Home
http://www.faz.net/-gu2-6yw03
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Eichlers Eurogoals 0:1, 1:1, 1:2, 2:2, 3:2, 4:2, 4:3, 4:4, 4:5, 5:5

Tor-Spektakel statt Doppel-Null: Beim 4:4 zwischen Dortmund und Stuttgart beweist die Bundesliga ihren Ergebniswert. Es geht aber noch spektakulärer. Dann muss auch ein 5:5 nicht der Gipfel des Fußball-Wahnsinns sein.

© picture-alliance/ dpa Vergrößern So viele Bälle landen nur selten im Netz - und meistens da, wo man selbst nicht zuschaut

Der schönste Appetitanreger im Fußball sind Zahlenfolgen. Leider sind es immer nachträgliche Appetitanreger. Denn vorher kennt ja keiner die Zahlen, die ein Fußballspiel serviert. Und ob es überhaupt richtige Zahlen bieten wird oder nur eine Doppel-Null wie auf der Stadion-Toilette.

Nur selten, aber dann umso spektakulärer und garantiert immer da, wo man gerade nicht ist, fabriziert der Fußball unerwartet diese Ergebnisse und Torfolgen, diese Zahlen, die die schadenfrohe Botschaft übermitteln: Wärst du doch da gewesen.

Mehr zum Thema

Ein 1:0 oder 1:1 schafft das nicht. Solche Sparresultate bieten kaum Stoff für die Phantasieproduktion. Ein 3:2 hat schon deutlich mehr Potential, hängt aber von seinem Erzähl- und Erlebniswert immer noch von der Chronologie der Treffer ab. Ein 3:2 nach 3:0-Führung klingt nicht sehr prickelnd, ein 3:2 nach 0:2-Rückstand schon. Ein 4:4 aber ist immer eine Geschichte, so oder so. Denn jede der möglichen Wendungen, die diesem Resultat innewohnen, entspricht denen eines gelungenen Filmdrehbuchs.

Und das erzeugt einen Spannungsbogen, dem man sich auch Tage nach dem Freitagabendkrimi nicht entziehen kann. Stand nach 70 Minuten: 2:0. Nach 80 Minuten: 2:3. Nach 90 Minuten: 4:3. Bei Abpfiff: 4:4. Spiele wie das zwischen Dortmund und Stuttgart machen Ergebnisse, an die man sich länger erinnert als an manchen Pokalsieger oder vielleicht sogar Meister.

„Wir schicken die Punkte künftig per Post“

Der Erlebniswert der Bundesliga ist schon lange wieder international erstklassig, jetzt also auch: der Ergebniswert. Da war in den letzten Jahrzehnten ein bisschen viel Vernunft in die Ergebnisverwaltung eingezogen, jedenfalls im Vergleich zu den lustigen 70er Jahren, als Bayern München mal nach 4:1-Führung 4:7 in Kaiserslautern verlor und Paul Breitner ankündigte: „Wir schicken die Punkte künftig per Post.“

Oder dann in Bochum 0:4 zurücklag und durch Uli Hoeneß in der 90. Minute noch 6:5 gewann. Die Münchner Nachfahren von Breitner und Hoeneß dagegen gewinnen in dieser Saison alle Spiele, in denen sie einmal in Führung gegangen sind, aber praktisch auch nur die. Da sind die Dortmunder zahlenmäßig schon unterhaltsamer. Das Achttore-Spektakel gegen Stuttgart war schon das vierte Saisonspiel, das sie nach Führung nicht gewannen.

Eine Liga mit Erlebnis- und Ergebniswert: Dortmund und Stuttgart spielen 4:4 © dapd Vergrößern Eine Liga mit Erlebnis- und Ergebniswert: Dortmund und Stuttgart spielen 4:4

Endlich mal ein deutsches 4:4. Der Trend zu diesem hübschen Ergebnis kam von jenem Fußballkontinent, auf dem man es lange Zeit zum Glück nicht so genau nahm mit dem humorlosen Defensivspiel. Als sich die besten Mannschaften jenes Kontinents 1998 zum Afrika-Cup in Burkina Faso trafen, gab es ein unvergessliches Halbfinale, in dem der Gastgeber nach 86 Minuten mit 4:1 gegen den Kongo führte – ehe er dann noch drei Gegentore in der regulären Spielzeit kassierte und das Spiel im Elfmeterschießen verlor.

Der Gastgeber beim Afrika-Cup 2010 toppte das noch, denn Angola lag eine Viertelstunde vor Ende 4:0 gegen Mali vorn. Dann schaffte es der angolanische Torhüter, sich von einem flach getretenen Eckball tunneln zu lassen, und der Rest war unbeschreiblich verrückt. Endstand 4:4.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Wissen fürs WM-Finale Klose ist so gut wie ganz Argentinien!

Sie sind kein Fußballfan? Sie haben die WM bis jetzt kaum verfolgt? Kein Problem. FAZ.NET gibt Tipps, mit welchem Wissen Sie beim WM-Finale am Sonntag trotzdem beeindrucken können. Mehr

12.07.2014, 12:28 Uhr | Sport
Toni Kroos Der erste Weltmeister aus dem Osten

Toni Kroos schreibt im packenden Showdown von Rio de Janeiro Fußball-Geschichte auf ganz eigene Art. Er ist der erste Weltmeister aus den neuen Bundesländern. Mehr

14.07.2014, 08:02 Uhr | Sport
WM-Nachlese Rodríguez schießt schönstes WM-Tor

Der Kolumbianer James Rodríguez ist nicht nur Torschützenkönig der WM, sein Treffer gegen Uruguay war auch das schönste Tor. Nun steht sein Wechsel zu Real bevor. Mehr

21.07.2014, 15:19 Uhr | Sport
Ergebnisse, Tabellen und Statistik