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Veröffentlicht: 10.03.2015, 06:52 Uhr

Doping im Fußball Die große Verblendung

Doping bringt nichts im Fußball? Diesen Unsinn verbreiten selbst jetzt noch Leute, die es seit langem besser wissen müssen. Heute wird wenigstens kontrolliert – aber auch nicht mit letzter Konsequenz.

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© Picture-Alliance Im Fußball wird nicht mit letzter Konsequenz kontrolliert. Nicht sehen, nichts hören, nichts sagen (wie in dieser gestellten Szene Zentai Kostümen).

Robin Dutt ist 50 Jahre alt. Er ist ein geschätzter Fußballtrainer. Einer, der die Medizinbälle im Schrank lässt, der Gegenentwurf zur Quälix-Generation: nachdenklich, analytisch, innovativ. Er war Chefcoach in Freiburg, in Leverkusen, Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund, gab den Profis von Werder Bremen den Takt vor, jetzt ist er Sportdirektor beim VfB Stuttgart. Dutt muss alles wissen über den Fußball. Er sagt: „Doping bringt nichts“ in seinem Sport.

Anno Hecker Folgen:

Diesen Unsinn hat der Fünfzigjährige dem Millionenpublikum des ersten Deutschen Fernsehens am ersten Pokal-Abend der Woche vorgetragen. Sekundiert vom empörten Dortmunder Kultcoach Jürgen Klopp und dem smarten Co-Kommentator und früheren Dribbelstar Mehmet Scholl: Ein Experten-Trio auf unerbittlichem Verteidigungskurs. Nur weil am Montag ein Mitglied der Freiburger Universitätskommission zur Aufklärung von Doping-Machenschaften über Belege für Stofflieferungen an den VfB Stuttgart und den SC Freiburg in den achtziger Jahren berichtete und die Audienzen Stuttgarter Fußball-Heroen wie Bernd Förster beim deutschen Sportmedizin-Guru Armin Klümper in den Fokus gerieten.

Der Mediziner hielt sich nicht an die offiziellen, die amtlichen Vorgaben des Sports, Anabolika doch bitte aus dem Spiel zu lassen. Er versorgte die Rad-Nationalmannschaften in den siebziger Jahren mit Trainingsplänen samt verbotenen Mitteln. Zu ihm pilgerten Doper aus allen Teilen der Republik, und er behandelte oder versorgte Fußballer. Stuttgarter, Bayern, Braunschweiger. Jeden, der wollte. Und dennoch füllten sich Stuttgarter Zeitungen in den vergangenen Tagen mit lauter Dementis: Ärzte, Physiotherapeuten und Spieler, die heute, nach Jahren an der Spritze im Höchstleistungsalter, am Stock gehen: Auch sie haben nichts gehört, nichts gewusst und manche schon gar nichts zu sagen, nach so vielen Jahren. Doping? Das gab es alles nicht. Als verlöre der Fußball, der jede Minute, jede Sequenz seiner Existenz akkurat speichert und nach Belieben abruft für die kollektiven Erinnerungsfeiern, beim Stichwort Anabolika abrupt sein Gedächtnis.

© afp Doping: Auf Abwegen an die Spitze

Amnesie des deutschen Fußballs beim Thema Doping

Klopp half Dutt eilfertig, den Verlust zu erklären: „Wenn die (Spieler) was gekriegt haben“, sagte er in der Fußballsendung, „dann haben sie es sicher nicht gewusst.“ Oder ernsthaft geglaubt, Klümpers Anabolika-Therapien bei Verletzungen seien kein Doping. Die Amnesie erfasst auch das Buch des Kölners Toni Schumacher, der 1987 „Enthüllungen über den Deutschen Fußball“ anbot:

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„Meine Kölner Freunde und ich sind aber absolut nicht die Einzigen, die der Doping-Verseuchung nicht widerstehen konnten. In der Bundesliga hat Doping seit langem Tradition. (...) Einige von ihnen konnten sich ohne diese Spezial-Hochform-Pillen eine Fortsetzung ihrer Karriere gar nicht mehr vorstellen. Pillen und Leistung - das war für sie zu einer Gleichung geworden, die aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken war. Ein wichtiges Detail: Dieser Arzt betreute berühmte Sportler zu einem Zeitpunkt, als Doping Schlagzeilen machte. Ich nehme an, daß zu diesen Spezialmixturen Anabolika, Amphetamine und diverse andere Aufputschmittel gehörten. Damals wie heute. Es gab Nationalspieler, die waren im Umgang mit der ,Stärkungschemie‘ regelrecht Weltmeister.“

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