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Didier Drogba : Abgang auf der Kleinbühne

  • -Aktualisiert am

Der Mann für die wichtigen Tore: Trifft Didier Drogba noch mal für Montreal Impact? Bild: USA Today Sports

Mit Montreal spielt Didier Drogba um die Meisterschaft. Doch der Abschied des Stürmerstars steht fest: Das Knie will nicht mehr – und sein Verein ist längst nicht mehr begeistert vom ihm.

          Sagen will er nichts. Zu wichtig sei das kommende Spiel, als dass er jetzt über seine Zukunft sprechen wolle, sagt Didier Drogba. Sein Schweigen nährt wiederum die Spekulationen darüber, ob die großartige Karriere des Didier Yves Drogba Tébily bald enden könnte. Der 38 Jahre alte Stürmer von der Elfenbeinküste steht mit Montreal Impact im Play-off-Halbfinale der Major League Soccer. Im Hinspiel daheim gab es gegen den Toronto FC einen 3:2-Erfolg, in der Nacht zu Donnerstag wird das zweite Spiel in Toronto ausgetragen.

          Doch was sollte Drogba auch groß sagen? Wie es um seinen Gesundheitszustand bestellt ist, kann jeder selbst sehen. Er besitzt natürlich noch einen berühmten Namen - hinter dem sich aber ein in die Jahre gekommener Körper verbirgt. Der Kopf hat immer noch so manche kreative Idee und den Instinkt für bestimmte Spielsituation. Doch die Umsetzung fällt zusehends schwerer.

          „Merci Didier“

          Im Play-off-Hinspiel gegen Toronto vor zehn Tagen wurde Drogba in der 71. Minute eingewechselt. Obwohl er eigentlich in dieser Saison nie auf Kunstrasen spielen wollte - zu gefährlich für seine Knie, wie er immer betonte. Aber dann stand der Ausnahmeangreifer aus Abidjan doch an der Seitenlinie und war bereit für seine Einwechslung. 61.000 Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion erhoben sich, klatschten Beifall, skandierten seinen Namen. Der Umjubelte schaute sich um, genoss sichtlich Atmosphäre und Applaus. Nach dem Spiel bat der Verein die Fans, noch eine Weile zu bleiben. Es folgte ein Video mit dem Titel „Merci Didier“. Drogba sagte, dass es sein letztes Spiel in Montreal gewesen sei.

          Es war in dieser Saison ohnehin nicht mehr die Leidenschaft zwischen Impact und dem Ivorer wie noch im Sommer 2015, als Drogba von vielen Fans am Flughafen so begeistert empfangen wurde wie sonst nur die Eishockeyprofis der Montreal Canadiens. In seinem ersten Spiel von Beginn an erzielte er beim 4:3-Sieg gegen Chicago Fire drei Tore. Nach elf Vorrundenspielen hatte Drogba elfmal getroffen und Montreal in die Play-offs geführt. Doch dann kam der Jahresbeginn 2016, ein Flirt mit seiner alten Liebe, dem FC Chelsea, und eine lautstarke Erinnerung aus Montreal, dass Drogba noch einen Vertrag bis zum Ende der Saison in Kanada habe.

          Es gab so manchen Zwischenfall

          Es war der Anfang eines Arbeitsverhältnisses, das mit „Dienst nach Vorschrift“ noch nett umschrieben ist. Da war zunächst Drogbas Erklärung, nicht auf Kunstrasen spielen zu wollen. Dann folgten immer wieder Verletzungen, Ende September nach einer 0:1-Niederlage bei New York Red Bulls ein kräftiges Wortgefecht mit Fans des Gegners, das fast in eine Handgreiflichkeit übergegangen wäre. Und als Impact-Trainer Mauro Biello Drogba Mitte Oktober gegen Toronto nicht in die Startelf stellte, teilte dieser umgehend mit, dass er nicht auf der Bank Platz nehmen werde, und fuhr nach Hause.

          Nun könnte es das letzte Kapitel der Zweckgemeinschaft geben und Drogbas Karriere womöglich im BmO Field von Toronto enden - einer eher kleinen, nahezu unbekannten Bühne in der großen Fußballwelt. Im Stadion wurde zumindest echter Rasen verlegt. Gut für Drogbas Knie. Sollte Montreal das Finale erreichen, wird am 10. Dezember beim Seattle Sounders FC gespielt - auf Kunstrasen.

          Auf der Insel war er ein „Late bloomer“

          Obwohl Drogbas Glanzjahre schon etwas zurückliegen, sind sie nicht vergessen und vor allem den Fans des FC Chelsea in bester Erinnerung. Als der 1,89 Meter große Offensivmann 2004 für die damalige Klubrekordsumme von 24 Millionen Pfund von Olympique Marseille verpflichtet wurde, war er bereits 26 Jahre. Sie nannten ihn auf der Insel einen „Late bloomer“.

          Doch der Spätentwickler kam genau zur rechten Zeit an die Stamford Bridge. Drogba gewann mit Chelsea in neun Jahren vierzehn Titel, war in der goldenen Ära des Vereins der Mann der wichtigen Tore. Die Tageszeitung „The Guardian“ bezeichnete ihn als „The ultimate big game player“, weil er in den wichtigsten Spielen immer traf. Egal, ob Liga-Pokal, FA Cup, Premier League, Champions League - Drogba war Mr. Zuverlässig. Auch am 19. Mai 2012.

          Im Endspiel der Königsklasse ist der FC Bayern München hoch überlegen, führt durch ein Kopfballtor von Thomas Müller 1:0. Es fehlen nur noch 120 Sekunden zum Sieg im „Finale dahoam“. Dann schlägt Juan Mata Chelseas erste Ecke in den Strafraum, und Drogba drückt in der 88. Minute zum 1:1 ein. Als schließlich die Entscheidung im Elfmeterschießen fallen muss. Es ist 23:29 Uhr, als Drogba zum Punkt schreitet. Auf ihn kommt es nun an. Und auf ihn ist Verlass. Manuel Neuer springt in die vom ihm aus gesehen linke Ecke, Drobga schiebt den Ball rechts unten rein. Chelsea ist Champion. Dank Didier Drogba.

          Quelle: F.A.Z.

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