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Die Stars des Confed Cups Herz-Buben

30.06.2005 ·  Der Konföderationenpokal bot den kleinen Helden des großen Sports genügend Platz. Viele Profis rückten in den Vordergrund, die von den globalen Scheinwerfern des Fußballs bisher noch nicht erfaßt waren.

Von Roland Zorn
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Vorher Star, nachher Star: Am Status der Weltgrößen des internationalen Fußballs hat der höchst unterhaltsame Confederations Cup dieses Sommers nichts geändert. Zu Koryphäen ihres Berufs sind die vorbildlichen Ronaldinho, Adriano, Ballack, Riquelme oder Kahn in ihrem harten Liga-Alltag oder bei den schweren Turnier- und Qualifikationsbegegnungen ihrer Nationalmannschaften geworden.

Der Konföderationenpokal aber war von anderem, luftigerem Zuschnitt und bot somit genügend Platz für die kleinen Helden des großen Fußballs. Da während der vergangenen zwei Wochen die übliche Knochenarbeit so kurz vor dem Urlaub verpönt schien und oft genug nach Lust und Laune gekickt werden durfte, rückten Profis in den Vordergrund, die von den globalen Scheinwerfern des Fußballs bisher noch nicht erfaßt waren.

Mach mal Sommerpause!

Luciano Figueroa etwa, der sich bis zum Finale seiner Argentinier gegen Weltmeister Brasilien Platz eins in der Torschützenliste mit dem Australier John Aloisi teilte, hatte zuvor noch keine Schlagzeilen in der "Albiceleste" gemacht. Argentinische Angriffswucht schien allein Hernan Crespo zu verkörpern, doch der vom FC Chelsea an den AC Mailand ausgeliehene beste Torschütze macht mal Sommerpause. Zeit und Gelegenheit also für den mit seinem schütteren Blondhaar harmlos und unscheinbar aussehenden Stürmer des erfolgreichen spanischen Provinzklubs FC Villarreal, zum Shooting-Star des Confed-Cup aufzusteigen. Figueroa erzielte gleich drei Treffer beim 4:2-Gruppensieg über Tunesien und bereitete sein Ausgleichstor zum 1:1 gegen Mexiko im Halbfinale per Hackentrick selbst vor.

Kollege Aloisi kam mehr noch als Figueroa mit dem No-name-Etikett zur Erdteilmeisterschaft ins Land des kommenden WM-Gastgebers. Mit jeweils zwei Treffern im Doppelpack versüßte er die 3:4- und 2:4-Niederlagen der Australier gegen Deutschland und Argentinien ein wenig. Der wuchtige Stürmer nutzte die günstige Gelegenheit, für sich zu werben, und fand prompt einen neuen Arbeitgeber im griechischen Spitzenklub Panathinaikos Athen.

Omnipräsenter Dauerläufer

Zu den besten Spielern des Turniers zählte auch der in der Serie A beim italienischen Adriaklub Reggina Calcio oft übersehene japanische Mittelfeldantreiber Shunsuke Nakamura. Der omnipräsente Dauerläufer, gesegnet mit einem guten Distanzschuß und der Fähigkeit, den entscheidenden Paß zu spielen, hätte mit seiner modernen, athletischen Spielkunst um ein Haar Weltmeister Brasilien aus den Angeln gehoben. Mit etwas Glück rettete die Selecao ein 2:2 im letzten Gruppenspiel über die Runden. Japan schied aus, und Trainer Zico, als brasilianischer Starspieler einst selbst eine Ikone des internationalen Fußballs, war stolz auf seinen motorischen Gestalter und Aktionskünstler.

Die große Nummer des Turniers war bezeichnenderweise ein Profi, der in aller Bescheidenheit seine Klasse zelebriert und froh ist, eine Zeit der Mißverständnisse beim FC Barcelona hinter sich zu haben: Ricardo Riquelme, ein Spielmacher der alten Schule, gab den Kombinationen der Argentinier Halt und Richtung. Der Regisseur des in die Champions-League-Qualifikation gestürmten FC Villarreal, erzielte beim Confederations Cup drei Treffer und entpuppte sich dazu als die zentrale Größe der Argentinier.

„Die phantastischen Vier“

Riquelme überstrahlte bis auf eine schwächere Leistung gegen Mexiko auch "die phantastischen Vier" der Brasilianer: Ronaldinho, der "Weltfußballer des Jahres 2004", Kaka, Robinho und Adriano enttäuschten in Deutschland keineswegs, nahmen sich aber auch nach einer langen Saison immer wieder die Auszeiten, die auch erschöpften Top-Profis der universalen Fußballszene zusteht. Adriano vor allem warb ein Jahr vor der WM für sich im diesmal nur virtuellen Duell mit Ronaldo, den Trainer Carlos Alberto Parreira in die Ferien geschickt hatte.

So, wie Adriano seine Chance nutzte, eine Vakanz vollwertig zu füllen, sprintete Lukas Podolski an die Spitze der deutschen Stürmerhierarchie. Getreu dem alten Motto, "Frechheit siegt", schoß Podolski bis zum Spiel um Platz drei gegen Mexiko zwei Tore und avancierte zum Herz-König des deutschen Publikums.

Doch man mußte bei diesem Konföderationenpokal nicht einmal mitkicken, um am Ende ein kleiner Star zu sein. Der italienische Schiedsrichter Roberto Rosetti setzte in Abwesenheit seines berühmten Landsmanns Pier-Luigi Collina Zeichen, indem er den Mexikaner Borgetti gleich dreimal vergeblich zu einem Elfmeter antreten ließ. Was Borgetti mit dem Fuß nicht geschafft hatte, gelang ihm dann per Kopf zum 1:0-Erfolg über Brasilien. Damit rückte auch er in die kleine "Hall of Fame" bei diesem überaus bunten, ereignisreichen und doch vergänglichen Wettbewerb auf.

Quelle: F.A.Z., 30.06.2005, Nr. 149 / Seite 31
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