http://www.faz.net/-gtl-7kbbp

Dortmund und Schalke : Zwei Spiele um alles oder nichts

  • -Aktualisiert am

Große Zufriedenheit gibt es „auf Schalke“ nicht gerade Bild: dpa

Dortmund ringt am Mittwoch (20.45 Uhr) gegen Marseille, Schalke gegen Basel um das Weiterkommen in der Champions League. Probleme haben beide - die größere Unruhe herrscht bei den „Königsblauen“.

          Im Ruhrgebiet zeigt sich der Winter in diesen Tagen von seiner milden Seite. Dennoch kommt vielen Fußballfans unterschiedlicher Couleur an diesem Mittwoch (20.45 Uhr / Live im Champions-League-Ticker bei FAZ.NET) das große Zittern. Ob sie es mit Schwarz-Gelb halten oder mit Königsblau - sie bangen um den Verbleib ihrer jeweiligen Lieblingsmannschaft in der Champions League, nicht gemeinsam, aber zur selben Zeit. Am letzten Gruppenspieltag können Borussia Dortmund und Schalke 04 aus eigener Kraft das Achtelfinale erreichen; gewinnen sie, kommen beide sicher weiter.

          Rechnerisch stehen die Vorzeichen für Dortmund ein wenig günstiger. Selbst im Falle einer Niederlage bei Olympique Marseille, dem abgeschlagenen Tabellenletzten, ist ein Weiterkommen möglich - falls der FC Arsenal sein Spiel beim SSC Neapel gewinnt. Für Schalke spricht gegen den FC Basel zwar der Heimvorteil. Die Königsblauen erwartet aber gegen den aktuellen Zweiten der Gruppe eine Partie, in der die beiden Mannschaften den zweiten Achtelfinalteilnehmer neben Chelsea unter sich ausmachen. Während den Schweizern ein Remis reicht, braucht Schalke einen Sieg.

          Beide Revierklubs stehen mächtig unter Zugzwang, aber es gibt weitere Parallelen: Beide hatten zuletzt eine Reihe verletzter Spieler zu beklagen; beide zeigten sich in der Bundesliga nicht in bester Form. Dortmund verlor die Spitzenspiele daheim gegen Leverkusen und Bayern München, Schalke fiel auf den sechsten Platz zurück und schied mit einer blamablen Leistung aus dem DFB-Pokal aus.

          Die Profis sehen sich in der Pflicht und fassen drei Wochen vor Silvester gute Vorsätze für das alte Jahr. „Es gelten keine Ausreden mehr, keine Sprüche oder sonst irgendwas. Wir müssen es auf dem Platz zeigen - alles andere ist egal“, sagt etwa Kevin-Prince Boateng, der Kopf der Schalker Mannschaft, die seit Wochen und Monaten nur eine Konstante liefert: schwankende Leistungen.

          „Check in zur Königsklasse“

          Auch die Dortmunder Borussen wollen nach einigen Rückschlägen noch einmal alle Kräfte bündeln und ihren internationalen Anspruch untermauern. „Wir werden durchkommen“, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke vor dem Abflug nach Südfrankreich. Dortmund habe den direkten Vergleich gegen Arsenal und Neapel jeweils gewonnen, also werde es auch in Marseille das nötige Ergebnis erreichen. Schon beim Einchecken am Flughafen stellten die Dortmunder plakativ ihren Tatendrang und auch ein gewisses Selbstbewusstsein zur Schau.

          In der Nähe des Schalters für die Maschine nach Marseille war ein schwarz-gelb unterlegtes Hinweisschild mit der Aufschrift „Check in zur Königsklasse“ befestigt. Damit es nicht das vorerst letzte Dortmunder Einchecken in der Champions League wird, muss Trainer Jürgen Klopp sich einiges einfallen lassen. Neben Hummels, Subotic, Gündogan und Schmelzer fällt seit dem Wochenende auch Sven Bender verletzt aus. Dazu ist ungewiss, ob der angeschlagene Nuri Sahin spielen kann. „Aber Verletzte sind keine Ausreden. Auch die anderen Spieler sind stark“, sagt Kevin Großkreutz, der vielseitigste Profi des Teams.

          Angesichts der vielen Ausfälle könnte man meinen, die Startelf stelle sich fast von allein auf. Dennoch ist Klopp abermals zum Improvisieren gezwungen. Da der erst jüngst unter Vertrag genommene Innenverteidiger Manuel Friedrich im Europapokal nicht spielberechtigt ist, spitzt sich der Fachkräftemangel im Abwehrzentrum nochmals zu.

          Der Trainer muss hier auf eine ungelernte Kraft setzen; in Frage kommen Sebastian Kehl, von Haus aus defensiver Mittelfeldspieler, der fast überall verwendbare Großkreutz und - mit einiger Phantasie - der Auszubildende Koray Günter, der auf die Erfahrung von zwei Minuten Bundesliga zurückblicken kann. Auch im defensiven Mittelfeld tun sich bedenkliche Lücken auf. Dort musste zuletzt gegen Leverkusen Henrich Mchitarjan, der Spielmacher. aushelfen.

          Vorbehalte gegen Keller wachsen

          Ganz so viele Fehlmeldungen wie Dortmund hat Schalke nicht zu verkraften. Dafür belastet in Gelsenkirchen eine Trainerdiskussion das Klima vor dem Spiel, das Boateng als „das wichtigste bis jetzt in dieser Saison“ annonciert. Zwar haben Manager Horst Heldt und der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies angekündigt, erst nach der letzten Partie der Bundesliga-Hinrunde eine Analyse vorzunehmen und dann zu entscheiden, ob es mit Keller weitergeht.

          Am Schalker Markt mehren sich jedoch die Anzeichen, dass auch intern die Vorbehalte gegen den öffentlich schon lange umstrittenen Trainer gewachsen sind. Ein klares Bekenntnis zu Keller war länger nicht zu hören. Vermutlich kann er die Zweifel nur ausräumen, wenn die Mannschaft alle drei verbleibenden Pflichtspiele gewinnt.

          Kellers Position ähnelt der eines Tennisspielers, der drei Matchbälle abwehren muss, um seine Chance zu wahren. Die Mannschaft will ihm dabei, auch im eigenen Interesse, helfen, so gut sie es in ihrer aktuellen Verfassung kann. Natürlich sei die Trainerfrage auch unter den Spielern „ein Thema, keine Frage“, sagt Kapitän Benedikt Höwedes und verspricht Unterstützung. „Wir wollen mit Jens Keller ins Achtelfinale einziehen.“ Boateng hat sogar schon eine Idee, wie das gelingen könnte.

          „Wir werden ausschwärmen wie kleine Wespen und zustechen“, sagt er. Kaum hatte er den Plan kundgetan, wurde ihm bewusst, dass Wespen „auf“ Schalke heikle Assoziationen wecken - schon ihrer Farbe wegen. Also fügte Boateng eilig „eine kleine Korrektur“ an: „Blau-weiße Wespen natürlich.“ Ob schwarz-gelb oder blau-weiß - das Revier hofft, dass die Wespen den Richtigen stechen, bevor sie sich in den Winterschlaf verabschieden.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Boateng auf Schmusekurs

          Eintracht Frankfurt : Boateng auf Schmusekurs

          Einst galt Kevin-Prince Boateng als „Bad Boy“, nun ist der Platzhirsch ist erwachsen geworden. Skandale soll es bei Eintracht Frankfurt nicht mehr geben. Nur eines hat sich bei Boateng nicht verändert.

          Die Bayern ziehen mit Dortmund gleich

          1:0 in Hamburg : Die Bayern ziehen mit Dortmund gleich

          Hamburg wehrt sich tapfer gegen die Münchner, dezimiert sich aber selbst. Das nutzt der Meister aus und gewinnt knapp. Einen kuriosen Kurzeinsatz hat dabei Thomas Müller.

          Wal im Hafenbecken Video-Seite öffnen

          Verirrt : Wal im Hafenbecken

          In Marseille mussten die Einsatzkräfte einen 15 Meter langen Wal aus einer Notsituation retten. So einen Einsatz habe es laut der Polizei in Marseille noch nie gegeben.

          Topmeldungen

          Auch Andrea Nahles hat in der deutschen Politik schon häufig Erfahrungen mit Sexismus gemacht.

          SPD-Fraktionschefin : Nahles: Viel Sexismus in der deutschen Politik

          Sexismus in der deutschen Politik? Überall, immer wieder, sagt Andrea Nahles und beschreibt typische Situationen. Zumindest in der SPD will die neue Fraktionschefin das nun ändern. Frauen sollten Männer mit ihren eigenen Waffen schlagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.