30.05.2009 · Torfestival im letzten Frauenfinale um den DFB-Pokal in Berlin: Uefa-Pokal-Gewinner Duisburg besiegte Turbine Potsdam 7:0. Damit verabschiedete sich der FCR vom Image des „ewigen Zweiten“ - trotz eines heftigen Platzregens.
Von Christian Kamp, BerlinDieses Finale machte heftig Eindruck. „Es hätte nur noch gefehlt, wenn ein Blitz eingeschlagen hätte“, sagte Jennifer Zietz, die Spielführerin des 1. FFC Turbine Potsdam. Für derlei apokalyptische Andeutungen gab es gleich doppelt Grund. Zum einen hatten die Potsdamerinnen das Endspiel um den DFB-Pokal am Samstag 0:7 gegen den FCR 2001 Duisburg verloren, was ohne Frage einem sportlichen Donnerschlag gleichkam: Ein solches Ergebnis hatte es in der Geschichte des Frauen-Endspiels bis dato nicht gegeben. Zum anderen war in der zweiten Halbzeit ein Unwetter über das Berliner Olympiastadion hinweggefegt, wie man es auf einem Fußballplatz nur selten erlebt. Selbst der Stadionsprecher zollte den Spielerinnen Respekt dafür, dass sie es in dem Gemisch aus Starkregen und böigem Wind bis zum Ende aushielten.
Was aber hätten sie sonst auch tun sollen? Denn bei aller Unbill gab es keinen Zweifel daran, dass die äußeren Bedingung bis zum Ende regulär blieben. Die Wetterkapriolen sorgten allenfalls dafür, dass der Untergang der Potsdamerinnen sich am Ende noch beschleunigte. Nach einem etwas unglücklich zustande gekommenen 0:2-Halbzeitrückstand mussten sie in den ersten zehn Minuten nach der Pause drei weitere Gegentore hinnehmen - spätestens damit war die Partie zu Gunsten der Duisburgerinnen entschieden. Annmieke Kiesel, Inka Grings (jeweils 2), Fatmire Bajramaj, Femke Maas und Alexandra Popp erzielten die Treffer. „Dass der Abend so endet - unbeschreiblich“, sagte Inka Grings, die Duisburger Spielführerin. „Besser und schöner kann man eine Saison nicht beenden.“
„Das ist nicht die Werbung, die wir wollen“
Richtig zu Ende ist sie ja eigentlich noch gar nicht. Doch bei zwei ausstehenden Bundesliga-Spieltagen gibt es im Grunde keinen Zweifel daran, dass der FC Bayern München das Meisterrennen machen wird. Weil die Duisburgerinnen aber ein Woche vor dem Berliner Finale schon den Uefa-Pokal gewonnen hatten, dürfen sie sich dennoch als legitimer Nachfolger des jahrelang so dominanten 1. FFC Frankfurt fühlen. Dass sie mit den beiden Titeln seit der Meisterschaft 2000 nebenbei auch noch das Image des „ewigen Zweiten“ losgeworden sind, hätte eigentlich auf ungetrübte Partystimmung schließen lassen können. Ganz so war es allerdings nicht.
Denn zum einen wechseln die Nationalspielerin Bajramaj und Corina Schröder nach dieser Saison zum Finalgegner Potsdam - dort könnte mit Hilfe der Verstärkung aus Duisburg schon die neue Macht im deutschen Frauenfußball entstehen. Zum anderen war Martina Voss, die Trainerin des FCR, über die Höhe des Sieges nicht einmal so glücklich. „Das ist nicht die Werbung, die wir wollen“, sagte sie. „Mir wäre ein 5:4 oder 5:3 lieber gewesen.“ Die Sorge ist eben immer noch groß, dass beim Publikum Zweifel an der sportlichen Substanz entstehen könnten, wenn sich die Resultate selbst an der Spitze nach einem Klassenunterschied anhören. Doch genau so war es in dieser Saison ja nicht. Der Dreikampf an der Ligaspitze hat für Abwechslung und Belebung gesorgt - und auch für ein höheres Niveau insgesamt.
„Für den Frauenfußball ist das ein Schritt nach vorn“
Der nächste Schritt, den die Fußballfrauen aus dem Schatten der Männer machen wollen, ist bereits beschlossen: Von der kommenden Saison an wird das Pokalfinale nach 25 gemeinsamen Jahren nicht mehr an deren Termin angebunden, sondern erhält einen eigenen Rahmen. „Für den Frauenfußball ist das ein Schritt nach vorn“, sagte Inka Grings und sprach damit für die meisten ihrer Kolleginnen. Am 12. Juni entscheidet das DFB-Präsidium darüber, ob Leverkusen, Wolfsburg, Frankfurt, Gelsenkirchen oder Köln den Zuschlag erhält - zunächst für zwei Jahre. Es ist vor allem eine Richtungsentscheidung, was die Stadiongröße betrifft. Vernünftiger dürfte es sein, es erstmal mit einer mittelgroßen Variante zu versuchen, also in Leverkusen oder Wolfsburg.
Die einzigen, die den Abschied aus der Hauptstadt wirklich bedauern, sind die Potsdamerinnen. Sie hatten sich bei ihren vier Finalteilnahmen bislang immer heimisch gefühlt im großen, allerdings auch sehr spärlich besetzten Rund des Olympiastadions. Es heiße nun einmal „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin“, sagte Jennifer Zietz. „Da passt keine andere Stadt.“ Mag sein. Beim Thema Wetter hingegen sprach wirklich alles für Veränderung.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |