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Veröffentlicht: 09.03.2016, 09:21 Uhr

Bernd Hölzenbein wird 70 Die Zweifel des Schlitzohrs

Der Mann, der Tore im Sitzen erzielte und dem Wort Schwalbe eine neue Bedeutung gab: Bernd Hölzenbein hat am Mittwoch einen runden Geburtstag - und endlich kann sich der ewige Zweifler auch mal selbst loben.

von , Frankfurt
© Wonge Bergmann Eine Legende wird 70: Bernd Hölzenbein

Als Jürgen Grabowski vor eindreiviertel Jahren 70 wurde, organisierte die Frankfurter Eintracht ihm zu Ehren eine große Feier in der WM-Arena. Zunächst wollte der Weltmeister von 1974 nicht so recht, ließ sich dann aber dazu überreden und war am Ende froh darüber. „Der Tag wird mir immer in Erinnerung bleiben“, sagte Grabowski damals. An diesem Mittwoch feiert sein kongenialer Sturmpartner der sechziger und siebziger Jahre seinen 70. Geburtstag. Und natürlich wollte die Eintracht auch ihn ehren. Doch Hölzenbein mochte sich nicht überwinden: Der Rekordtorschütze der Eintracht begeht seinen Ehrentag im Familienkreis in Florida. „Ich bin nicht der Typ für große Feiern“, hatte er der Eintracht seine Absage begründet.

Peter Heß Folgen:

Bernd Hölzenbein ist ein Phänomen. Kaum jemand hat so viel für die und im Namen der Eintracht getan wie er. Aber alle seine Erfolge, Uefa-Pokalsieger, DFB-Pokalsieger, Rekordtorschütze (160 Bundesligatore), Weltmeister 1974 und später als Eintracht-Vizepräsident, Manager und Chefscout, haben ihm nicht zu einem gesunden Selbstbewusstsein verholfen.

Wem er das Vergnügen gönnt, ihn näher kennenzulernen, der erlebt einen liebenswerten, verschmitzt-humorvollen, hintergründigen Menschen. Als ersten Eindruck vermittelt er, zurückhaltend, unsicher, schüchtern zu sein. „Das sagen mir viele. Aber das kann und will ich nicht mehr ändern.“ Im Gespräch offenbart Bernd Hölzenbein immer wieder Hinweise, wie sehr Selbstzweifel in seinem Charakter verankert sind. Dass sie ihn nicht davor bewahren konnten, einer der größten Fußballer zu werden, den die Eintracht je hatte, sagt alles über seine Sonderklasse.

Von TuS Dehrn zur Eintracht

Frühjahr 1966, Hölzenbein spielt noch für seinen Heimatverein TuS Dehrn in der Nähe von Limburg. Der Trainer der Junioren-Nationalmannschaft U 21 hat ihn und seinen späteren Eintracht-Kollegen Bernd Nickel zu einem Sichtungsturnier eingeladen. Hölzenbein reist nach dem ersten Tag ab: „Bernd Nickel spielte so gut und ich so schlecht, da bin ich gleich wieder nach Hause gefahren. So konnte ich am Sonntag der TuS Dehrn wenigstens im Punktspiel helfen.“

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Ein Vierteljahr später spielte er dennoch bei der Eintracht, wo Jürgen Grabowski schon Jung-Star war. „Ich setzte mich sehr viel langsamer und schwieriger durch. Ich gehörte nicht zu den Spielern, die vor Selbstvertrauen platzten, ich hatte immer schon meine Zweifel.“ Erst Trainer Dietrich Weise, der ein Faible für Talente hatte, bot Hölzenbein den Rückhalt, um die nötige Sicherheit in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.

100 Mark Sonderprämie dank Nebensport

Nebenbei spielte der Stürmer noch Tischtennis für den TuS Dehrn. „Anderthalb Jahre lang war ich im Fußball Bundesligaspieler und im Tischtennis Bezirksligaspieler in den diversen Turnhallen meiner Heimatregion. Das ging sehr gut parallel, weil sonntags trainingsfrei war. Ich fand das einen guten Nebensport. Die Handlungsschnelligkeit, die im Tischtennis nötig ist, half mir, vor dem Fußballtor schnell zu reagieren.“

 
Die Selbstzweifel des SchlDie Selbstzweifel des Schlitzohrs: Bernd Hölzenbein zum Siebzigsten (Peter Heß)

Seine Fähigkeiten mit dem Zelluloidball hatten einen angenehmen Nebeneffekt. Hölzenbein gewann das Tischtennisturnier des WM-Kaders von 1974 in Malente und bekam eine Trophäe von der örtlichen Sparkasse im Wert von 1000 Mark. Hölzenbein erinnert sich: „Damals war Gerd Müller der absolute Platzhirsch an der Platte. Im Finale habe ich ihn aber geschneidert. Daraufhin beschwerte er sich, gegen einen Profi antreten zu müssen, und bekam von der Sparkasse den gleichen Preis wie ich.“

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