14.02.2012 · Nach dem späten 1:1-Ausgleich der Düsseldorfer im Spitzenspiel gegen Eintracht Frankfurt entladen sich auf dem Spielfeld tagelang geschürte Emotionen. Im Mittelpunkt der Diskussionen steht der Schiedsrichter und Sascha Rösler.
Von Alex Westhoff, DüsseldorfRanisav Jovanovic war der Erste. Der Erste, der Schiedsrichter-Assistent Jan Hendrik Salver im Sauseschritt erreichte. Der Fortuna-Stürmer brüstete sich später ein bisschen damit, dass seine Überzeugungsarbeit von Angesicht zu Angesicht den Düsseldorfern angeblich die Tabellenführung in der Zweiten Fußball-Bundesliga erhielt. Nur Augenblicke später bekam Jovanovic freilich lautstarke Unterstützung von Mitspielern, die ebenfalls das Gespräch mit Salver suchten. „Das war ein richtiges Charakterding vom Linienrichter“, sagte Jovanovic anerkennend.
Der an sich gängige Vorgang, dass Spieler in der Nachspielzeit nach einer strittigen Strafraumszene ihre Sichtweise den Spielleitern mitteilen, wurde später von den Verantwortlichen von Eintracht Frankfurt als „Methode Fortuna“ geschmäht. Es entbehrte am Montagabend nicht der Ironie, dass die Fortunen im Spitzenspiel in der 90.Minute einen Elfmeter zugesprochen bekamen, den Kapitän Jens Langeneke zum 1:1-Endstand verwandelte. Benny Köhler hatte die Hessen in der 69. Minute in Führung geschossen.
Es war in dieser Saison Fortunas elfter Elfer. Doch bei der Eintracht hatte da der Spaß schon lange aufgehört. Im achttägigen verbalen Vorgeplänkel auf das Spiel aus Rede und Gegenrede hatte der Frankfurter Trainer Armin Veh die in seinen Augen unverhältnismäßig hohe Zahl an Elfmetern für Fortuna moniert, den Düsseldorfer Spielern „Fallsucht“ unterstellt und deren ständige versuchte Einflussnahme auf das Schiedsrichtergespann beklagt. Zudem gehe ihm der auf dauerndes Provozieren geeichte Fortuna-Angreifer Sascha Rösler „auf den Keks“.
Aus Vehs Sicht wurden im Spiel dann alle drei Befürchtungen erfüllt: Erstens der Elfmeter in letzter Sekunde. Zweitens das intensive Lamento der Fortunen und dessen Folgen - Schiedsrichter Brych hatte nach dem Duell zwischen Furuholm und dem Frankfurter Anderson zunächst weiterspielen, sich dann aber nach langem Zögern von seinem Assistenten überstimmen lassen. Und drittens nutzte Rösler das glückliche Finish der Rheinländer zu einer provozierend-theatralischen Jubelarie vor der Eintracht-Bank, worüber sich Veh so echauffierte, das er des Stadioninnenraums verwiesen wurde.
Er tauchte dann auch zur Pressekonferenz nicht mehr auf. In den durch Röslers Aktion - für die er Gelb-Rot sah - ausgelösten Tumulten am Spielfeldrand fand sich sogar der beinahe siebzigjährige Wolf Werner wieder. Er sei aber weder „geschubst noch geschlagen“ worden, sagte der Fortuna-Manager erleichtert.
Da hatte nach den Handgreiflichkeiten als vorletztem Akt eines aufgeheizten Spiels schon der Kampf um die Meinungsmacht begonnen. Dabei hatten zunächst nur die Frankfurter Fan-Feuerwerker mit dem Abbrennen diverser pyrotechnischer Erzeugnisse Zündstoff mit in die Arena gebracht. Der Pulverdampf verzog sich langsam, und es folgte ein weitgehend zähes Spiel zweier im direkten Duell spielerisch mittelloser Teams - bis zur Entladung der Emotionen in der Nachspielzeit.
Eintracht-Chef Heribert Bruchhagen knöpfte sich entrüstet den Düsseldorfer Trainer Norbert Meier vor: „Schauen Sie sich den Herrn Meier an, permanent den Arm hebend. Herzlichen Glückwunsch! Der Schiedsrichter hat Elfmeter gepfiffen, weil der Linienrichter erheblichst unter Druck stand.“ Der Frankfurter Sportdirektor Bruno Hübner sprach in den Katakomben der Arena in Anbetracht des verbauten Sprungs an die Tabellenspitze immer noch in fortissimo: „In Düsseldorf sollten sich mal alle hinterfragen.“ Gemeint war vor allem Rösler. Veh brach sein Schweigen nach dem Training am Dienstag, dafür umso deutlicher: Er nannte Rösler „eine Schande für den deutschen Fußball. Ich fühle mich von ihm betrogen.“
Werner spricht von Hexenjagd
Wolf Werner konterte, indem er die Frankfurter einer von Veh angezettelten „Hexenjagd auf Sascha Rösler“ bezichtigte. „Ich kann mir nur an den Kopf fassen, wenn ein Trainer sich so aufführt. Wir müssen uns nicht beleidigen lassen.“ Schiedsrichter Brych habe laut Werner eine „Bombenleistung“ geboten. Der 36 Jahre alte Referee wird jedenfalls mit einem mulmigen Gefühl auf seine vergangene Arbeitswoche blicken. Im Pokalspiel in Berlin fiel er auf die Schauspieleinlage des Gladbachers de Camargo herein, in Düsseldorf in der zweiten Liga eingesetzt, trat er wiederum dramaturgisch effektvoll ins Zentrum des Geschehens im nun umso spannenderen Aufstiegskampf. 90 Minuten lang hatte Brych das Spiel unaufgeregt und gut im Griff gehabt wie ein Bandarbeiter im dreißigsten Betriebsjahr.
Das Lob der Düsseldorfer war seinem Gespann jedenfalls gewiss, sowie der Ärger der Hessen, die sich um einen Sieg geprellt fühlten. Der Linienrichter könne die Szene von seiner Position aus am besten sehen, behauptete der Düsseldorfer Trainer Meier. Der Frankfurter Mittelfeldspieler Meier schüttelte dagegen nur mit dem Kopf: „Wahnsinn!“ Das könne der aus 30 Metern Entfernung da draußen doch gar nicht sehen. Linienrichter-Flüsterer Jovanovic hielt am Ende nur noch fest: „Bei Armin Veh ging’s los, bei Sascha Rösler hörte es auf.“
Kicker-Online veröffentlicht die Spielanalyse
Markus Meier (tabia)
- 16.02.2012, 15:58 Uhr
Vergleiche, die zum Himmel schreien
Werner Holt (manudave)
- 16.02.2012, 09:21 Uhr
Etwas unverständlich
Thomas Seifert (Thomas_Seifert)
- 15.02.2012, 18:51 Uhr
Fussball ist schön
Christoph Höning (SdZeus)
- 15.02.2012, 16:51 Uhr
Heuchler aus Frankfurt
Uwe Leopold (leouwe)
- 15.02.2012, 15:30 Uhr
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |