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Kommentar zur WM-2006-Affäre : Lassen Sie Ihr Amt ruhen, Herr Niersbach!

Viele Fragen, keine Antworten: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach. Bild: dpa

Ein Ende der Affäre um die Vergabe der WM 2006 ist nicht absehbar. Mit jedem Tag wächst der Druck auf Wolfgang Niersbach. Der DFB-Präsident sollte besser dringende Fragen beantworten. Und so lange sein Amt ruhenlassen.

          Wer wie DFB-Präsident Wolfgang Niersbach in einer so schwierigen Lage die Muße hat, ins Museum zu gehen, will Gelassenheit demonstrieren. Oder sich ablenken mit einer Zeitreise fort aus der bitteren Realität in die traumhafte Vergangenheit. Es war doch so schön 2006.

          Das war es. Umso wichtiger ist es, jeden Zweifel an einem lauteren Sieg im Kampf um die Ausrichtung der für das Nationalgefühl der Deutschen so wichtigen Fußball-Weltmeisterschaft sofort zu zerstreuen. Dabei ist es wenig hilfreich, mantrahaft die Existenz einer „schwarzen Kasse“ und einen Stimmenkauf vor der Wahl durch die Exekutive des Fußball-Weltverbandes im Juli 2000 zu dementieren, während gleichzeitig wichtige Fragen unbeantwortet bleiben.

          Wo kamen die (umgerechnet) 6,7 Millionen Euro her, die der DFB im Frühjahr 2005 an die Fifa angeblich für ein Kulturprojekt während der WM überwies? Sind sie vom damaligen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus überwiesen worden? Und warum ist die Summe – das Programm fiel aus – nicht zurückgefordert worden? Weil es Dreyfus erreichte und ihm zustand?

          Es gibt viele Fragen zu dieser dubiosen Zahlung. Aber bislang keine einzige Antwort. Der DFB schweigt dazu. Obwohl Niersbach monatelang, wie er behauptet, in den eigenen Reihen danach forschen ließ. Trotzdem liegen (noch) keine Ergebnisse vor. Es müsste aber doch simpel sein, nach einer intensiven Beschäftigung mit dem Fall die Herkunft des Geldes zu erklären, den Absender Louis-Dreyfus so „kategorisch“ auszuschließen, wie Niersbach „schwarze Kassen“ und „Stimmenkauf“ als Phantasie verkauft.

          DFB-Präsident Niersbach : Es gab keine schwarzen Kassen

          Es sei denn, es hat gar keine so intensiven Untersuchungen gegeben wie dargestellt. Dann ließe sich erklären, warum die Affäre Dreyfus seit Tagen schwelt, warum Niersbach nicht bereit ist, ein schnelles Ende vorherzusagen. Die Erklärung macht offenbar sehr viel Arbeit, sie kostet viel Energie und das Ende der Affäre ist nicht absehbar. Niersbach verweigert eine Prognose.

          Mit jedem Tag wird der Druck wachsen. Niersbach muss sich darauf einstellen, von allen Seiten befragt, beurteilt und damit in der Ausübung seines Amtes behindert zu werden; etwa durch die Ethik-Kommission des Internationalen Fußball-Verbandes, die Schweizer Bundesanwaltschaft oder die eifrigen amerikanischen Staatsanwälte.

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          Dafür kann der Präsident des größten Fußball-Verbandes der Welt keine Zeit haben. Denn sein Posten ist ein Fulltime-Job. Heute im Museum, morgen in der Fifa-Exekutive, die, wegen der Korruptionsaffären halbwegs enthauptet, um ihre Glaubwürdigkeit kämpft. Niersbach sollte besser dringende Fragen beantworten. Und so lange sein Amt ruhenlassen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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          Quelle: F.A.Z.

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