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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Drohungen in Magdeburg „Wir kommen und packen dich"

 ·  Drohungen statt Pizzaservice: Vermummte attackieren den Magdeburger Mittelfeldspieler Daniel Bauer an seiner Haustür. Die Gewalt im deutschen Fußball hat eine neue Stufe erreicht.

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© dapd Daniel Bauer am Ende seines Magdeburger Engagements

Wie am Sonntag bekannt wurde, ist am vergangenen Donnerstag der Mittelfeldspieler des Regionalligaklubs 1. FC Magdeburg, Daniel Bauer, vor seiner Wohnungstür von einer Gruppe vermummter Personen massiv bedroht worden. "Wir wissen jetzt wo du wohnst, wenn ihr auch am Sonntag gegen Halle nicht gewinnt, kommen wir und packen dich." Mit diesen Worten sei sein Klient Bauer angegangen worden, sagte dessen Berater Henry Hennig am Montag der F.A.Z. "Daniel ist über die Sprechanlage mit dem Hinweis "Pizzaservice" vor die Tür gelockt worden", so der Berliner Spielerberater weiter. Sein Spieler habe verhindern können, dass die Gruppe in die Wohnung eindrang.

Bauer beschrieb die Gruppe etwa zehn Mann stark, die Gesichter mit blau-weißen Sturmmasken verborgen. Blau und weiß sind die Vereinsfarben des 1. FC Magdeburg. Der 29 Jahre alte gebürtige Rheinländer fürchtet seitdem um seine Sicherheit. Bauer rief noch am selben Abend seinen Berater an. "Er war völlig durch den Wind, konnte kaum einen Satz geradeaus sprechen." Hennig informierte die Vereinsleitung. In Absprache mit dem Sportdirektor Detlef Ullrich hat Bauer Magdeburg verlassen und hält sich in seinem Elternhaus in Andernach auf.

In den Niederungen der Amateurklassen

Zwei Monate zuvor hatte er per SMS und Email bereits Morddrohungen erhalten. Seit Monaten ist das Verhältnis der Magdeburger Fans zu den Spielern der Regionalligamannschaft vergiftet. Der Traditionsklub, der in DDR-Zeiten regelmäßig an Europapokal-Wettbewerben teilnahm, dümpelt seit Jahren in den Niederungen der Amateurklassen. Auch in dieser Saison blieb der Viertligaklub weit hinter den Erwartungen zurück und belegt mit nur einem Sieg aus elf Spielen den 16. Tabellenplatz.

Dabei sind die Rahmenbedingungen in der Landeshauptstadt mit einem neuen Stadion, das Ende 2006 fertiggestellt wurde, vergleichsweise gut. Eine Gruppe innerhalb der Magdeburger Fanszene hat offenbar die Geduld verloren. Seit Monaten wendet sie sich aggressiv gegen die eigene Mannschaft. Vor zwei Wochen schrieben die Fans einen Offenen Brief, in dem sie die sportliche Misere anprangerten, die Vereinsführung kritisierten und die Ablösung des damaligen Trainers Sandhowe forderten. "Die Zeit der Nibelungentreue ist vorbei!", hieß es.

Wenige Tage später nach dem 0:0 in Überzahl gegen die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg kam es zu einem Eklat, als die Mannschaft sich von etwa 800 mitgereisten Anhängern im Fanblock verabschieden wollte. Die Fans jagten die "Versager" mit Beschimpfungen und Pfiffen in die Kabine. Daniel Bauer, damals noch Mannschaftskapitän, reagierte zu jenem Zeitpunkt ausweichend gegenüber der Zeitung "Magdeburger Volksstimme": "Ich möchte diese Szenen nicht kommentieren, stattdessen mit unserer Leistung abrechnen. Wir waren ein Mann mehr auf dem Feld. Mit dem 0:0 kann ich leben. Mit unserer Leistung nicht."

Strafanzeige gegen unbekannt

Dieser Kommentar, so beschwichtigend wie die Erwiderung des Vereins auf den Offenen Brief, steht im Gegensatz zu den früheren Äußerungen Bauers gegenüber den Fans. Sein Berater Hennig berichtet, dass sein Klient in Interviews immer wieder auf die destruktive Kritik durch die Magdeburger Anhänger hingewiesen habe. Er vermutet, dass Bauer deshalb für die Drohaktion ausgesucht worden sei.

Laut Hennig hat der Spieler keine Strafanzeige gestellt. Kontakt zur Polizei habe Bauer jedoch bereits vor zwei Wochen nach der schriftlichen Morddrohung gehabt: "Sie sagte damals, sie könnte nichts tun. Daniel hatte am Donnerstag keinen Nerv gehabt, nochmal zur Polizei zu gehen", berichtete Hennig.

Dafür soll der 1. FC Magdeburg noch am Freitagmorgen Strafanzeige gegen unbekannt gestellt haben. Gegenüber der Öffentlichkeit wurde der Fall verschwiegen, Bauer sei wegen familiärer Schwierigkeiten nicht im Aufgebot gegen Halle. Vor dem Duell mit den alten Rivalen sollte nicht für noch mehr Unruhe gesorgt werden, nachdem wenige Tage zuvor Trainer Sandhowe durch den Assistenten Thielemann abgelöst worden war. Der wiederum berief in einer seiner ersten Amtshandlungen Daniel Bauer als Mannschaftskapitän ab und ersetzte ihn durch den jungen Abwehrspieler Peter Hackenberg.

Daraufhin trat der vierköpfige Mannschaftsrat geschlossen zurück. Weder der Trainerwechsel noch Bauers Ablösung als Kapitän habe etwas mit dem Druck durch die Fans zu tun, gab die Magdeburger Vereinsführung an. Das Spiel gegen Halle endete übrigens 0:0. Bauer wird auch im Landespokalspiel am kommenden Mittwoch bei der SG Union Sandersdorf fehlen. "Er kann jetzt auf gar keinen Fall nach Magdeburg zurück", sagte Hennig. Er wolle nun Gespräche mit den Klubverantwortlichen über eine mögliche Vertragsauflösung aufnehmen. Von Vereinsseite ist Bauer vorerst freigestellt.

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