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Neuer Spanien-Trainer : „Luis Enrique ist die Idealbesetzung“

  • Aktualisiert am

Luis Enrique: Der ehemalige Coach des FC Barcelona wir neuer spanischer Nationaltrainer. Bild: AFP

Der Neunanfang beim Weltmeister von 2010 beginnt: Nach dem WM-Aus im Achtelfinale gegen Russland und der Trennung von Interimstrainer Hierro übernimmt nun Enrique das spanische Team. Dessen Ziel ist klar.

          Luis Enrique, der frühere Coach des FC Barcelona wurde vom spanischen Fußball-Verband RFEF am Montag zum neuen Nationaltrainer des Weltmeisters von 2010 bestimmt. Enrique, bis 2017 bei den Katalanen tätig, erhält einen Zweijahresvertrag.

          Unter Vorgänger Fernando Hierro, der als Interims-Lösung kurz vor WM-Beginn für den gefeuerten Julen Lopetegui eingesprungen war, scheiterte die Furia Roja im WM-Achtelfinale im Elfmeterschießen an Ausrichter Russland. Einstimmig habe sich das Präsidium für den 48 Jahre alten ehemaligen Nationalspieler entschieden, sagte Verbands-Präsident Luis Rubiales: „Luis Enrique ist die Idealbesetzung“. In der kommenden Woche soll er vorgestellt werden.

          Wie Rubiales ferner enthüllte, wird der Vertrag mit Enrique eine Ablöseklausel enthalten, damit sich die „Affäre Lopetegui“ nicht wiederholt. Nur drei Tage vor dem ersten WM-Spiel Spaniens hatte Real Madrid zur Überraschung (fast) aller die Verpflichtung von Lopetegui für die nächste Saison bekanntgegeben. Darauf setzte der sichtlich verärgerte Rubiales den 51 Jahre alten Trainer Coach kurzerhand vor die Tür. Die Höhe der Ablösesumme für Enrique wurde nicht genannt.

          Fussball-WM 2018

          Unter den drei verbliebenen Kandidaten des Verbandes war er der prominenteste Name gewesen. Enrique hatte die Katalanen als Nachfolger von Pep Guardiola in drei Jahren zu neun Titeln, darunter zwei spanische Meisterschaften und einen Champions-League-Triumph geführt. Er gilt als treuer Schüler der Fußballdoktrin Guardiolas: Ballbesitz-Fußball, viel Pressing und schnelles Umschaltspiel.

          Seit einem Jahr war der 62-malige Nationalspieler ohne Job und hatte sein Interesse schon lange hinterlegt. Durch sein Charisma und seine großen Erfolge als Spieler und Trainer genießt er bei den spanischen Stars um Kapitän Sergio Ramos viel Respekt. Seine größte Aufgabe: Er muss die Asse des Teams aus Barcelona und von Champions-League-Sieger Real Madrid im Nationaldress vereinen.

          Im Frühjahr 2017 hatte Enrique seinen Abschied von den Katalanen verkündet. „Ich verlasse Barca mit einer unglaublichen Verbindung zum Verein, zu den Spielern“, sagte er damals, „ich bin müde und brauche Erholung, sonst nichts. Wo sollte ich auch sonst hingehen, wo es besser wäre als hier.“ Ein gutes Jahr später wird er nun Nationaltrainer Spaniens.

          Man darf gespannt sein, ob Enrique auch personell eine Zäsur bei den erfolgsverwöhnten Spaniern einläutet. Die Auftritte in Russland ließen nach dem guten Auftakt gegen Portugal (3:3), als die Furia Roja Nehmerqualitäten bewies und einen 0:1- bzw. 1:2-Rückstand gegen den Europameister um Cristiano Ronaldo in einen 3:2-Vorsprung verwandelte, zu wünschen übrig. Es wurde während der Endrunde offensichtlich, dass die große Ära – vor allem verknüpft mit dem Namen Andres Iniesta – vorbei ist. Der Mittelfeldstar wird Teamkollege von Weltmeister Lukas Podolski bei Vissel Kobe.

          Kurz vor der Verpflichtung von Enrique hatte der Verband den früheren Nationaltorwart Jose Francisco Molina zum neuen Sportdirektor ernannt. Der 48-Jährige tritt damit die Nachfolge von Hierro an, der am Sonntag nach seinem erfolglosen WM-Intermezzo als Nationalcoach komplett Abschied vom Verband genommen hatte.

          Molina war zuletzt seit 2014 als Coach von Kitchee FC in Hongkong tätig. Zwischen 1996 und 2000 bestritt er neun Länderspiele für Spanien. In dieser Zeitspanne gehörte der ehemalige Keeper des FC Villarreal, Albacete Balompie, Atletico Madrid, Deportivo La Coruna und UD Levante auch zu Spaniens Aufgeboten für WM 1998 sowie für die EM-Endrunden 1996 und 2000.

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