http://www.faz.net/-gtl-7772w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.02.2013, 17:55 Uhr

Diego im Gespräch „Zwei Trainer in einer Saison sind schon zu viel“

Diego Ribas da Cunha, genannt Diego, gehört zu den größten Begabungen in der Bundesliga. Der 27 Jahre alte Brasilianer hatte in Wolfsburg jedoch zeitweise einen schweren Stand. Im F.A.Z.-Interview spricht er über eine verkorkste Saison und Pokalträume.

© dpa „Wenn ich Philosophie sage, meine ich, dass in diesem Begriff viele Dinge stecken“: Diego

Wenn der VfL Wolfsburg am Dienstag (20.30 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) ausscheidet, ist die Saison für Ihren Klub kaum mehr zu retten. Welche Bedeutung hat für Sie das Viertelfinale bei Kickers Offenbach?

Die Liga und der Pokal sind zwei verschiedene Dinge für uns. Im Pokal läuft es bisher sehr gut. Wir haben die große Chance, das Halbfinale zu erreichen und vielleicht sogar den Titel zu gewinnen. Diese Situation sollten wir genießen. Wir sind nahe dran - aber gleichzeitig ist es schwierig. Offenbach wird gut verteidigen, wir werden wenige Torchancen bekommen. Wir müssen sehr konzentriert sein, um die Partie zu gewinnen. Wenn es uns gelingt, den Pokal zu holen, wäre die gesamte Saison positiv. Aber die Fehler, die wir in dieser Saison gemacht haben, lassen sich dadurch nicht auslöschen. Wir wissen das. Aber wir wissen auch, dass wir viel besser sein können, als wir es bisher waren.

In Mainz wäre mehr als ein 1:1 drin gewesen?

Ja, wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, haben aber unsere Torchancen nicht verwerten können. Nach der Roten Karte haben wir dann 60 Minuten in Unterzahl gespielt. Ich denke, das haben wir ganz gut gemacht. Wir haben nur wenige Chancen für die Mainzer zugelassen. Was aber noch viel wichtiger war, war die Tatsache, dass wir es immer besser schaffen, das Spielsystem, das uns Dieter Hecking vorgibt, nach seinen Vorstellungen umzusetzen.

Drei Trainer in einer Spielzeit: Haben Sie das schon einmal erlebt?

Normal ist das nicht. Aber das gab es auch in meinem ersten Jahr in Europa, in Porto. Zuerst hatten wir einen italienischen Trainer, dann einen spanischen und zum Schluss einen portugiesischen. Drei Trainer in einer Saison sind schon sehr kompliziert, zwei sind eigentlich schon zu viel - für den Klub und die Spieler. Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen, seine Philosophie - und nur die Zeit kann die Automatismen in einem Team schaffen, die zur Umsetzung nötig sind. Dass wir aber in diese Situation geraten sind, liegt an allen, auch an uns Spielern.

Mehr zum Thema

Was bedeutet es konkret, wenn Spieler in einer Saison dreimal andere Vorgaben von unterschiedlichen Trainern erhalten?

Wenn ich Philosophie sage, meine ich, dass in diesem Begriff viele Dinge stecken: das tägliche Training, das sich jedes Mal unterscheidet; die Zielvorgaben beim Spiel mit Ball oder ohne Ball differieren. Es geht mir nicht darum, die Vorstellungen nach richtig oder falsch zu beurteilen, sondern dass es Zeit braucht, um diese Ideen auf ein Team zu übertragen. Für mich ist das Wichtigste, dass ein Verein einen Trainer lange arbeiten lässt, so lange, dass ein Trainer irgendwann eigentlich keine Worte mehr braucht, um auszudrücken, was er von einem Spieler möchte. Mir als Spieler muss ein Blick oder eine Geste genügen, um das zu verstehen. Das kann nur die Zeit bringen.

Bayern-Trainer Heynckes sagte nach dem Sieg in Wolfsburg, seinem Kollegen Hecking stehe die Arbeit noch bevor, die er beim FC Bayern schon geleistet habe - Automatismen in der Mannschaft zu schaffen. Wie weit ist der VfL - und wie lange wird es noch dauern?

Wir haben uns zuletzt wirklich verbessert. Wir müssen aber konstanter werden, erst einmal innerhalb eines Spiels. Nicht nur 45 oder 60 Minuten, sondern über die gesamte Zeit. Und dann auch im nächsten Spiel. Wir haben noch nicht zwei oder drei Spiele nacheinander gewonnen. Das wäre aber sehr wichtig.

Woran merken Sie bei Ihrem Spiel als Dreh- und Angelpunkt, dass das Team nicht so funktioniert, wie es sollte?

Ich spüre es, wenn wir nicht in der Lage sind, den Ball zu halten, wenn wir es nicht schaffen, uns Torchancen zu erspielen. Beim 0:2 gegen Bayern haben wir gut verteidigt und sind sehr viel gelaufen. In manchen Spielen ist das notwendig. Aber Fußball ist ein Spiel der Freude, es geht darum, den Ball zu besitzen und Chancen zu schaffen. Das ist mein Ziel, und das will ich auch in Wolfsburg erreichen.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Joshua Kimmich im Interview Zur Not gucke ich mir ein Lahm-Video an

Gegen die Ukraine startet die deutsche Elf ins EM-Turnier. Zuvor spricht Neuling Joshua Kimmich über seine Chancen auf einen Platz in der Abwehr, seine eigentliche Lieblingsposition – und den Unterschied zwischen Guardiola und Löw. Mehr Von Michael Horeni und Christian Kamp, Evian

11.06.2016, 13:09 Uhr | Sport
Champions League Mehr als Fußball: Real-Fans im Irak

Real Madrid hat das Champions-League-Finale gegen den Erzrivalen Atlético Madrid gewonnen. Fans der Mannschaft haben das Spiel in der ganzen Welt verfolgt und mit ihrem Verein bis zur letzten Minute mitgefiebert - auch Real-Fans im Irak. Mehr

30.05.2016, 11:23 Uhr | Gesellschaft
Eintracht Frankfurt Zehn kommen, zehn gehen

Wolfgang Steubing, Aufsichtsratschef der Frankfurter Eintracht, über das neue Transferkonzept des Klubs, Vorurteile gegen Sportvorstand Bobic und dessen Zusammenarbeit mit Sportdirektor Hübner. Mehr Von Jörg Daniels, Marc Heinrich und Peter Heß, Frankfurt

10.06.2016, 06:45 Uhr | Rhein-Main
Wahlkampf Clinton greift Trump bei Außenpolitik an

Die ehemalige Außenminister wies am Donnerstag in San Diego darauf hin, dass der amerikanische Präsident gleichzeitig Oberbefehlshaber der Streitkräfte sei. Trump könne den Job nicht machen, sagte Clinton. Mehr

03.06.2016, 09:11 Uhr | Politik
ZDF-Experten Kehl und Rolfes Viele verstehen nicht die Sicht der Spieler

Die früheren Nationalspieler Sebastian Kehl und Simon Rolfes sind bei der EM erstmals TV-Experten. Im F.A.Z.-Interview verraten sie, wie sie vor der Kamera auftreten wollen – und was sie von Mehmet Scholls Spruch über Mario Gomez halten. Mehr Von Jörn Wenge

10.06.2016, 15:53 Uhr | Sport

Deutschland macht es auf die harte Tour

Von Christian Kamp, Paris

Nach der Vorrunde befinden sich alle Topteams in einer Hälfte des EM-Tableaus. Ein Sieg im Achtelfinale vorausgesetzt, stünde der DFB-Elf ein Showdown mit Spanien oder Italien bevor. Das darf niemanden schocken. Mehr 27 14