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Veröffentlicht: 31.03.2014, 08:14 Uhr

DFB-Präsident Niersbach im Gespräch „Die Spieler sind an der absoluten Belastungsgrenze“

Die Uefa führt die Nationenliga ein. Im F.A.Z.-Interview spricht DFB-Präsident Wolfgang Niersbach über seinen Widerstand gegen die Revolution im europäischen Fußball - und die Gründe, sich ihr trotzdem anzuschließen.

© dpa „Der deutsche Fußball braucht die Nations League nicht“: DFB-Präsident Wolfgang Niersbach

Was sind Ihre Bedenken gegen die Nations League?

Meine Bedenken habe ich sehr offen gegenüber den sieben führenden Nationalverbänden schon Ende Januar geäußert. Obwohl es definitiv keine zusätzlichen Termine geben wird, wie teilweise falsch dargestellt, sage ich grundsätzlich: Der Fußball braucht keine neuen Wettbewerbe. Der Kalender ist ausgereizt. Die Spieler sind an der absoluten Belastungsgrenze angekommen, physisch wie psychisch. International ist die Frequenz sogar noch extremer, wenn man bedenkt, dass die großen Ligen in Spanien, England, Italien und Frankreich mit zwanzig Vereinen in der Liga spielen. Sie haben somit vier Spieltage mehr, manche spielen dazu den Pokal noch mit Hin- und Rückspielen. Aber auch bei uns sind wir klar am Limit, keine Frage. Bedenken habe ich aber auch wegen des Modus´. Ich frage mich, ob der sportliche Wert der Nations League für Zuschauer und Medien erkennbar sein wird. Dieser besteht für die kleinen Verbände in erster Linie darin, sich durch ein Wild-Card-System für ein großes Endturnier zu qualifizieren.

Wer braucht die Nations League?

Der deutsche Fußball braucht die Nations League nicht. Die Engländer, Spanier und Holländer auch nicht. Wir beim DFB wollen unsere Freundschaftsspiel-Termine für Klassiker nutzen, so wie nach der WM gegen Argentinien. Aber die anderen Verbände haben ihre Haltung nicht so klar kommuniziert wie wir. Ich stand alleine. Die Uefa hat dann in der Zwischenzeit Treffen mit 47 anderen Nationalverbänden durchgeführt, und sie kam nach Astana mit der Botschaft: Alle wollen die Nations League, weil für diese Verbände die Freundschaftsspiele keinen Wert mehr besitzen, insbesondere – dies muss man so klar sagen – unter wirtschaftlichen Aspekten.

Sie haben trotz Bedenken für die Nations League gestimmt – Konsequenz ist etwas anderes.

Konsequent bin ich in meinem Demokratie-Verständnis. Denn als Vorsitzender der Uefa-Kommission für Nationalmannschafts-Wettbewerbe muss ich auch die Anliegen aller anderen Nationalverbände respektieren, da kann es nicht um Egoismen und eine ausschließlich deutsche Perspektive gehen. Als erkennbar wurde, dass es der große Wille der Verbände ist, die Resolution einstimmig anzunehmen, haben wir uns angeschlossen. Unmittelbar nachdem wir am Dienstag in Astana ankamen, tauchte die Resolution zum ersten Mal auf und kam auf die Tagesordnung, wo sie vorher nicht stand. Daraufhin haben wir sofort die Liga mit Reinhard Rauball und Christian Seifert an der Spitze informiert, sie kannten also jeden einzelnen Schritt. Vor der Sitzung fragte Platini, ob die Verbände damit einverstanden sind, diesen Punkt aufnehmen. Diesem wurde entsprochen, nach meinem Verständnis war das Verfahren auch formal und damit juristisch in Ordnung.

Wir würden sagen: Platini hat alle überrumpelt.

Das Thema wird seit einem Jahr hinter den Kulissen diskutiert. Das war kein Handstreich. Aber die Resolution war neu, das kann man nicht bestreiten.

Michel Platini und Wolfgang Niersbach © dpa Vergrößern Niersbach (links) und Uefa-Präsident Michel Platini

Wie begegnen Sie der Kritik, dass Platini vorgeworfen wird, diese Entscheidung nur getroffen zu haben, um bei einer möglichen Kandidatur für die Fifa-Präsidentschaft sich die Stimmen der kleinen Verbände zu sichern?

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