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DFB Zwanzigers skandalöser Vergleich

15.03.2010 ·  Theo Zwanziger gelobte am Freitag im DFB-Präsidium Besserung. Nun aber zieht er einen unsäglichen Vergleich zwischen dem Fall Amerell und den aktuellen Missbrauchsskandalen. Der DFB-Präsident lernt nicht aus seinen Fehlern.

Von Michael Horeni
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Das Ergebnis, mit dem sich Theo Zwanziger das Vertrauen von Präsidium und Vorstand des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bestätigen ließ (siehe: Deutscher Fußball-Bund: In dubio pro Theo), haben früher nicht einmal kommunistische Führer bei Wahlen ohne Wahlmöglichkeit hinbekommen: hundert Prozent. Das ist ein bemerkenswertes Votum angesichts der Kritik, die der DFB-Präsident in den vergangenen Monaten auf sich gezogen hat (siehe: Deutscher Fußball-Bund: Goldene Zwanziger-Jahre sind vorbei).

Aber die absolute Zustimmung für Zwanziger bedeutete keineswegs, dass der Präsident so weitermachen sollte wie zuletzt im Schiedsrichterskandal. Das haben dem Präsidenten die Vertreter der Bundesliga sehr deutlich gemacht. Er habe verstanden, sagte Zwanziger am Freitag. „Weniger Macht ist gut, weniger Öffentlichkeit ist gut, mehr Delegieren ist gut. Ich will versuchen, das umzusetzen.“

Wie der Wandel aussieht, kann man an diesem Montag nachlesen. Schiedsrichter Kempter attackiert im „Focus“ den von ihm der sexuellen Belästigung beschuldigten Amerell nun nach der Veröffentlichung seiner „FC Bayern-Mail“ wegen einer weiteren Pflichtverletzung. Im „Spiegel“ kommen mit Unterstützung des DFB abermals die drei vorerst anonym bleibenden Schiedsrichter zu Wort, die ihren Vorwurf systematischer Übergriffe erneuern, wobei Amerell weiter jede Belästigung bestreitet. Also: Die Schlammschlacht geht weiter.

Weder juristisch, noch moralisch akzeptabel

Von weniger Öffentlichkeit und größerer Zurückhaltung kann auch keine Rede sein, wenn Zwanziger noch am Tag seiner Bestätigung in demselben Stil verfährt, mit dem er sich als moralische Fußballautorität im Land unmöglich gemacht hat. „Ich will nichts verallgemeinern, aber schauen sie doch mal, was derzeit in anderen Lebensbereichen abläuft. So ein System ist dank des Mutes von Herrn Kempter bei uns aufgedeckt worden. In anderen Bereichen stellt man fest, dass sich die Menschen erst nach vierzig Jahren melden“, sagte der DFB-Präsident am Freitag.

Zwanzigers skandalöser Vergleich ist eine Zumutung. Die Vorwürfe von vier erwachsenen Schiedsrichtern gegenüber Amerell sind weiter ungeklärt. Der Staatsanwalt hat bisher keine Anklage erhoben. Amerell hat bisher als unschuldig zu gelten. Zwanziger aber erweckt nun sogar den Eindruck, das „System Amerell“ und der jahrelange systematische sexuelle Missbrauch von minderjährigen Schulkindern in katholischen und privaten Einrichtungen durch Lehrer stünden in einem direkten Zusammenhang. Das ist weder juristisch akzeptabel (erst recht nicht für einen ehemaligen Richter wie Zwanziger) - und schon gar nicht moralisch.

Zwanziger lernt nicht aus seinen Fehlern

Wer sich noch am selben Tag seiner Bestätigung durch das Präsidium in einer der großen Krisen des Verbands ungerührt weiter als oberster Richter in ungeklärten sittlichen Fragen aufspielt, hat seine Rolle und seine Aufgabe als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes immer noch nicht verstanden.

Zwanziger lernt nicht aus seinen Fehlern. „Die 6,5 Millionen Mitglieder im DFB brauchen keinen Präsidenten, der alles richtig macht, sondern sie brauchen einen, der Respekt und Anerkennung genießt“, hat er gesagt. An diesem Anspruch will und muss sich Theo Zwanziger messen lassen - aber er handelt nicht danach.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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