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DFB Zwanzigers neue Baustelle

19.07.2010 ·  DFB-Präsident Theo Zwanziger spielt unabhängig von der Löw-Frage mit Rücktrittsgedanken. Von der Sehnsucht nach Privatem und „Amtsmüdigkeit“ ist die Rede. Damit stellt Zwanziger seine persönliche Befindlichkeit über die Nöte des Verbandes, der jetzt vor allem Ruhe bräuchte.

Von Peter Hess
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Als hätte der deutsche Fußball nicht schon genug offene Baustellen, hat Theo Zwanziger eine neue eröffnet. Die Gespräche über eine Vertragsverlängerung von Bundestrainer Joachim Löw und seinem Führungsteam der Nationalmannschaft sind gerade angelaufen, da hat der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) die Aufmerksamkeit des Publikums auf seine persönliche Zukunft gelenkt. Auf dem Verbandstag des Fußballverbandes Rheinland in Altenkirchen überraschte Zwanziger die Zuhörer mit dem Satz: „Ich spüre eine tiefe Sehnsucht nach Privatem.“ Danach bestätigte er in einem Interview mit der „Rhein Zeitung“ auf die Frage, ob er amtsmüde sei: „Ja, das kann man so sagen.“

Am Montag ließ der DFB-Präsident über seinen Sprecher Stephan Brause mitteilen: „Jeder Mensch, dessen Amtszeit zu Ende geht, hat das Recht, sich auch darüber Gedanken zu machen, ob er noch einmal für eine dreijährige Amtszeit zur Verfügung stehen will. Genau in diesem Entscheidungsfindungsprozess befinde ich mich im Moment.“ Legitime Gedanken eines Funktionärs? Dieser Meinung kann man sein. Man könnte aber auch sagen, dass Zwanziger zum ungünstigsten Zeitpunkt das Führungsvakuum und die daraus entstehende Unsicherheit unnötig vergrößert hat. Dass er seine persönliche Befindlichkeit über die Nöte des Verbandes stellt. Denn der DFB braucht in diesen Tagen, in denen über die Zukunft der Nationalmannschaft entschieden wird, nichts mehr als Ruhe. Die Wahl des Präsidenten beim Verbandstag am 21./22. Oktober in Essen ist nicht nur terminlich nachgeordnet.

Von der Öffentlichkeit ungerecht behandelt

Einen Zusammenhang zwischen den Fragezeichen hinter Löw und dessen Team und der Ungewissheit um Zwanziger wies Brause zurück. „Seine Zukunft wird er nicht an die Vertragsverlängerung von Joachim Löw knüpfen“, sagte Brause über Zwanzigers Gedankenspiele. „Aber klar ist, dass die erste Priorität in den nächsten Wochen die Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer hat. Erst danach wird er sich Gedanken über seine persönliche Zukunft als DFB-Präsident machen“, fügte der Sprecher an.

Wieso hat Zwanziger sie dann zu diesem Zeitpunkt geäußert? Seine Aussagen am Sonntag in Altenkirchen waren wohl eher von Emotionen geprägt. Trotz einer fiebrigen Viruserkrankung setzte sich der DFB-Präsident vier Stunden in den Sitzungssaal und nahm an der Versammlung seines Heimatverbandes teil, in deren Verlauf er zum Ehrenpräsidenten ernannt wurde. In seiner kurzen, prägnanten Rede ließ Zwanziger unter anderem anklingen, dass er sich manchmal von der Öffentlichkeit ungerecht behandelt fühle. Seine und die Leistungen des Verbandes würden zu gering geschätzt, die Kritik sei so überzogen, dass es bisweilen schmerze: „Auch Theo Zwanziger ist nur ein Mensch.“

„Den Handschlag hat‘s gegeben“

Im folgenden Interview mit der „Rhein Zeitung“ ließ sich der DFB-Präsident weiter von seinen Gefühlen leiten. Dem Vorwurf, er habe die Boulevardpresse mit Informationen versorgt, um seine Position in den Vertragsverhandlungen mit Löw zu verbessern, widersprach er nicht nur, er nannte auch die wahren Schuldigen: „Das kommt nicht von uns. Im Umfeld von Trainer und Manager gibt es drei, vier Berater, die die Medien steuern mit irgendwelchem Zeug.“ Sogar das strittige Thema, ob es bereits im Winter einen Handschlagvertrag zwischen ihm und Löw gegeben habe, griff Zwanziger im Interview wieder auf: „Den Handschlag hat‘s gegeben“, wird Zwanziger in der „Rhein Zeitung“ zitiert. Ob dieses Beharren die anstehenden Verhandlungen erleichtert?

Die wichtigere Frage ist, ob Zwanziger wirklich ernsthaft mit dem Rücktrittsgedanken spielt. Einer seiner Vertrauten, der 1. Vizepräsident des DFB, Hermann Korfmacher, glaubt nicht an einen Rückzug: „Ich hoffe für den Amateurfußball, dass Theo Zwanziger uns als Präsident erhalten bleibt. Und davon gehe ich auch aus“, sagte Korfmacher. Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhagen, zog die Angelegenheit ins Lächerliche: „Wir sind alle mindestens einmal in der Woche amtsmüde.“ Daher nehme er die Abschiedsgedanken nicht zu ernst, „denn erstens macht er seinen Job gut und zweitens gerne“.

Das räumte auch Zwanziger ein. „Die Arbeit als DFB-Präsident bereitet mir immer noch viel Freude.“ Die Gefahr seines Rücktritts wäre wohl größer, wenn ein geeigneter Nachfolger bereit stünde. Aber den sieht Zwanziger weit und breit nicht. „Wer soll es dann machen? Wenn ich gewählt werden will, dann werde ich auch gewählt.“

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