http://www.faz.net/-gtl-8doyw
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 17.02.2016, 17:45 Uhr

DFB-Präsident Rauball „Wir müssen uns für Menschenrechte einsetzen“

Reinhard Rauball hält die Verteidigung der Menschenrechte für ein zentrales Thema des Fußballs. Zudem spricht der DFB-Präsident im F.A.Z.-Interview am Donnerstag über die Fifa-Wahl und Wolfgang Niersbach.

© dpa „Ich würde es für falsch halten, wenn sich der Sport abschottet und bestimmte Länder boykottiert“: Reinhard Rauball.

Reinhard Rauball, Interimspräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hält die Verteidigung der Menschenrechte für ein zentrales Thema des Fußballs. Aus diesem Grund werde der DFB bei der Präsidenten-Wahl des Fußball-Weltverbandes (Fifa) auf dem Außerordentlichen Kongress in der nächsten Woche in Zürich nicht für Scheich Salman Al Khalifa aus Bahrein stimmen.

„In Fragen des Fußballs macht er einen guten Eindruck“, sagte Rauball in einem Interview der Frankfurter Allgemeine Zeitung (Donnerstag-Ausgabe / ab 20.00 Uhr am Vortag schon bei F.A.Z. Plus, im E-Paper und im E-Kiosk). „Angesichts des Menschenrechts-Themas und der bis heute nicht ausgeräumten Zweifel werden wir ihn aber nicht wählen.“ Scheich Salman, Mitglied der Königsfamilie von Bahrein, wird von mehreren Menschenrechts-Organisationen vorgeworfen, während der blutig niedergeschlagenen Demonstrationen im Jahr 2011 für die Verfolgung und Folterung auch von Sportlern verantwortlich gewesen zu sein.

Mehr zum Thema

F.A.Z. Mehr dazu in der F.A.Z. vom 18.02.2016. Am Vorabend schon in der F.A.Z. -App und als E-Paper.

Der 69 Jahre alte Rauball sagte, Menschenrechte hätten einen überragenden Stellenwert in jeder Hinsicht. „Wir müssen uns dafür einsetzen.“ Rauball, der auch Präsident des Bundesligaklubs Borussia Dortmund ist, dessen Mannschaft ihr Winter-Trainingslager in Dubai abhielt, plädiert aber für einen „Wandel durch Annäherung“. „Ich würde es für falsch halten, wenn sich der Sport abschottet und bestimmte Länder boykottiert.“

Der Sport solle seine Popularität für die Verteidigung der Menschenrechte einbringen. „Es geht darum, die Strahlkraft des Sportes und insbesondere des Fußballs zu nutzen, um unsere Werte weltweit zu fördern.“ Sollte Scheich Salman zum Fifa-Präsidenten gewählt werden, müsse man „jede Gelegenheit nutzen, das Thema Menschenrechte anzusprechen. Und darf auch nicht müde werden, nachdem man es zwei, dreimal gemacht hat und sagen, das reicht dann auch. Nein, da ist Nachhaltigkeit und Kontinuität gefragt“.

Die Chronologie der WM-2006-Affäre Was bisher geschah: Chronologie der WM-Affäre © tora./dpa Interaktiv 

Der DFB hatte schon im Januar erklärt, er werde den Schweizer Kandidaten Gianni Infantino unterstützen. Den drei weiteren Anwärtern, dem Jordanier Prinz Ali Al Hussein, dem Franzosen Jerome Champagne und dem Südafrikaner Tokyo Sexwale werden kaum Chancen eingeräumt. „Es gibt hier die Wahl zwischen konkreten Alternativen und nicht zwischen abstrakten Wünschen“, sagte Rauball.

„Man kann jemanden wählen, dessen Programm gefällt, aber wenn diese Person nicht mehrheitsfähig ist, ist die Stimme verschenkt.“ Infantino, Generalsekretär der Europäischen Fußball-Union Uefa und damit rechte Hand des gesperrten Präsidenten Michel Platini, sei integer, verlässlich und kenne den Fußball mit seinen handelnden Personen sehr genau. „Es wäre ungerecht, ihn nur deshalb abzulehnen, weil Michel Platini in den vergangenen Jahren sein Chef war.“

Unbenanntes Dokument

Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

Sein Verhältnis zu Wolfgang Niersbach, nach dessen Rückzug als DFB-Präsident Rauball als Präsident des Ligaverbandes zusammen mit Rainer Koch an die Spitze des Verbandes rückte, bezeichnete Rauball als „nach wie vor ordentlich“. In der Affäre um die Vergabe der WM 2006, unter deren Druck Niersbach zurücktrat, gelte es, die Ermittlungen der vom DFB beauftragen Kanzlei Freshfields abzuwarten.

Dass Niersbach seine Positionen in den Exekutivkomitees der Fifa und Uefa behalten hat, ist für Rauball kein Grund, ihn zu bedrängen. „Wolfgang Niersbach ist nicht vom DFB entsandt worden, kann laut Statuten also auch nicht vom DFB abberufen werden.“ Die Zusammenarbeit mit Niersbach funktioniere sehr gut. „Er informiert uns regelmäßig, auch im Vorfeld dieses Kongresses.“

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Krawall der Hooligans Das EM-Risikospiel des Monopolisten Uefa

Der Europäische Fußball-Verband (Uefa) verbucht Milliardengewinne. Doch die Unzufriedenheit der Sponsoren steigt im Angesicht der wiederholten Ausschreitungen während der Europameisterschaft. Die Organisation muss schleunigst gegensteuern. Mehr Von Michael Ashelm

20.06.2016, 21:01 Uhr | Wirtschaft
Südafrika Hunde jagen Tiere für Wilderer

In der Umgebung von Südafrikas Wirtschaftsmetropole Johannesburg setzen Wilderer Hunde ein, um in Tierschutzgebieten zu jagen. Es ist oft die Armut, die die Menschen dazu treibt, sich so Fleisch zu besorgen. Doch laut den Behörden ist für viele die grausame Jagd ein Sport geworden. Mehr

10.06.2016, 02:00 Uhr | Gesellschaft
Fifa-Vorsitzender Infantinos Reputation leidet weiter

Beim Internationalen Fußball-Verband kündigt ein Mitglied der Fifa-Vergütungskommission seine Mitarbeit unter Gianni Infantino auf. Besonders für den Präsidenten ist der Abgang pikant. Mehr Von Michael Ashelm

23.06.2016, 07:57 Uhr | Sport
Die Briten stimmen ab Was ist der Brexit?

Die Briten stimmen ab, ob ihr Land in der EU bleiben soll. Aber: Könnten sie überhaupt austreten? Und was würde das für Deutschland bedeuten? Mehr Von Marcus Theurer und Reinhard Weber

21.06.2016, 15:59 Uhr | Wirtschaft
Gianni Infantino Wie Maradona dem Fifa-Präsidenten hilft

Gianni Infantino baut sich derzeit weltweit eine Machtstruktur auf. Nun setzt der Fifa-Präsident auf Propagandaminister Diego Maradona – und der liefert gleich zuverlässig. Mehr Von Tobias Käufer, Rio de Janeiro

24.06.2016, 21:34 Uhr | Sport

Distanz ist anders

Von Anno Hecker

Als EM-Experten werden Mehmet Scholl und Oliver Kahn fürstlich entlohnt. Sie meiden meist die Konfrontation – sonst verlieren sie ihren Stand in der Fußballfamilie. Diese Abhängigkeit dürfte eigentlich kein Honorar wert sein. Mehr 36 65