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DFB-Präsident Zwanziger Theo der Mächtige

25.03.2009 ·  DFB-Präsident Theo Zwanziger hat den Sprung ins Exekutiv-Komitee des europäischen Fußballverbands Uefa geschafft. Das bringt einen Machtzuwachs für den „Frauenversteher“. Nun muss Zwanziger beweisen, ob er das Zeug zur Funktionärsgröße hat.

Von Daniel Meuren
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Daheim in Altendiez ist der DFB-Präsident immer noch der Theo. Wenn der zur Fußballspielgemeinschaft fusionierte VfL Altendiez seine Spiele in der Kreisliga A Rhein/Lahn bestreitet, steht Theo Zwanziger, die einstige Nummer 10 des VfL, noch heute am Spielfeldrand, sofern es sein Terminkalender zulässt. Hier, im Amateurfußball, ist der Fußballanhänger Theo zuhause und auch der Fußballfunktionär Zwanziger.

Die andere Seite, die des Profisports und des großen Geschäfts, ist nicht wirklich Zwanzigers Welt. Wenn er bei der Männer-Nationalmannschaft weilt, merkt man ihm ein gewisses Unbehagen im Umgang mit den Profis an, das er gelegentlich auch äußert (siehe: Theo Zwanziger im Interview: „Der Hass muss weniger werden im Fußball“).

Lehrjahre im obersten europäischen Fußballgremium

Auf dem Feld des Berufssports ist er seinem Vorgänger Gerhard Mayer-Vorfelder, den Zwanziger mit der Unterstützung der Landesverbände zwischen 2004 und 2006 aus dem Amt drängte, unterlegen. Der ehemalige baden-württembergische Kultus- und Finanzminister Mayer-Vorfelder hatte seine Funktionärserfahrung vor Übernahme des DFB-Amtes ausschließlich im Profifußball als Präsident des VfB Stuttgart und als Präsident des Ligaverbands gesammelt. Entsprechend souverän wusste er sich auch im Machtspiel auf europäischer Ebene durchzusetzen und über seine Tätigkeit beim DFB hinaus als Vizepräsident der Uefa seinen Einfluss geltend zu machen - bis er nun durch seinen Abgang in Kopenhagen den Weg für Zwanziger ins Exekutivkomitee frei gab.

Zwanziger stehen nun Lehrjahre im obersten europäischen Fußballgremium bevor. (siehe: „Da schreit zur Begrüßung niemand hurra“). Der 63 Jahre alte DFB-Präsident will sich auf internationalem Parkett durch seine Kenntnisse als Jurist einbringen, etwa wenn es um Verhandlungen mit der EU, die Anpassung des europäischen Rechts an die Erfordernisse des Fußballs geht. Während Europa für Zwanziger ein schwieriges Spielfeld bleiben wird, fühlt er sich anders als sein Vorgänger an der Basis wohl, weil er hier noch spürt, welche soziale Kraft der Fußball besitzt. Zwanziger wuchs als Halbwaise bei seiner Mutter auf, der Fußball bot auch ihm die Gemeinschaft, in der er sich entwickeln konnte. Aus dieser Erfahrung heraus ist Zwanzigers Engagement im Fußball zu verstehen. Und aus seiner Übereinstimmung mit Egidius Braun, seinem sozial engagierten Vor-Vorgänger auf dem DFB-Chefsessel.

Sozialarbeiter, Frauenversteher, strenger Verbandschef

Zwanzigers Sozialarbeit widmet sich vor allem der Integrationspolitik. Der ehemalige CDU-Politiker glaubt daran, dass der Fußball Kindern und Jugendlichen, dabei vor allem auch Mädchen, mit Migrationshintergrund den Weg in die Mitte der deutschen Gesellschaft ebnen kann. Der angenehme Nebeneffekt für den DFB ist ein stetiges Wachstum der Mitgliederzahlen. Während das Potenzial bei männlichen Jugendlichen nahezu ausgeschöpft ist, meldete der DFB dieser Tage wieder einen stolzen Anstieg bei den mittlerweile über eine Million Frauen und Mädchen unter den Mitgliedern - zweifelsohne ein Verdienst des „Frauenverstehers“ an der Verbandsspitze. Mit der durch Zwanzigers Engagement nach Deutschland gelotsten Frauenfußball-Weltmeisterschaft 2011 wird sich dieser Trend fortsetzen oder gar beschleunigen.

So erfolgreich der Verbandschef mit seinen sozialen Projekten und so stark sein Rückhalt bei den Landesfürsten in den DFB-Regionalverbänden ist, so merkwürdig wirken seine verbandspolitischen Fehlschläge in jüngster Zeit: Im vergangenen Sommer zog Zwanziger in einen unnützen juristischen Streit gegen den freien Journalisten Jens Weinreich, der den DFB-Präsidenten in einem Blog-Beitrag im Internet wegen seiner Haltung zur Vergabe der Fernsehrechte als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet hatte. Mittlerweile sind wegen dieser Geschichte drei Verfahren vor Gerichten in Berlin, Frankfurt und Koblenz anhängig. Zwischenzeitlich machte Zwanziger sogar sein Schicksal als DFB-Präsident vom Ausgang dieses Verfahrens abhängig, bevor er dieses Ultimatum in eigener Sache zurückzog (siehe: Theo Zwanziger tritt nicht zurück). Der Streit an sich ist aber noch immer nicht vom Tisch, obwohl Zwanziger ausreichend Gelegenheiten gehabt hätte, die Auseinandersetzung mit einer Geste des guten Willens zu beenden. Zwanziger wirkt in dieser Sache schlecht beraten oder aber beratungsresistent.

Letzteres würde den Eindruck bestätigen, den mancher DFB-Mitarbeiter vermittelt. In der Verbandszentrale an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise wird Zwanziger für seine Strenge gefürchtet. Während Mayer-Vorfelder hausintern stets jovial auftrat, fordert der bienenfleißige neue Chef Arbeitseifer bis zur Selbstaufgabe - gerne legt er wichtige Präsentationen auf einen Termin am späten Freitagnachmittag, den die DFB-Mitarbeiter früher schon zum Start ins Wochenende nutzen konnten. Der Ehrgeiz des früheren DFB-Schatzmeisters wird gespeist aus dem Glauben, mittels des Fußballs gesellschaftlich etwas bewirken zu können. Einst wollte der junge Theo dasselbe in der Politik erreichen. Als Regierungspräsident machte er früh Karriere. „Ich habe aber für mich festgestellt, dass die oft sehr harte Politik nicht das rechte Feld ist für mich, um etwas zu bewegen. Da geht es in Sportverbänden doch deutlich fairer zu.“ Als Zwanziger dies sagte, war er freilich noch kein Mitglied im Uefa-Exekutivkomitee.

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Jahrgang 1973, Sportredakteur.

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