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Diego im Gespräch „Zwei Trainer in einer Saison sind schon zu viel“

 ·  Diego Ribas da Cunha, genannt Diego, gehört zu den größten Begabungen in der Bundesliga. Der 27 Jahre alte Brasilianer hatte in Wolfsburg jedoch zeitweise einen schweren Stand. Im F.A.Z.-Interview spricht er über eine verkorkste Saison und Pokalträume.

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© dpa „Wenn ich Philosophie sage, meine ich, dass in diesem Begriff viele Dinge stecken“: Diego

Wenn der VfL Wolfsburg am Dienstag (20.30 Uhr / Live im DFB-Pokal-Ticker bei FAZ.NET) ausscheidet, ist die Saison für Ihren Klub kaum mehr zu retten. Welche Bedeutung hat für Sie das Viertelfinale bei Kickers Offenbach?

Die Liga und der Pokal sind zwei verschiedene Dinge für uns. Im Pokal läuft es bisher sehr gut. Wir haben die große Chance, das Halbfinale zu erreichen und vielleicht sogar den Titel zu gewinnen. Diese Situation sollten wir genießen. Wir sind nahe dran - aber gleichzeitig ist es schwierig. Offenbach wird gut verteidigen, wir werden wenige Torchancen bekommen. Wir müssen sehr konzentriert sein, um die Partie zu gewinnen. Wenn es uns gelingt, den Pokal zu holen, wäre die gesamte Saison positiv. Aber die Fehler, die wir in dieser Saison gemacht haben, lassen sich dadurch nicht auslöschen. Wir wissen das. Aber wir wissen auch, dass wir viel besser sein können, als wir es bisher waren.

In Mainz wäre mehr als ein 1:1 drin gewesen?

Ja, wir sind sehr gut ins Spiel gekommen, haben aber unsere Torchancen nicht verwerten können. Nach der Roten Karte haben wir dann 60 Minuten in Unterzahl gespielt. Ich denke, das haben wir ganz gut gemacht. Wir haben nur wenige Chancen für die Mainzer zugelassen. Was aber noch viel wichtiger war, war die Tatsache, dass wir es immer besser schaffen, das Spielsystem, das uns Dieter Hecking vorgibt, nach seinen Vorstellungen umzusetzen.

Drei Trainer in einer Spielzeit: Haben Sie das schon einmal erlebt?

Normal ist das nicht. Aber das gab es auch in meinem ersten Jahr in Europa, in Porto. Zuerst hatten wir einen italienischen Trainer, dann einen spanischen und zum Schluss einen portugiesischen. Drei Trainer in einer Saison sind schon sehr kompliziert, zwei sind eigentlich schon zu viel - für den Klub und die Spieler. Jeder Trainer hat seine eigenen Vorstellungen, seine Philosophie - und nur die Zeit kann die Automatismen in einem Team schaffen, die zur Umsetzung nötig sind. Dass wir aber in diese Situation geraten sind, liegt an allen, auch an uns Spielern.

Was bedeutet es konkret, wenn Spieler in einer Saison dreimal andere Vorgaben von unterschiedlichen Trainern erhalten?

Wenn ich Philosophie sage, meine ich, dass in diesem Begriff viele Dinge stecken: das tägliche Training, das sich jedes Mal unterscheidet; die Zielvorgaben beim Spiel mit Ball oder ohne Ball differieren. Es geht mir nicht darum, die Vorstellungen nach richtig oder falsch zu beurteilen, sondern dass es Zeit braucht, um diese Ideen auf ein Team zu übertragen. Für mich ist das Wichtigste, dass ein Verein einen Trainer lange arbeiten lässt, so lange, dass ein Trainer irgendwann eigentlich keine Worte mehr braucht, um auszudrücken, was er von einem Spieler möchte. Mir als Spieler muss ein Blick oder eine Geste genügen, um das zu verstehen. Das kann nur die Zeit bringen.

Bayern-Trainer Heynckes sagte nach dem Sieg in Wolfsburg, seinem Kollegen Hecking stehe die Arbeit noch bevor, die er beim FC Bayern schon geleistet habe - Automatismen in der Mannschaft zu schaffen. Wie weit ist der VfL - und wie lange wird es noch dauern?

Wir haben uns zuletzt wirklich verbessert. Wir müssen aber konstanter werden, erst einmal innerhalb eines Spiels. Nicht nur 45 oder 60 Minuten, sondern über die gesamte Zeit. Und dann auch im nächsten Spiel. Wir haben noch nicht zwei oder drei Spiele nacheinander gewonnen. Das wäre aber sehr wichtig.

Woran merken Sie bei Ihrem Spiel als Dreh- und Angelpunkt, dass das Team nicht so funktioniert, wie es sollte?

Ich spüre es, wenn wir nicht in der Lage sind, den Ball zu halten, wenn wir es nicht schaffen, uns Torchancen zu erspielen. Beim 0:2 gegen Bayern haben wir gut verteidigt und sind sehr viel gelaufen. In manchen Spielen ist das notwendig. Aber Fußball ist ein Spiel der Freude, es geht darum, den Ball zu besitzen und Chancen zu schaffen. Das ist mein Ziel, und das will ich auch in Wolfsburg erreichen.

Zu Saisonbeginn schwärmten Sie noch von Felix Magath, wenige Monate später wollte er Sie zu Ihrer Enttäuschung nach Brasilien verkaufen. Was passiert mit einem Spieler, mit einer Mannschaft, wenn das Vertrauen zum Trainer verlorengeht?

Bei der Arbeit eines Trainers sollte es immer darum gehen, dass sich Spieler verbessern, niemand ist perfekt. Und die große Motivation besteht darin, das nächste Spiel zu gewinnen und Tore zu schießen. Und wenn man das verliert, hat man verloren. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft dieses Gefühl hatte, wir haben immer wieder versucht, eine Lösung zu finden und Spiele zu gewinnen. Aber für mich war es anders: Ich dachte, ich hätte bis dahin einen guten Job gemacht. Aber Felix Magath kam zu mir und sagte, dass ich wechseln sollte. Ich war wirklich sehr enttäuscht. Ich brauchte Zeit, um darüber nachzudenken. Aber man lernt aus diesen Situationen. Manchmal bewerten dich die Leute gut, manchmal schlecht. Aber das Wichtigste ist, dass man selbst weiß, sein Bestes gegeben zu haben.

Sie gingen im Sommer 2011 aus Wolfsburg weg, nachdem Sie die Mannschaft im Abstiegskampf vor dem letzten Saisonspiel verlassen hatten. Nach dem Gewinn in der Europa League mit Atletico Madrid mussten Sie wieder zurück. Was für eine Beziehung haben Sie zu einem Klub, in dem es auch für Sie so wechselhaft zugegangen ist?

Ich habe in der Vergangenheit Fehler gemacht. Mit Felix Magath hatte ich ein Problem, aber wir haben eine Lösung gefunden. Der Klub hat sich mir gegenüber wunderbar verhalten, die Leute im Verein, die Mitspieler und die Fans, das war immer freundschaftlich. Es war kein Problem, wieder zurückzukommen. Aber ich kann auch ganz offen sagen: Die Saison mit Atlético war phantastisch, ich fühlte mich wirklich glücklich. Nach meiner Rückkehr war es gut und wichtig für mich, zu zeigen, dass ich aus meinen Fehlern gelernt habe. Das habe ich getan. Mein Ziel ist es nun, diese Saison erfolgreich zu beenden.

Sie haben sich dagegen gewehrt, als man Sie als Diva bezeichnete. Verstehen Sie, wie dieses Bild entstanden ist?

Ich habe eine Beziehung zu den Menschen in meiner Umgebung, ich kann fühlen, was sie über mich denken. Und aus meiner Sicht war ganz klar, dass die Leute das nicht denken, sondern dass es eine Zeitung war, die das geschrieben hat.

Wie sehen Sie sich heute, welche Teile Ihrer Persönlichkeit haben Sie weiterentwickelt?

Ich habe gelernt, geduldiger zu werden in den Momenten, in denen die Dinge nicht so laufen, wie man sich das vorstellt. Ich habe verstanden, dass man mit seinen eigenen Händen keine Gerechtigkeit schaffen kann, nur Gott kann sein Urteil über Leute sprechen, die Fehler machen. Das zu erkennen, war für mich am wichtigsten. Die schwierigen Situationen, in denen ich gesteckt habe, haben mich stärker gemacht.

Wie wollen Sie es schaffen, in einem Klub wie Wolfsburg wieder ins brasilianische Nationalteam zu kommen, um bei der WM im eigenen Land dabei zu sein?

Das ist mein Ziel, und in der letzten Saison in Madrid hatte ich das Gefühl, dass ich wieder nahe dran bin. Zwei meiner Freunde von Atlético, Filipe Luis und Miranda, sind zur Nationalmannschaft gekommen. Wir haben zusammen einen wichtigen Titel gewonnen und unsere Sache wirklich gut gemacht. Ich habe mich sehr für sie gefreut. Und wenn ich in Wolfsburg starke Leistungen bringe und wir unsere Ziele erreichen, dann glaube ich, dass auch ich es zur WM schaffen kann. Aber jeder Spieler hängt immer von der Leistung seines Klubs ab. Und so wird das Wichtigste auch für dieses Ziel sein, dass wir wieder an die Spitze der Bundesliga kommen. Wenn wir weiter gegen die Relegation spielen, wird’s schwierig mit der WM.

Das Gespräch führte Michael Horeni.

Quelle: F.A.Z.
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