank zu lassen (der kam dann später und schoss zwei Tore zum 4:1 in Getafe).

Mourinho hätte gern siebenmal ausgewechselt

Weil Real Madrid schon zum zweiten Mal verlor, 0:1 in Sevilla durch ein Tor des Deutschen Pjotr Trochowski, und damit bereits acht Punkte hinter dem großen Rivalen liegt, klang nach dem torlosen Torjäger Cristiano Ronaldo der ratlose Trainer Mourinho ganz traurig: „Eine schreckliche Leistung. Nur zwei oder drei Spieler waren mit ihrem Kopf bei der Sache. Nur wenige meiner Spieler glauben, dass Fußball das Wichtigste in ihrem Leben ist.“

In der Pause wechselte er zwei Spieler aus, darunter den schwachen Özil, „am liebsten hätte ich sieben ausgewechselt.“ Vielleicht sogar sich selber? Am besten schreibt ihm Guardiola mal eine Postkarte aus New York mit den Worten, dass eine Auszeit der Seele gut tut.

Seedorf läuft wieder

Oder wenigstens eine Abwechslung. Das wäre die Botschaft auf der Karte aus Rio. Dort hat Clarence Seedorf im 21. Profijahr neuen Spaß am Fußball gefunden. Was Mourinho als Trainer noch werden will, der erste, der mit drei Klubs die Champions League gewinnt, hat Seedorf als einziger Spieler längst geschafft.

Bei Botafogo, einem Klub aus dem Mittelfeld der brasilianischen Liga, demonstriert der Holländer, den Louis van Gaal einst mit 16 in die erste Mannschaft von Ajax holte, mit 36 neue Jugendlichkeit. In zehn Jahren beim Altherrenklub AC Mailand schien auch Seedorf ein wenig behäbig geworden zu sein - so wie die anderen Jungsenioren, die Mailand in diesem Sommer unter Tränen verließen: wie Gattuso (Gnadenbrot in der Schweiz), Nesta (Auslaufen in Kanada), van Bommel (Vorruhestand in Holland). Oder Pippo Inzaghi, der nun als Jugendtrainer den 16-Jährigen von Milan die alte, aussterbende Kunst beibringt, wie man Torjäger wird, ohne zu laufen.

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Christian Eichler ist auf den Fußballfeldern Europas zuhause. In Eichlers Eurogoals - die FAZ.NET-Fußball-Kolumne fasst er seine pointierten Betrachtungen zusammen.

Quelle: FAZ.NET
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