01.10.2007 · Theo Zwanziger hatte den Titel der Fußballfrauen nicht erwartet. Nun will der DFB-Präsident die Chancen nutzen, die sich durch den WM-Sieg bieten. Im F.A.Z.-Interview spricht Zwanziger über den Triumph, die Zukunft der Nationalelf und die Aussichten auf die WM 2011.
Kein Gegentor, erstmal eine Titelverteidigung bei einer WM, zahlreiche Sympathien gesammelt - es gibt einige Superlative, die die deutschen Fußballfrauen in China aufgestellt haben. Jemand der sich besonders für die Mannschaft wie auch den Basissport der Frauen einsetzt, ist der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über den WM-Triumph, die Zukunft der Nationalmannschaft und die Aussichten auf die globalen Titelkämpfe 2011 in Deutschland.
Die deutsche Nationalmannschaft ist Weltmeister geworden. Haben Sie damit gerechnet?
Nein, daran habe ich nicht geglaubt. Es ist für mich wirklich überraschend. Ich habe immer ein Ausscheiden schon im Viertelfinale nicht für abwegig gehalten, weil ich gesehen habe, dass wir da auf einen ganz dicken Brocken treffen werden. Aber die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in diesem Turnier gesteigert hat, wie sie in der Lage war, sich auf alle Gegnerinnen einzustellen, und wie sie sich mit ihrer läuferisch sehr aufwendigen und kompakten Spielweise durchgesetzt hat, das ist ungewöhnlich und beeindruckend.
Gerade das dramatische Finale gegen Brasilien hat gezeigt: Wenn es am schwierigsten wurde, dann rückte die Mannschaft am engsten zusammen. Hier hat sich ein Team präsentiert ohne Individualisten, die sich für wichtiger hielten als die Mannschaft. Das ganze Umfeld war in einer harmonischen und leistungsorientierten Verfassung - und da Fußball ein Mannschaftsspiel ist, zeigt sich, dass dies der Weg zum Erfolg ist. Ich gratuliere allen zu diesem Riesenfest für den deutschen Fußball. Ich freue mich auch, dass die Männer in Deutschland dies so respektvoll und ein Teil inzwischen auch begeistert aufnehmen - und die nächsten Ziele warten schon.
Ende des Monats entscheidet sich die Vergabe der WM 2011 - führt noch ein Weg an Deutschland vorbei?
Ich halte unsere Chancen nach dem Verzicht Frankreichs für sehr gut. Wir sind damit der einzige europäische Bewerber, auch die Schweiz hatte ja zunächst Interesse. Es war klar, dass wir mit einer Konkurrenz in Europa kaum eine Chance haben würden. Europa steht jetzt hinter unserer Bewerbung. Das ist Voraussetzung für einen Erfolg. Jetzt müssen wir Respekt vor unseren Konkurrenten Peru, Kanada und Australien zeigen. Ich denke aber, dass wir einen großen Trumpf haben: 2011 findet die sechste Frauen-WM statt, sie war aber erst einmal in Europa. Ich denke, bevor man zum dritten Mal nach Amerika oder in den asiatischen Bereich geht - wozu Australien seiner Konföderation nach gehört -, müsste man die Europäer berücksichtigen.
Was ist wichtiger für den deutschen Frauenfußball: hier Weltmeister geworden zu sein oder die WM 2011 in Deutschland?
Ein erfolgreiches Abschneiden bei einer WM ist immer sehr wichtig. Der Frauenfußball ist noch nicht so fest in der Fußball-Mentalität der Deutschen verankert, dass man sagen könnte, dass wir schon ein starkes, selbsttragendes Pflanzwerk haben. Das sind schöne Pflänzchen, die aber bei einem kräftigen Windstoß wieder auseinanderfallen können. Deshalb wäre ein schlechtes Abschneiden, ein Ausscheiden in der Vorrunde, ein Rückschlag gewesen. Die WM im eigenen Land würde uns eine langfristige Perspektive bieten und uns für die nächsten zehn, fünfzehn Jahre auf die Erfolgsbahn bringen. Auf die WM könnten wir viel draufsatteln, zum Beispiel gesellschaftliche Aktivitäten in Schulen. Dann würde aus dem Pflänzchen schon eine sehr starke Pflanze werden.
Welche konkreten Ziele haben Sie: Wo soll der deutsche Frauen-Fußball in zehn Jahren im deutschen Sport stehen?
Das erste und wichtigste Ziel ist immer, die Leistungsebene zu fördern, damit wir bei einer immer stärkeren Konkurrenz weiter vorne mitspielen können. Das heißt: Es muss für die A-Nationalmannschaft und die Nachwuchsmannschaften alles getan werden, was heute Spitzenfußball ausmacht. Das haben wir auch bei dieser WM gezeigt. Ohne das intensive Fitnessprogramm, das die Mannschaft absolvieren konnte, ähnlich wie die Männer unter Jürgen Klinsmann - das muss weitergeführt werden. Wir müssen für die Mädchen in der Nachwuchsförderung eine Vielzahl von Eliteschulen sichern. Wir sind da auf einem Anfangsweg, aber noch nicht so weit, dass man sagen kann, dass sie uns Spitzensportlerinnen liefern.
Wir müssen das bei den Mädchen stärker machen als bei den Jungs, weil die breite Säule Vereine dort so noch nicht steht - weder bei Vereinen aus der Bundesliga noch in der Breite. Dort werden wir unser Mädchenfußballprogramm beachtlich ausdehnen. Wir werden es damit schaffen, die Begeisterung, die wir in vielen unserer Vereine spüren, zu verstärken. Wir haben das Nahziel, dass von unseren 26.000 Vereinen wenigstens jeder zweite Klub es schafft, aktiven Mädchenfußball zu betreiben. Und dann haben wir das Sorgenkind Frauen-Bundesliga. Der Männer-Fußball ist nicht nur wegen der Nationalmannschaft so stark, sondern weil es auch eine tolle Bundesliga gibt, die jede Woche Schlagzeilen liefert, dazu ständig europäische Wettbewerbe. Dieser Fußball ist immer da. Der Frauen-Fußball kann diese Präsenz kurzfristig natürlich nicht stemmen.
Aber die Bundesliga attraktiver zu machen ist ein wichtiges Ziel. Die Spielstärke muss verbessert werden, die Spannung muss größer werden, und wir müssen den Männer-Bundesligisten nahebringen, wie interessant es auch für sie sein kann, eine in der Gesellschaft immer stärker werdende Gruppe mitzunehmen. Wenn ich Klubs wie Bayern München sehe, die da auch wieder eine Vorreiterrolle übernehmen, oder Werder Bremen, die jetzt ganz neu von der Basis beginnen, wird man auch über die großen Klubnamen zur Attraktivität beitragen. Der VfL Wolfsburg ist schon dabei, der Hamburger SV, Schalke 04 denkt darüber nach, so geht es in die richtige Richtung. Es muss ein richtiger Wettbewerb mit Klubs wie dem 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam entstehen.
Die Zukunft des Frauenfußballs liegt also bei den großen Männerklubs?
Sicher nicht alleine, aber bei diesen Klubs ist die Basis vorhanden. Sie können das viel leichter tun als Vereine, die fast ausschließlich in einem regionalen Rahmen arbeiten, so wie das heute noch der Fall ist. Aber die klangvollen Namen wirken. Man merkt das schon bei den Spielen im Europacup. Wenn da auf einmal Arsenal London zum 1. FFC kommt, dann gehen bei den Leuten die Ohren auf. Es muss jedoch ein Bündel von Maßnahmen für den Frauenfußball geben - und dazu gehört selbst die Prämie bei dieser Weltmeisterschaft dazu. Die Spielerinnen haben 55.000 Euro für den Titel bekommen. Die Prämie ist ein Beitrag, um zu zeigen, dass wir hoch einschätzen, was da geleistet wird. Wenn wir nur die übliche Prämie gezahlt hätten, dann hätte jeder gesagt: Wenn ihr selbst nichts tut, wie könnt ihr erwarten, dass Printmedien, Fernsehen oder gar Sponsoren einsteigen? Aber wir tun was für den Frauenfußball - und dafür werden wir auch die Stärke des Männerfußballs ausspielen.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |