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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Dortmund vor dem Finale Schwarz-Gelb

Der BVB ist der einzige börsennotierte Klub der Bundesliga. Trotzdem bewahrt er sich das Image, nicht ein Verein des Geldes, sondern der einfachen Leute und der Leidenschaft zu sein. Das liegt an Jürgen Klopp. Aber auch daran, dass Dortmund nichts anderes mehr hat.

© AFP Die grenzenlose Begeisterung in Dortmund ist eng mit Jürgen Klopp verknüpft

Böse gefallen? Egal, aufstehen, die Ärmel aufkrempeln, die Scherben zusammenkehren und weiterarbeiten, dann wird das schon wieder. Weil er das verkörpert, weil er stets mit anpackt, vornewegmarschiert und dabei immer einen grenzenlosen Optimismus ausstrahlt, passt Jürgen Klopp so gut ins Ruhrgebiet. Er hat eine klare, direkte Ansprache, ob er jemanden mag oder nicht, versteckt er nicht hinter einem diplomatischen Wortschwall - so reden sie im Pott, und so redet Klopp.

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Als er 2008 zur Borussia kam, hatte die Mannschaft gerade Platz 13 in der Bundesliga belegt und spielte einen Fußball, mit dem man die Zuschauer eher aus dem Stadion treibt als hinein. Fünf Jahre später, nach zwei deutschen Meistertiteln und einem Pokalsieg, liegt ihm, dem Schwaben, eine ganze Stadt zu Füßen, und wenn er an diesem Samstag mit seiner Borussia das Finale der Champions League gegen den FC Bayern München gewinnen sollte, wäre er endgültig zum Stadtheiligen aufgestiegen. Falls er es nicht ohnehin schon ist.

Klopp winkte, die Anhänger klatschten

Es finden sich leicht Belege dafür, dass diese Vermutung nicht übertrieben ist. Am vergangenen Samstag hatte sich seine Borussia eine peinliche 1:2-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim geleistet, einem Verein, der sich in der Beliebtheitsskala der BVB-Anhänger ungefähr auf einer Stufe mit dem FC Bayern München bewegt, wenn auch aus anderen Gründen. Nichts hätten die Dortmunder Fans lieber gesehen, als den Abstieg der Kraichgauer live mitzuerleben, aber dann war ihren Lieblingen die Partie in den letzten Minuten der Begegnung völlig überraschend aus den Händen geglitten. Die Niederlage drückte merklich auf die Stimmung, als sich die Mannschaft vor der „Gelben Wand“, der mit Platz für 24.454 Fans größten Stehplatztribüne Europas, versammelte.

Dabei sollten doch alle noch einmal auf das historische Ereignis in London, dem ersten Finale in der Champions League zwischen zwei deutschen Mannschaften, eingestimmt werden. Es blieb merkwürdig ruhig - bis sich Klopp ganz allein auf seinen Weg rund um den Platz machte. Überall, wo er vorbeikam, erhoben sich die Zuschauer, Klopp winkte, die Anhänger klatschten. Als der Trainer wieder bei der „Gelben Wand“ angekommen war, standen 80.000 Besucher, und vermutlich waren in diesem Moment alle überzeugt, dass die Borussia dieses Finale in London gewinnen wird.

Pokalfinale Meistercorso BVB 13.05.2012 © picture alliance / augenklick/fi Vergrößern Wo alles begann: Auf dem Borsigplatz am Tag nach dem Pokalsieg 2012

Wenn es etwas gibt, woran sich die BVB-Fans in schwierigen Momenten wiederaufrichten, dann ist es Klopp. Am Tag, als Dortmund von der Nachricht erschüttert wurde, dass ausgerechnet ihr Juwel Mario Götze in der kommenden Saison für eine Ablösesumme in Höhe von 37 Millionen Euro zum Rivalen Bayern München wechselt, als alle sich verraten fühlten, weil ein 20 Jahre alter und in Dortmund aufgewachsener Spieler ausgerechnet dem Werben aus München erlegen war, da hatte Klopp bei der Pressekonferenz die richtigen Worte gefunden.

Der Trainer hatte gesprochen, nicht Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke oder Manager Michael Zorc, und als er seine Rede beendet hatte, wusste jeder wieder, dass dieser Wechsel nicht das Ende aller Träume bedeutet, sondern dass es weitergehen würde. Die Scherben zusammen kehren, die Ärmel aufkrempeln und trotz allem fest zusammenstehen, das war Klopps Botschaft. 24 Stunden später gelang Borussia Dortmund in einer beeindruckenden Atmosphäre ein rauschendes 4:1-Fußballfest gegen Real Madrid.

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