http://www.faz.net/-gtl-79crr

Dortmund vor dem Finale : Schwarz-Gelb

Die grenzenlose Begeisterung in Dortmund ist eng mit Jürgen Klopp verknüpft Bild: AFP

Der BVB ist der einzige börsennotierte Klub der Bundesliga. Trotzdem bewahrt er sich das Image, nicht ein Verein des Geldes, sondern der einfachen Leute und der Leidenschaft zu sein. Das liegt an Jürgen Klopp. Aber auch daran, dass Dortmund nichts anderes mehr hat.

          Böse gefallen? Egal, aufstehen, die Ärmel aufkrempeln, die Scherben zusammenkehren und weiterarbeiten, dann wird das schon wieder. Weil er das verkörpert, weil er stets mit anpackt, vornewegmarschiert und dabei immer einen grenzenlosen Optimismus ausstrahlt, passt Jürgen Klopp so gut ins Ruhrgebiet. Er hat eine klare, direkte Ansprache, ob er jemanden mag oder nicht, versteckt er nicht hinter einem diplomatischen Wortschwall - so reden sie im Pott, und so redet Klopp.

          Als er 2008 zur Borussia kam, hatte die Mannschaft gerade Platz 13 in der Bundesliga belegt und spielte einen Fußball, mit dem man die Zuschauer eher aus dem Stadion treibt als hinein. Fünf Jahre später, nach zwei deutschen Meistertiteln und einem Pokalsieg, liegt ihm, dem Schwaben, eine ganze Stadt zu Füßen, und wenn er an diesem Samstag mit seiner Borussia das Finale der Champions League gegen den FC Bayern München gewinnen sollte, wäre er endgültig zum Stadtheiligen aufgestiegen. Falls er es nicht ohnehin schon ist.

          Klopp winkte, die Anhänger klatschten

          Es finden sich leicht Belege dafür, dass diese Vermutung nicht übertrieben ist. Am vergangenen Samstag hatte sich seine Borussia eine peinliche 1:2-Niederlage gegen 1899 Hoffenheim geleistet, einem Verein, der sich in der Beliebtheitsskala der BVB-Anhänger ungefähr auf einer Stufe mit dem FC Bayern München bewegt, wenn auch aus anderen Gründen. Nichts hätten die Dortmunder Fans lieber gesehen, als den Abstieg der Kraichgauer live mitzuerleben, aber dann war ihren Lieblingen die Partie in den letzten Minuten der Begegnung völlig überraschend aus den Händen geglitten. Die Niederlage drückte merklich auf die Stimmung, als sich die Mannschaft vor der „Gelben Wand“, der mit Platz für 24.454 Fans größten Stehplatztribüne Europas, versammelte.

          Dabei sollten doch alle noch einmal auf das historische Ereignis in London, dem ersten Finale in der Champions League zwischen zwei deutschen Mannschaften, eingestimmt werden. Es blieb merkwürdig ruhig - bis sich Klopp ganz allein auf seinen Weg rund um den Platz machte. Überall, wo er vorbeikam, erhoben sich die Zuschauer, Klopp winkte, die Anhänger klatschten. Als der Trainer wieder bei der „Gelben Wand“ angekommen war, standen 80.000 Besucher, und vermutlich waren in diesem Moment alle überzeugt, dass die Borussia dieses Finale in London gewinnen wird.

          Wo alles begann: Auf dem Borsigplatz am Tag nach dem Pokalsieg 2012
          Wo alles begann: Auf dem Borsigplatz am Tag nach dem Pokalsieg 2012 : Bild: picture alliance / augenklick/fi

          Wenn es etwas gibt, woran sich die BVB-Fans in schwierigen Momenten wiederaufrichten, dann ist es Klopp. Am Tag, als Dortmund von der Nachricht erschüttert wurde, dass ausgerechnet ihr Juwel Mario Götze in der kommenden Saison für eine Ablösesumme in Höhe von 37 Millionen Euro zum Rivalen Bayern München wechselt, als alle sich verraten fühlten, weil ein 20 Jahre alter und in Dortmund aufgewachsener Spieler ausgerechnet dem Werben aus München erlegen war, da hatte Klopp bei der Pressekonferenz die richtigen Worte gefunden.

          Der Trainer hatte gesprochen, nicht Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke oder Manager Michael Zorc, und als er seine Rede beendet hatte, wusste jeder wieder, dass dieser Wechsel nicht das Ende aller Träume bedeutet, sondern dass es weitergehen würde. Die Scherben zusammen kehren, die Ärmel aufkrempeln und trotz allem fest zusammenstehen, das war Klopps Botschaft. 24 Stunden später gelang Borussia Dortmund in einer beeindruckenden Atmosphäre ein rauschendes 4:1-Fußballfest gegen Real Madrid.

          Weitere Themen

          Mainzer Regenkönige

          3:2 gegen Stuttgart : Mainzer Regenkönige

          Mainz 05 gewinnt das wichtige Spiel gegen Stuttgart mit 3:2, weil das Team mit dem regennassen Rasen besser zurechtkommt. Beim VfB dagegen gibt es schon vor dem Spiel eine Panne.

          Der Papst traut seine Flugbegleiter Video-Seite öffnen

          Hochzeit in der Luft : Der Papst traut seine Flugbegleiter

          Das hatten die Flugbegleiter Paula Podest Ruiz und Carlo Ciuffardi Elorriga wohl nicht erwartet. An Bord der Maschine von Papst Franziskus über Chile, fragte dieser sie nach einem Gespräch, ob er sie trauen solle. Das Paar konnte sein Glück kaum fassen.

          Waffenhändler verurteilt, Nebenklage nicht zufrieden Video-Seite öffnen

          Prozess zum Münchner Attentat : Waffenhändler verurteilt, Nebenklage nicht zufrieden

          Das Oberlandesgericht München hat den Angeklagten Philipp K. zu sieben Jahren Haft verurteilt, da er die Mordwaffe dem Attentäter von München verkauft hatte. Sein Verteidiger sieht das Urteil kritisch, da zu viel in seinen Mandanten hinein projiziert worden sei. Der Nebenklage ist dieses Urteil dagegen nicht genug, sie will in Revision gehen.

          Topmeldungen

          Trump in Zahlen : 2600 Tweets und 86 Tage auf dem Golfplatz

          Über die ersten 365 Amtstage des amerikanischen Präsidenten werden ganze Bücher geschrieben. Manchmal aber sagen Zahlen mehr als tausend Worte – FAZ.NET präsentiert die spannendsten.
          Böser Blick: Im Sommer trafen sich Sigmar Gabriel und der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif in Berlin.

          Teheran gegen Berlin : Kabalen iranischer Art

          Iran stellt die deutsche Geduld immer mehr auf die Probe: Deutsche werden ausspioniert, ein Richter – der Tausende Todesurteile unterschrieb – ließ sich in Hannover behandeln. Doch jetzt könnte die Regierung in Berlin bald reagieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.